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30.11.2017 | Vorhofflimmern | Nachrichten

Vorhofflimmern

„Enorme Therapiefortschritte“ bei der oralen Antikoagulation

Autor:
Philipp Grätzel

Registerdaten und Krankenkassendaten zeigen, dass die Nicht-Vitamin-K oralen Antikoagulanzien (NOAK) sich im Vergleich zu Vitamin-K-Antagonisten (VKA) immer weiter durchsetzen. Die Kardiologen sind dabei Vorreiter.

Bei einer Tagung des IGES Instituts in Berlin präsentierte Professor Dr. Harald Darius vom Vivantes Klinikum in Neukölln Daten aus dem GARFIELD-AF-Register, die darauf hindeuten, dass Patienten mit Vorhofflimmern in Deutschland zunehmend leitliniengetreu antikoaguliert werden. GARFIELD-AF ist ein noch bis 2018 laufendes, globales Register zur Antikoagulation bei Vorhofflimmern mit mittlerweile über 50.000 Patienten, an dem sich auch Deutschland intensiv beteiligt.

Definitiv empfohlen wird die orale Antikoagulation in den Leitlinien der ESC und anderer Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ab einem CHA2DS2-VASc-Score von zwei Punkten. Zum Einsatz kommen sollten dabei orale Antikoagulanzien, und nicht Thrombozytenaggregationshemmer.

Etwa 60% bis 70% aller Neueinstellungen mit NOAKs

Noch im Jahr 2010 seien in der Deutschland-Kohorte von GARFIELD-AF knapp die Hälfte der Patienten mit Vorhofflimmern nicht oder nur mit Plättchenhemmern behandelt gewesen, so Darius in Berlin. Zuletzt sei diese Quote aber auf unter 20% gesunken. „Ich halte das für einen enormen Therapiefortschritt und für  eine echte Zunahme der Behandlungsqualität in Deutschland“, so Darius.

Zum Einsatz kommen dabei überwiegend NOAKs. Etwa 60% bis 70% der neu auf eine orale Antikoagulation eingestellten Patienten erhielten in Deutschland laut GARFIELD-AF-Register mittlerweile ein NOAK. Noch vor drei Jahren waren es weniger als halb so viele. Die Verordnung von VKA nehme dagegen von Jahr zu Jahr ab, auf zuletzt 10 bis 20 Prozent aller Patienten. Der Trend zu mehr NOAKs sei weltweit zu beobachten, in Deutschland aber besonders ausgeprägt, betonte Darius.

Andere Datenquellen bestätigen diesen Befund aus GARFIELD-AF. So stellte Prof. Dr. Uwe Zeymer vom Herzzentrum am Klinikum Ludwigshafen erste, noch vorläufige Ergebnisse des APAF (Apixaban in Atrial Fibrillation)-Registers vor, an dem 103 Zentren beteiligt sind, darunter 40 niedergelassene Kardiologen, 29 Allgemeinmediziner/Internisten und 34 Krankenhäuser, die insgesamt über 5000 Patienten rekrutiert haben.

Kardiologen verordnen NOAKs am häufigsten

Auch APAF zeige, dass rund zwei Drittel der neu eingestellten Patienten mit Vorhofflimmern ein NOAK bekämen, so Zeymer. Allerdings sinke die NOAK-Quote mit zunehmenden CHA2DS2-VaSc-Score. Möglicherweise liege das daran, dass Patienten mit niedrigem Score eher jünger sind und jüngere Patienten fast immer NOAKs erhielten, so der Kardiologe. Dies müsse aber noch genauer analysiert werden.

Dass die Kardiologen besonders NOAK-affin sind, zeigen Daten der Krankenkasse DAK Gesundheit, die der Referatsleiter Gesundheits- und Versorgungsmanagement Gregor Drogies vorstellte. Demnach sind über 80% der von Kardiologen verordneten Tagesdosen oraler Antikoagulanzien NOAKs. Allgemeinmediziner und Internisten landen bei rund 60%.

Es gibt allerdings erhebliche regionale Unterschiede. Spitzenreiter bei der NOAK-Verordnung ist Hamburg mit über 70% über alle Fachrichtungen hinweg. Am wenigsten NOAKs verordnet werden in Bremen, Nordrhein und Westfalen-Lippe mit jeweils gut 50%.

Literatur