Nachrichten 14.11.2020

Vitamin D und Fischöl schützen nicht vor Vorhofflimmern

Die Supplementierung von Vitamin D und marinen Omega-3-Fettsäuren („Fischöl“) ist keine erfolgversprechende Strategie, um bei kardiovaskulär gesunden Menschen einer Entwicklung von Vorhofflimmern vorzubeugen, belegen neue Ergebnisse der Megastudie VITAL.

Auch eindeutig negative Tests von Behandlungsstrategien führen zu praktischen Erkenntnissen. Denn sie zeigen, auf welche vermeintlich gesundheitsfördernden Maßnahmen getrost verzichtet werden kann.

Zu den verzichtbaren Behandlungskonzepten gehört ohne Zweifel eine in primärpräventiver Absicht vorgenommene Supplementierung von Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren zur Vorbeugung von Vorhofflimmern. Denn die jetzt beim virtuellen AHA-Kongress präsentierten Ergebnisse der VITAL-Rhythm-Studie, an der mehr als 25.000 Personen ohne kardiovaskuläre Erkrankungen einschließlich Vorhofflimmern beteiligt waren, bieten nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür, dass eine solche Strategie vorbeugend wirksam sein könnte.

Nach fünf Jahren kein Unterschied bei der Arrhythmie-Inzidenz

Nach rund fünf Jahren war die mit der Supplementierung assoziierte Inzidenzrate für Vorhofflimmern nicht signifikant niedriger als in der Placebo-Gruppe, berichtete Studienleiterin Dr. Christine Albert vom Smidt Heart Institute at Cedars-Sinai, Los Angeles, auf einer „Late-breaking Science“-Sitzung beim virtuellen AHA-Kongress.

VITAL Rhythm ist eine Teilstudie der placebokontrollierten Megastudie VITAL (VITamin D and OmegA-3 TriaL). Bereits die beim AHA-Kongress 2018 vorgestellten Hauptergebnisse der VITAL-Studie waren eine herbe Enttäuschung: Weder konnte eine präventive Wirkung der Supplementierung von Vitamin D3 (Cholecalciferol 2000 IE täglich) auf invasive Krebserkrankungen und kardiovaskuläre Ereignisse nachgewiesen werden, noch war die Gabe von Omega-3-Fettsäuren marinen Ursprungs (Eicosapentaensäure [EPA]und Docosahexaensäure [DHA], 840 mg/Tag) vorbeugend gegen kardiovaskuläre Erkrankungen oder Krebserkrankungen wirksam.

Daten von 25.119 der insgesamt 25.871 VITAL-Studienteilnehmer (Durchschnittsalter: 67 Jahre, 50,8% Frauen) gingen in die abschließende Analyse der VITAL-Rhythm-Studie ein. Im Verlauf von 5,3 Jahren wurde bei 900 Teilnehmern (3,6%) erstmals Vorhofflimmern diagnostiziert. Die meisten Betroffenen (61.9%) wiesen zum Zeitpunkt der Diagnose Symptome auf.

Das Risiko für neu aufgetretenes Vorhofflimmern war weder in der Gruppe mit EPA/DHA-Supplementierung (Hazard Ratio [HR]: 1.09; 95% Konfidenzintervall [KI]: 0,96-1,24, p=0,19) noch in der Gruppe mit Vitamin-D-Gabe (HR: 1,09; 95% KI: 0,96-1,25, p=0,19) niedriger als in der Placebo-Gruppe.

Den Boden bereitet für künftige Präventionsstudien

Diese Ergebnisse stützen nicht den Gebrauch von marinen Omega-3-Fettsäuren oder Vitamin D zur Prävention von Vorhofflimmern, lautet die mehr als naheliegende Schlussfolgerung von Studienleiterin Albert. Die Studie habe aber auch gezeigt, dass entsprechende Supplemente das Risiko für Vorhofflimmern nicht erhöhten und generell sicher seien, wenn sie aus anderen Gründen eingenommen werden müssten.

Albert kann der VITAL-Rhythm-Studie noch mehr Gutes abgewinnen: Als bislang größte Studie zur Primärprävention von Vorhofflimmern könne sie als „road map“ für die Planung künftiger Studien zur Prüfung anderer und möglicherweise besser wirksamer Präventionsstrategie fungieren.

Dieser Einschätzung schloss sich auch Prof. Renate Schnabel, Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), in ihrer Kommentierung der Studie an. Nach ihrer Ansicht hat VITAL-Rhythm „den Boden bereitet für Studien zur Primärprävention von Vorhofflimmern“.

Schnabel erwartet, dass dabei in Zukunft verstärkt „pragmatische Studien“ die traditionelle randomisierte Studie als bleibendem Goldstandard ergänzen werden. Solche Studien, die in die Abläufe der klinischen Routinepraxis „eingebettet“ sein könnten, ermöglichten es, zu niedrigeren Kosten große und repräsentative Populationen einzuschließen. Sie würden auch durch neue Verfahren für das Rhythmusmonitoring – Stichwort Wearables – unterstützt.

Literatur

Albert C.: The Vital Rhythm Trial: Omega-3 Fatty Acid And Vitamin D Supplementation In The Primary Prevention Of Atrial Fibrillation (VITAL-Rhythm). Vorgestellt in der Sitzung “Late-breaking Science I” beim virtuellen  Kongress der American Heart Association (AHA) 2020 (13. – 17. November 2020).

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Bildnachweise
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AHA-Kongress 2020
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Webinar Prof. Christian Meyer/© Springer Medizin Verlag GmbH
Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
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