Onlineartikel 01.03.2016

Verringert Candesartan die Kardiotoxizität der Brustkrebstherapie?

Moderne Brustkrebstherapien sind oft schlecht fürs Herz. In der randomisierten PRADA-Studie war jetzt die Abnahme der linksventrikulären Funktion bei adjuvanter Brustkrebstherapie unter Behandlung mit Candesartan, nicht aber Metoprolol, geringer.

Anthrazykline wie Doxorubicin sind das klassische Beispiel für Chemotherapeutika, die die Herzfunktion ungünstig beeinflussen. Bei Frauen mit aggressiveren Brustkrebsformen sind sie eine in der adjuvanten Behandlung nach wie vor häufig eingesetzte Substanzklasse. Besonders problematisch ist das deswegen, weil auch der HER2-Antikörper Trastuzumab kardiotoxisch ist. Bei HER2-positiven Tumoren wird beides mitunter in kurativer Intention kombiniert.

Lässt sich das Herz vor der Krebstherapie medikamentös schützen? In der randomisierten PRADA-Studie, die schwerpunktmäßig in Norwegen stattfand, an der aber auch zwei Berliner Krankenhäuser beteiligt waren, wurde das bei 130 erwachsenen Frauen untersucht, die sich wegen einer frühen Brustkrebserkrankung einer adjuvanten Therapie unterziehen mussten. 120 wurden letztlich behandelt.

In einem 2x2-Faktorialdesign erhielten diese anfangs herzgesunden Frauen begleitend zur Antitumortherapie entweder 32 mg Candesartan plus Placebo, 100 mg Metoprolol plus Placebo, beides zusammen oder zwei Placebos. Die bildgebenden Untersuchungen erfolgten per MRT.

Unterschied bei der kardialen Auswurfleistung

Primärer Endpunkt der Studie war die Veränderung der linksventrikulären Auswurfleistung (LVEF), und zwar zwischen Studienbeginn und Ende der adjuvanten Krebstherapie. Zu Beginn lag die mittlere LVEF in den vier Gruppen zwischen 62,2% und 63,6%.

Am Ende der adjuvanten Therapie waren es bei den Patienten, die Candesartan erhalten hatten, 61,4%, bei den Patienten, die kein Candesartan erhalten hatten, 60,6%.  Gemessen an den jeweiligen Ausgangswerten war das eine Abnahme um 0,8 Prozentpunkte bei Therapie mit Candesartan und um 2,6 Prozentpunkte, wenn kein Candesartan eingenommen wurde. Dieser Unterschied war statistisch signifikant (p=0,026). Eine Metoprolol-Therapie machte demgegenüber keinen Unterschied für die LVEF.

Keine signifikanten Unterschiede gab es bei der rechtsventrikulären Auswurfleistung. Auch die bei Anthrazyklin-Therapie typischerweise erhöhten Troponin I-Werte wurden durch Candesartan nicht geringer. Die Autoren interpretieren das als Hinweis darauf, dass Candesartan weniger die unmittelbar kardiotoxischen Effekte der Krebstherapie verhindert als vielmehr beim Remodelling ansetzt und dieses verringert.

Fehlender Betablocker-Effekt überrascht

Dass kein Unterschied in den Betablockergruppen gefunden wurde, ist den Autoren zufolge etwas überraschend, da es mehrere kleine, randomisierte Studien gegeben habe, in denen ein solcher Effekt beobachtet wurde. Dies hänge möglicherweise damit zusammen, dass die Anthrazyklin-Dosierungen in der aktuellen Studie vergleichsweise niedrig waren.

Auch der LVEF-Abfall in der Placebogruppe war eher geringer als in anderen Studien, sodass der fehlende Effekt von Metoprolol eventuell auf die zu geringe statistische Power zurückzuführen sei. Die Teilnehmerinnen der Studie sollen jetzt noch im Langzeitverlauf untersucht werden.

Literatur

Gulati G et al. Prevention of cardiac dysfunction during adjuvant breast cancer therapy (PRADA): a 2x2 factorial, randomized, placebo-controlled, double-blind clinical trial of candesartan and metoprolol. European Heart Journal. 21. Februar 2016. Doi: 10.1093/eurheartj/ehw022