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01.07.2015 | Nachrichten

Antikoagulation

Vorhofflimmern: Auch NOAC bei Ablation nicht absetzen?

Autor:
Philipp Grätzel

Neue orale Antikoagulanzien (NOAC) brauchen im Fall einer Ablationstherapie bei Patienten mit Vorhofflimmern wahrscheinlich nicht abgesetzt werden. Zumindest gab es in einer großen Beobachtungsstudie keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko.

Bei der Tagung EHRA EUROPACE – CARDIOSTIM 2015 in Mailand hatte die European Heart Rhythm Association (EHRA), wie berichtet, ein neues Positionspapier vorgestellt, wonach Vitamin-K-Antagonisten (VKA) im Fall einer Katheterablation (Pulmonalvenenisolation) bei Vorhofflimmern künftig nicht mehr abgesetzt und durch ein Heparin-Bridging ersetzt werden sollten. Für NOAC wird in diesem Positionspapier wegen fehlender Daten noch keine derartige Empfehlung ausgesprochen.

Doch erste Daten sind schon unterwegs. Ebenfalls in Mailand haben Kardiologen um Dr. Carsten Wunderlich von der Abteilung für Invasive Elektrophysiologie am Herzzentrum Dresden über Erfahrungen bei 549 konsekutiven Patienten berichtet, bei denen eine Pulmonalvenenisolation anstand. 233 dieser Patienten waren mit VKA und 316 mit NOAC antikoaguliert. Alle nahmen die Antikoagulation trotz Ablation unverändert weiter ein ohne eine Dosis auszulassen. Im Anschluss an die Prozedur erfolgte eine Echokardiografie, um Perikardergüsse auszuschließen, und die Patienten wurden sechs Monate lang weiterverfolgt.

Keine Schlaganfälle oder systemische Embolien

Bei keinem Patienten kam es zu einem Schlaganfall oder einer systemischen Embolie. Es gab einen Perikarderguss in der VKA-Gruppe und zwei in der NOAC-Gruppe. Bei drei NOAC-Patienten und einem VKA-Patienten entwickelte sich an der Zugangsstelle eine AV-Fistel. Pseudoaneurysmen gab es sieben in der VKA-Gruppe und zwei in der NOAC-Gruppe, und Leistenhämatome kamen viermal bzw. dreimal vor.

Insgesamt sprächen die Daten stark dafür, dass auch eine NOAC-Therapie während Katheterablationen beibehalten werden könne, ohne dass das Risiko für periprozedurale Blutungen oder Thromboembolien zunehme, so Wunderlich in Mailand. Er wies darauf hin, dass die aufgetretenen Perikardergüsse ganz normal punktiert werden konnten. Es gab also keine Spezialtherapie für Perikardergüsse unter Antikoagulation.

„Gutes Vorgehen für erfahrene Zentren“

Wunderlich betonte allerdings auch, dass es sich beim Herzzentrum Dresden um ein großes Zentrum mit sehr erfahrener Elektrophysiologie und gesicherter herzchirurgischer Versorgung handele: „Im klinischen Alltag stoppen wir NOAC vor der Ablation nicht mehr, und das ist ein gutes Vorgehen für erfahrene Zentren. Ich würde es aber nicht allen Einrichtungen empfehlen.“

Vor einer breiten Empfehlung hält er eine randomisierte Studie für nötig. Für VKA existiert mit BRUISE CONTROL eine solche Studie im Kontext der kardialen Implantatchirurgie (Schrittmacher, ICD).

Literatur

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