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21.07.2015 | Nachrichten

Neuer Aspekt

Vorhofflimmern: Bremst Katheterablation die Krankheitsprogression?

Autor:
Peter Overbeck

Vorhofflimmern ist eine progrediente Erkrankung, in deren Verlauf es für eine antiarrhythmische Therapie immer schwieriger wird. Diese Entwicklung ist möglicherweise nicht unabänderlich: Neuen Studiendaten zufolge scheint eine Katheterablation die Progression von Vorhofflimmern günstig beeinflussen zu können.

Vorhofflimmern ist eine fortschreitende Erkrankung, die durch eine Aufeinanderfolge von unterschiedlichen Stadien gekennzeichnet ist. Dabei wird nach klinischen Charakteristika, die zugleich das Krankheitsstadium widerspiegeln, zwischen einer paroxysmalen, persistierenden und permanenten Form differenziert. Sofern bei einem schon länger als einem Jahr bestehenden Vorhofflimmern noch eine Kardioversion angestrebt wird, liegt gemäß den Leitlinien ein lang andauerndes persistierendes Vorhofflimmern vor.

Am Ende steht meist permanentes Vorhofflimmern

Der viel zitierte Satz „atrial fibrillation begets atrial fibrillation“ beschreibt ein pathophysiologisches Konzept, wonach Vorhofflimmern selbst durch seine Existenz dazu beiträgt, dass sich atriale Veränderungen entwickeln, die einer Persistenz dieser Arrhythmie und seiner Rezidivierung Vorschub leisten. Dabei sind neben Triggermechanismen auch elektrophysiologische sowie strukturelle Umbauvorgänge im Vorhofmyokard von Bedeutung (atrial remodeling). Klinische Konsequenz ist, dass es mit zunehmender Dauer des Vorhofflimmerns therapeutisch immer schwieriger wird, zum Sinusrhythmus zurückzukehren und diesen dauerhaft zu stabilisieren.

Bei den meisten Patienten mündet die anfänglich in paroxysmaler Form auftretende Arrhythmie über kurz oder lang in ein permanentes Vorhofflimmern. Mit dieser fortschreitenden Entwicklung geht auch eine Zunahme von Morbidität und Mortalität einher. Daraus lässt sich umgekehrt die Hoffnung schöpfen, dass wirksame Maßnahmen, mit denen sich die Krankheitsprogression bremsen oder stoppen ließe, auch die Prognose günstig beeinflussen.

Analyse von Daten aus 29 Studien

Eine solche Maßnahme könnte die erfolgreiche Eliminierung von Vorhofflimmern durch Katheterablation sein. Der Frage, welchen Einfluss speziell diese interventionelle Therapieoption auf die progrediente Entwicklung von Vorhofflimmern hat, ist eine internationale Forschergruppe um Dr. Riccardo Proietti aus Mailand in einer systematischen Analyse verfügbarer Studiendaten nachgegangen. Die Forscher haben dafür 29 Studien herangezogen, die alle Aufschluss über das Voranschreiten von paroxysmalem zu persistierendem oder permanentem Vorhofflimmern geben.

In 21 Kohortenstudien war die Progression der Arrhythmie auf der Ebene der Allgemeinbevölkerung beobachtet worden. Ihre Ergebnisse wurden mit denen von acht weiteren Studien verglichen, in denen der Zeitverlauf der Progression nach Katheterablation von Vorhofflimmern untersucht worden war.

Progression nach Katheterablation deutlich geringer

In den Bevölkerungsstudien zeigte sich, dass von den Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern nach einem Jahr 10 bis 20 Prozent persistierendes oder permanentes Vorhofflimmern aufwiesen. Studien mit längerer Beobachtungsdauer kamen auf noch höhere Progressionsraten von 50 bis 77 Prozent nach zwölf Jahren.

Im Gegensatz dazu waren die Progressionsraten nach Katheterablation signifikant niedriger. In den entsprechenden Studien war innerhalb von fünf Jahren nur bei 2,4 bis 2,7 Prozent aller Patienten ein Übergang von Vorhofflimmern in eine persistierende oder permanente Form festgestellt worden. Anders als in den Bevölkerungsstudien veränderte sich die Progressionsrate auch nicht mit der Dauer der Nachbeobachtung.

Nach diesen Ergebnissen scheint die Katheterablation die Progression von Vorhofflimmern zu verzögern. Nun sei es Sache der klinischen Forschung zu klären, ob diese Progressionsverzögerung auch in eine Reduktion von Morbidität und Mortalität mündet, so die Studienautoren.

Literatur