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12.10.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Kälte statt Hitze

Vorhofflimmern: Kryoballon vereinfacht die Ablationstherapie

Autor:
Peter Overbeck

Die Gewebeverödung mittels Kryoballon hat die Ablationstherapie bei Vorhofflimmern für den Anwender einfacher gemacht. Für den Patienten ist diese Methode möglicherweise zudem sicherer als die herkömmliche Radiofrequenzablation – was allerdings noch zu beweisen ist.

Kryoballon- und Radiofrequenzablation basieren auf dem gleichen Prinzip: Ziel beider Therapie ist, fokale elektrische Depolarisationen innerhalb der Pulmonalvenen, die als Trigger von (paroxysmalem) Vorhofflimmern wirksam sind, vom Rest des Herzens elektrisch zu isolieren, und zwar durch Verödung an der Einmündung dieser Venen in den linken Vorhof (Pulmonalvenenisolation, PVI). Elektrische Impulse aus diesem Bereich können somit den Vorhof nicht mehr erreichen.

Die herkömmliche, auf Gewebeerhitzung beruhenden Radiofrequenzablation („Punkt-für-Punkt Ablation“) verlangt eine hohe Präzision bei der Anlage linearer zirkumferenzieller Läsionen. Die Lernkurve ist dementsprechend lang, die zu erwartenden Ablationsergebnisse sind stark von der Erfahrung des Behandlers abhängig.

„Single shot“ verkürzt Prozedurdauer

Auf die einfacher zu handhabende Gewebeverödung mit dem Kryoballon trifft das in geringerem Maß zu. Diese Methode erleichtere dem Elektrophysiologen die Arbeit, die Bedeutung des „menschlichen Faktors“ lasse sich dadurch möglicherweise reduzieren, berichtet Dr. Julian Chun aus Frankfurt bei der DGK-Herbsttagung in Berlin.

Diese Art der Ablation eröffnet die Möglichkeit, mit nur einer Energie-Applikation zur Lungenvenenisolation zu gelangen („single shot“), wodurch die Prozedurzeiten verkürzt werden, erläuterte Chun. Die Kryoablation wird nacheinander in allen Lungenvenen angewendet — in der Regel also vier Mal. Das Risiko einer Herzbeuteltamponade scheine bei einer Kälteballon-Ablation geringer zu sein als bei „Punkt-für-Punkt“-Ablation, so Chun.

Prospektiver Vergleich in der FreezeAF-Studie

Deutsche Kardiologen haben beide Ablationsverfahren erstmals in einer prospektiven randomisierten Studie (FreezeAF) bei 315 Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern verglichen. Bei allen Patienten hatte sich zuvor mindestens ein medikamentöser Therapieversuch mit Antiarrhythmika als erfolglos erwiesen.

Primäres Kriterium für den Behandlungserfolg war die Freiheit von atrialen Herzrhythmusstörungen ohne fortdauernde Komplikationen nach sechs und zwölf Monaten. Die entsprechenden Erfolgsquoten lagen bei 64 Prozent (Radiofrequenz) und 63 Prozent (Kryoballon) nach sechs Monaten und 65 Prozent respektive 68 Prozent nach zwölf Monaten. Die Prozedurdauer war bei Kryoballon-Ablation signifikant kürzer als bei Radiofrequenz.

Unter dem Strich war jedoch die Rate an Komplikationen in der Kryoballon-Gruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe (12,2 versus 5,0 Prozent). Den Ausschlag gaben dabei zumeist asymptomatische Nervus-Phrenicus-Paresen (5,8 Prozent versus 0 Prozent). Spätestens nach einem Jahr waren alle Paresen jedoch wieder verschwunden.

Kryoballon inzwischen technisch verbessert

Ein Manko der Studie: Bei den weitaus meisten Patienten wurde noch ein Kryoballon der 1. Generation verwendet. Ein Fortschritt konnte inzwischen durch die im Jahr 2012 erfolgte Einführung eines technisch verbesserten Kryoballons der 2. Generation mit homogenerer Kühlung erzielt werden, berichtete Chun.

Inzwischen liegen schon erste klinische Erfahrungen mit dem neuesten Kryoballon der 3. Generation vor. Dank einer verkürzten Spitze erleichtert er dem Arzt die Visualisierung der erfolgreichen Ablation in Echtzeit mithilfe eines Mapping-Katheters.

Bei entsprechender Expertise dürften die Erfolgsraten beider Ablations-Methoden bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern, gemessen am Anteil mit Sinusrhythmus nach einem Jahr, derzeit in der Größenordnung von rund 80 Prozent liegen, schätzt Chun. In ihrer heutigen Anwendung werden Radiofrequenzablation und Kryoablation gegenwärtig in einer großen prospektiven randomisierten Studie („Fire and Ice“) verglichen. Die Ergebnisse sollen in Kürze präsentiert werden. 

Literatur

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