Nachrichten 25.01.2017

Antikoagulation bei Vorhofflimmern: Was sich in der Praxis verändert hat

In die Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern ist in jüngster Zeit Schwung gekommen: Der Anteil der Patienten, die eine orale  Antikoagulation zur Schlaganfall-Prophylaxe erhalten, ist deutlich gewachsen, belegen Daten eines nationalen dänischen Registers. Dabei werden zunehmend Nicht-Vitamin-K-Antagonisten (NOAKs) verordnet.

Mit Einführung der NOAKs, von denen in Deutschland inzwischen vier verfügbar sind (Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban), sind die Möglichkeiten zur Schlaganfall-Prophylaxe bei Vorhofflimmern – lange Zeit die Domäne von Vitamin-K-Antagonisten – deutlich verbessert worden. Wie hat sich dadurch  die Behandlung von  Patienten mit Vorhofflimmern im Praxisalltag in den letzten Jahren verändert?

Dieser Frage ist eine Untersuchergruppe um Dr. Kasper Gadsboll aus Kopenhagen in ihrer Analyse von landesweit vor allem in Kliniken  - und partiell auch Praxen - in Dänemark erhobenen Patientendaten nachgegangen. Basis der Analyse bildeten gespeicherte Registerdaten von 108.410 Patienten, bei denen  in der Zeit zwischen 2005 und 2015 erstmals Vorhofflimmern diagnostiziert worden war. Im nationalen Verordnungsregister wurde dann eruiert, ob diese Patienten im Zusammenhang mit der Erstdiagnose eine orale Antikoagulation erhalten hatten und welchen zeitlichen Veränderungen diese Behandlung  unterlag.

Neuer Trend seit 2010

Eine gewisse Zäsur war dabei im Jahr 2010 zu erkennen. Von denjenigen Patienten, bei denen vor 2010 Vorhofflimmern festgestellt worden war, hatten im Zusammenhang mit der Diagnose  weniger als die Hälfte  eine orale Antikoagulation erhalten. Zwischen Januar 2005 und Dezember 2009 war der Anteil sogar rückläufig, er fiel von 46,3% auf nur noch 38,1%.

Das sollte sich nach 2010 ändern: Bis 2015 stieg der Anteil der Patienten mit verordneter oraler Antikoagulation kontinuierlich und im Vergleich zur Zeit vor 2010 signifikant.  Mitte 2015 lag die  entsprechende Verordnungsquote bereits bei 66,5% - was gegenüber der im Dezember 2009 ermittelten Quote einer relativen Zunahme um 74,5% entspricht.

NOAK-Verordnungen steil angestiegen

Eine Aufschlüsselung nach spezifischen Patientengruppen ergab, dass es vor allem Frauen und als „anfällig“ (fragile) eingestufte Patienten (älter als 75 Jahre mit hohem Schlaganfallrisiko) waren, die im Vergleich zu früher nun vermehrt mit Antikoagulanzien behandelt wurden.

Auch die Art der Antikoagulation veränderte sich: Seit 2011 entschieden sich die zuständigen Ärzte zunehmend für NOAKs – und dementsprechend seltener für Vitamin-K-Antagonisten – als verordneten Gerinnungshemmer.  Mitte 2015 hatten NOAKs bei allen Patienten, bei denen die Diagnose Vorhofflimmern zur Einleitung einer Antikoagulation führte, bereits einen Anteil von 72,5% erreicht.

Literatur

Gadsboll  K. et al.: Increased use of oral anticoagulants in patients with atrial fibrillation: temporal trends from 2005 to 2015 in Denmark, Eur Heart J 2017, online 20. Januar. DOI: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehw658

Highlights

Reisen mit Herzinsuffizienz

Mobilität bei Herzinsuffizienz ist erstrebenswert – was aber, wenn der Patient gleich eine Fernreise plant? 

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Synkopen: Wie hoch ist das Unfallrisiko wirklich?

Fahrverbote bei Synkopen können Unfälle verhindern, sind aber auch belastend für die Betroffenen. In einer Studie wurde jetzt das Risiko von Personen mit Synkopen und das von anderen Patienten und Patientinnen der Notaufnahme verglichen.

Starke Zunahme von Herzerkrankungen in den USA erwartet

In den kommenden Jahrzehnten werde in den USA das Ausmaß an kardiovaskulären Risikofaktoren und Erkrankungen in der Bevölkerung erheblich zunehmen, prognostizieren US-Forscher. Dieser Trend wird nach ihrer Schätzung aber nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen betreffen.

Nach Vorhofflimmern-Ablation: Blanking-Periode sollte kürzer sein

Unmittelbar nach Katheterablationen auftretende Vorhofflimmern-Episoden werden oft als vorübergehendes harmloses Phänomen betrachtet. Solche Frührezidive werden in der sog. „Blanking-Periode“, die in der Regel drei Monate umfasst, deshalb nicht als „echte“ Rezidive gezählt. Kardiologen halten die bisher propagierte Zeitspanne aber für zu lang.  

Aus der Kardiothek

Herzinsuffizienz: Optimal-Medikamentöse-Therapie (OMT), und ... was noch?

Medikamente sind die Eckpfeiler einer adäquaten Herzinsuffizienztherapie. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Optionen, die für manche Patienten eine Lösung darstellen können. Anhand von Fallbeispielen erläutert Dr. med. Andreas Rieth welche das sind.

Digitale Kardiologie anno 2022 – von Zukunftsvisionen bis sinnvollem Einsatz im Alltag

Die digitale Kardiologie ist nicht nur ein Trend, sie eröffnet eine realistische Chance, die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern. Dr. med. Philipp Breitbart gibt Tipps für den Einsatz solcher Devices im Alltag.

Muss eine moderne Herzinsuffizienztherapie geschlechtsspezifisch sein?

Medikamente wirken bei Frauen oft anders als bei Männern. Dr. med. Jana Boer erläutert, wie sich diese Unterschiede auf die pharmakologische Herzinsuffizienztherapie auswirken, und was Sie dabei beachten sollten.

Urlaub/© Nastco / Getty Images / iStock
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org