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27.05.2016 | Nachrichten

Schlaganfallprophylaxe mittels Okkluder-Device

Vorhofflimmern plus Hirnblutung: Hilft Vorhofohrverschluss weiter?

Autor:
Peter Overbeck

Der interventionelle Vorhofohrverschluss könnte speziell für Patienten mit Vorhofflimmern, die Hirnblutungen in ihrer Anamnese aufweisen, eine „passende“ Therapieoption sein. Ergebnisse einer neuen Studie legen nahe, dass sich damit das Schlaganfallrisiko in dieser Risikogruppe deutlich verringern lässt.

Patienten mit Vorhofflimmern, bei denen in der Vergangenheit intrazerebrale Blutungen aufgetreten sind, stellen den Arzt vor eine Herausforderung. Soll er sich wegen des erhöhten Schlaganfallrisikos für oder wegen des erhöhten Blutungsrisikos besser gegen eine orale Antikoagulation entscheiden?

Darüber, wie in dieser Situation am besten entschieden wird, besteht kein Konsens. In der Praxis obsiegt häufig die Furcht vor schwerwiegenden Blutungen mit der Konsequenz, dass auf eine Prophylaxe mit einem Antikoagulans verzichtet und ein erhöhte Schlaganfallrisiko in Kauf genommen wird.

Wichtigster Ursprungsort kardiogener Thromben

Eine in puncto Blutungen sicherere Option für Risikopatienten mit durchgemachten Hirnblutungen könnte der mechanische Verschluss des linken Vorhofohrs als häufigstem Ursprungsort von kardiogenen Thromben bei Vorhofflimmern sein. Dafür stehen via Katheter implantierbare Okkluder-Systeme zur Verfügung.

Eine Untersuchergruppe um den dänischen Kardiologen Dr. Jens Erik Nielsen-Kudsk aus Aarhus hat jetzt in einer Studie den möglichen Nutzen dieser Behandlungsstrategie beleuchtet – und zwar in Form eines Vergleichs von zwei „gematchten“ Gruppen von Patienten, die alle Vorhofflimmern und vorausgegangene Hirnblutungen hatten.

Die Studie stützt sich zum einen auf Daten von 172 Patienten, bei denen zwischen 2009 und 2015 an Zentren in Schweden, Finnland und Dänemark ein Okkluder-Device (Amplatzer Cardiac Plug oder Amplatzer Amulet) implantiert worden war. Zum anderen wurden Daten von 787 Patienten herangezogen, die zwischen 2005 und 2014 nach Behandlung wegen intrazerebralen Blutungen aus Kliniken in Dänemark entlassen und standardmäßig versorgt worden waren.

Risiko relativ um 81 % niedriger

Auf Basis dieser Daten wurden zwei Gruppen von jeweils 147 Patienten generiert, die – gemessen am CHA2DS2-VASc- und HAS-BLED-Score – bezüglich ihres Schlaganfall- und Blutungsrisikos vergleichbar waren (propensity score matching). Die mediane Follow-up-Dauer betrug 166 Tage.

Primärer Endpunkt war eine Kombination der Ereignisse Tod, ischämischer Schlaganfall und schwere Blutung. Das relative Risiko für diese klinischen Ereignisse war in der Okkluder-Gruppe um 81 % niedriger als in der Gruppe mit Standardversorgung, berichtete Studienleiter Nielsen-Kudsk beim Kongress EuroPCR 2016 in Paris. Unterschiede zugunsten der Gruppe mit Vorhofohrverschluss ergaben sich sowohl beim Endpunkt ischämischer Schlaganfall (2 vs. 5 Ereignisse), bei schweren Blutungen (4 vs. 9 Ereignisse) und insbesondere bei der Mortalität (2 vs. 23 Ereignisse).

Diese Ergebnisse suggerieren, dass der kathetergeführte Vorhofohrverschluss bei schwierig zu behandelnden Risikopatienten mit Vorhofflimmern und Hirnblutungen eine günstige Option sein könnte. Ein definitiver Beleg für die klinischen Vorteile dieser Option sind sie nicht. Auch Nielsen-Kudsk und seine Mitautoren fordern deshalb eine Bestätigung ihrer Ergebnisse in einer randomisierten Studie. Eine solche Studie will die Gruppe noch in diesem Jahr unter dem Akronym STROKECLOSE an den Start bringen. 

Literatur

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