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24.04.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Wer darf hinters Steuer?

Viele ICD-Patienten missachten Fahrverbot

Autor:
Dr. med. Friederike Hartel

Zur Fahrtauglichkeit von ICD-Patienten gibt es klar formulierte nationale und internationale Empfehlungen. Doch diese werden nicht immer realisiert, wie eine Befragung am Universitären Herzzentrum Hamburg ergab.

Jeder Patient, dem ein Schrittmacher implantiert wurde, bekam zum Entlassungszeitpunkt eine individualisierte Empfehlung bezüglich der Fahrtauglichkeit, die zusätzlich in schriftlicher Form im Arztbrief dokumentiert wurde. Im Rahmen der ambulanten Nachsorgeuntersuchung wurden alle Patienten standardisiert befragt. Evaluiert werden sollten sowohl die Qualität der Vermittlung des Fahrverbots sowie die tatsächliche Compliance der Patienten.

Unsere Ergebnisse umfassen die Antworten von 60 Patienten mit einem mittleren Alter von 68,5 Jahren (21 – 83 Jahre). 46,67 Prozent der Patienten wurden primärprophylaktisch, 53,33 Prozent sekundärprophylaktisch mit einem ICD versorgt. Rhythmusstabilität seit der Implantation (d. h. keine therapiebedürftigen Episoden von ventrikulären Tachykardien oder Kammerflimmern) war in 60 Prozent vorhanden.

Die befragten Patienten nutzten mit zwei Ausnahmen PKWs ausschließlich privat. Die Dauer des Fahrverbots variierte zwischen einem Monat und drei Monaten.

Viele wussten nichts vom Fahrverbot

42 Prozent der Befragten gaben an, nie von dem Thema Fahrverbot gehört zu haben. Nur 58,3 Prozent der ICD-Träger bestätigten, über ihr Fahrverbot ausreichend informiert worden zu sein. Verständnis für ein Fahrverbot äußerten zwar 68,33 Prozent der Befragten, tatsächlich daran gehalten haben sich laut unserer Untersuchung jedoch nur 58,33 Prozent.

Bessere Dokumentation erforderlich

Fast die Hälfte aller Patienten konnte sich nicht an das Gespräch über das Thema Fahrverbot erinnern. Deutlich mehr als ein Drittel aller Patienten hielt sich darüber hinaus nicht an die Empfehlungen und missachtete das Fahrverbot gelegentlich oder dauerhaft.

Daher ist aus ärztlich-forensischer Sicht eine bessere Dokumentation erforderlich. Augenscheinlich ist bei den Entlassgesprächen und beim Schreiben der Arztbriefe darauf zu achten, dass das Thema Fahrverbot einen höheren Stellenwert bekommt.

Friederike Hartel präsentierte diese Erkenntnisse am Samstag, den 26. April 2014, von 10.00 bis 11.30 Uhr im Posterbereich K.

Literatur