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27.04.2014 | Onlineartikel

Abhängig von der Tageszeit

Ventrikuläre Rhythmusstörungen treten abends am häufigsten auf

Autor:
Dr. med. Eimo Martens

Ziel unserer multizentrischen, retrospektiven Untersuchung war es, die zeitliche Verteilung von Rhythmusstörungen sowie des Aktivitätsstatus von ICD-Patienten darzustellen.

Hierzu wurden die anonymisierten Nachsorgen von ICD und CRT-D-Patienten von neun Kliniken aus den Jahren 1998–2013 gesammelt und in einer Datenbank zusammengefasst. Die Analyse wurde in der CareLink® Analytics Datenbank durchgeführt. In diesem System können die Nachsorgen aus Programmiergeräten sowie telemetrische Übermittlungen der implantierten Geräte erfasst werden. Zur Auswertung stehen damit alle programmierten und gemessenen Parameter, intrakardia le EKGs, Episoden- und Trenddaten über die gesamte Geräte-Lebenszeit zur Verfügung. Wir konnten 14.343 Klinik- bzw. telemetrische Nachsorgen von 1534 ICD- oder CRT-D-Geräten (insgesamt 2497 Gerätejahre) analysieren. Das Kollektiv bestand aus 78 Prozent Männern und 22 Prozent Frauen. Das durchschnittliche Alter betrug 66 ± 13 Jahre.

Gegen 20 Uhr steigt das Risiko für Rhythmusstörungen

In der Analyse zeigten sich 3564 Episoden von ventrikulären Tachykardien (mittlere Zyk luslänge 409 ms) und 842 Kammerflimmern-Episoden (mittlere Zykluslänge 231 ms). Die Kammerflimmern-Episoden zeigten eine signifikante Häufung gegen 20 Uhr abends (p=0,02; Abb. 1). Für die ventrikulären Tachykardien konnten wir keine signifikante Häufung ausmachen.

Gehäuftes Auftreten im April und im September

Neben der zeitlichen Verteilung im Tagesverlauf analysierten wir die durchschnittliche Verteilung im Verlauf des Jahres. Hier zeigte sich eine signifikant erhöhte Inzidenz der Episoden von Kammerflimmern und ventrikulären Tachykardien im April und September (Abb. 2). Betrachtet man die körperliche Aktivität, zeigt sich hier der signifikante Anteil von Rhythmusstörungen in körperlicher Ruhe (p=0,001).

Fazit

Entgegen vieler anderer Daten, in denen eine morgendliche Häufung der Fälle von plötzlichem Herztod beschrieben wurde, zeigen unsere Daten, dass signifikant mehr Rhythmusstörungen am Abend auftreten. Ein wichtiger Unterschied ist sicher, dass sich Herztodstudien bisher vor allem auf Daten aus dem Rettungsdienst oder Totenscheinen berufen. Hier ist man auf die Auffinde-Uhrzeit eines Patienten angewiesen, die nicht dem Eintritt einer Rhythmusstörung entsprechen muss. Durch ein implantiertes Device wird die Uhrzeit der Rhythmusstörung präzise dokumentiert und gibt somit genauere Informationen über den Eintrittszeitpunkt als zuvor möglich. Betrachtet man die Jahresverteilung der Episoden von ventrikulären Tachykardien und Kammerflimmern, konnten wir eine ähnliche Verteilung wie andere Studien zeigen mit einer Häufung im April und September. Entgegen unseren Erwartungen und Daten aus anderen Untersuchungen traten die meisten Rhythmusstörungen bei körperlicher Ruhe auf. Ein denkbare Ursachen für die saisonale und tageszeitliche Verteilung von Rhytmusstörungen könnten die zirkadiane Rhythmik körpereigener Hormone oder die Pharmakokinetik bestimmter antiarrhythmischer Medikamente sein. Saisonale Veränderungen der Witterung könnten ebenfalls eine Rolle spielen, z.B. durch Infekthäufung.

Literatur