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18.05.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Expertenblickpunkt HRS 2015

VHF-Ablation: Kälte und Laser so gut wie Radiofrequenzstrom

Autor:
Dr. Claudius Hansen

Das bei der Ablation von Vorhofflimmern am häufigsten angewandte Verfahren der Radiofrequenzablation bekommt zunehmende Konkurrenz. Zwei neue Vergleichsstudien belegen die Nichtunterlegenheit von Cryo- und Laserablation.

In der Late breaking Clinical Trials Session 1 bei der Jahrestagung 2015 der Heart Rhythm Society (HRS) in Boston wurde von Dr. Armin Luik aus Karlsruhe eine randomisierte Single-Center-Studie vorgestellt. Luik hatte die Daten bereits jüngst auf der Frühjahrstagung der DGK in Mannheim präsentiert.

Die Studie untersuchte an 322 Patienten die Nichtunterlegenheit des Cryoballons versus offen gekühlter Radiofrequenzablation. Eingeschlossen wurden Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern, die zumindest mit einem Antiarrhythmikum vorbehandelt waren und darunter ein Rezidiv erlitten.

Primärer Endpunkt der Studie war Freiheit von Vorhofflimmern bis zum 6. und 12. Monat. Sekundäre Endpunkte waren periprozedurale Komplikationen, Prozedurdauer und Strahlenbelastung. 159 Patienten wurden mit konventioneller Radiofrequenzablation und 156 Patienten mit dem Cryoballon behandelt. Da die Studie schon 2010 startete, wurden etwa 80% der Patienten mit dem Cryoballon der ersten Generation abladiert.

Nichtunterlegenheit des Cryoballon

Bezüglich des primären Endpunktes zeigten sich in der Radiofrequenz-Gruppe 68% und in der Cryo-Gruppe 65% frei von Vorhofflimmern und somit eine statistische signifikante Nichtunterlegenheit. Bezüglich des sekundären Endpunktes konnte eine signifikant kürzere Prozedurdauer (167,4 vs. 189,1 Minuten) mit jedoch höherer Strahlendosis (75,7 vs. 60,7 cGy/cm²) gezeigt werden. Bei 5,8% der mit dem Ballon behandelten Patienten kam es zu Nervus-Phrenicus-Läsionen.

In der von Dr. Vivek Reddy aus New York beim HRS-Kongress vorgestellten randomisierten multizentrischen „HeartLight“-Studie wurden 353 Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern eingeschlossen. 178 Patienten wurden mit dem Laserballon und 175 Patienten mit der konventionellen offen gekühlten Radiofrequenzablation behandelt. Auch diese Studie hatte ein Nichtunterlegenheitsdesign.

Gleicher Erfolg mit Laserablation

Der Erfolg nach 12 Monaten in Bezug auf Vorhofflimmernfreiheit war in beiden Gruppen mit 61,1% gleich, womit eine Nichtunterlegenheit bewiesen werden konnte. Auch in dieser Studie zeigte sich eine Phrenikusläsion bei 3,5% der mit dem Laserballon behandelten Patienten, welche mit Radiofrequenz-Behandlung nicht gesehen wurde. Die Behandlungsdauer war mit 236 vs. 193 Minuten in der Laserballongruppe signifikant länger. Auch die Durchleuchtungszeit war bei den Patienten, die mit dem Laserballon behandelt wurden, länger (35,6 vs. 29,7 Minuten). In jeder Gruppe wurde nur eine Tamponade beobachtet.

In beiden Studien wurde wohl nicht die aktuellste Radiofrequenz-Applikationstechnik mit Anpressdruck verwendet. Bei randomisierten Studien ist das bei der Länge der Studienlaufzeit und der damals noch nicht verfügbaren Technik auch verständlich. Abzuwarten bleiben randomisierte kontrollierte Studien in denen jeweils die aktuellsten Techniken verwendet werden. Die Phrenikus-Läsion scheint eine ballontypische Komplikation zu sein, die bei Radiofrequenz-Energie nicht gesehen wird.

In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. Dr. Claudius Hansen ist Kardiologe und Internist im Herz & Gefäßzentrum am Krankenhaus Neu-Bethlehem in Göttingen.

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