Skip to main content
main-content

07.11.2014 | Vorhofflimmern | Nachrichten | Onlineartikel

Ursache für erhöhtes Demenzrisiko?

Bei Vorhofflimmern häufig stumme Hirninfarkte

Autor:
Beate Schumacher

Vorhofflimmern ist nicht nur ein Risikofaktor für symptomatische Schlaganfälle. Die Patienten erleiden auch mehr stumme Hirninfarkte.

Vorhofflimmern-Patienten haben ein um 40% erhöhtes Risiko für kognitive Beeinträchtigungen (Ann Intern Med 2013; 158: 338–346). Da dieses Risiko unabhängig von einem Schlaganfall in der Anamnese und von prädisponierenden Begleiterkrankungen besteht, muss es andere Ursachen dafür geben. Eine davon könnte die Existenz stummer Hirninfarkte sein. Die Wahrscheinlichkeit eines asymptomatischen Hirninfarkts ist bei der Rhythmusstörung nämlich mehr als verdoppelt, wie Ärzte des Massachusetts General Hospital in Boston in einer Metaanalyse herausgefunden haben.
Die Risikoabschätzung basiert auf neun Studien, in fünf war per MRT, in vier per CT nach stummen Hirninfarkten gesucht worden. In den CT-Untersuchungen waren stille Infarkte als hypodense Foci definiert. Die Mindestanforderung für eine Diagnose per MRT war der Nachweis einer fokalen, scharf begrenzten hyperintensen Läsion bei T2- und einer hypointensen Läsion bei T1-Gewichtung. An den Studien waren 4407 Patienten ohne symptomatischen Insult beteiligt, darunter 505 mit Vorhofflimmern. Durch die Bildgebung wurden bei 45,5% der Erkrankten stille Hirninfarkte entdeckt; von den Probanden ohne Rhythmusstörung hatten nur 15,6% entsprechende Befunde. Damit war die Wahrscheinlichkeit für einen stummen Hirninfarkt bei Vorhofflimmern-Patienten rund 2,6-mal so hoch.

Stille Infarkte bei 40% der Patienten

Ob das Vorhofflimmern paroxysmal oder persistierend war, machte dabei keinen Unterschied. Die Ergebnisse blieben auch dann weitgehend unverändert, wenn nur Studien von hoher Qualität berücksichtigt wurden.
Die Prävalenz von stummen Hirninfarkten bei Vorhofflimmern-Patienten ohne manifesten Schlaganfall lag in insgesamt neun MRT-Studien bei durchschnittlich 40%. Sie stieg auf 44%, wenn nur Untersuchungen berücksichtigt wurden, in denen die Läsionen eine Mindestgröße von 3 mm haben mussten. Mit der weniger sensitiven CT-Diagnostik, in sechs Studien angewandt, wurden bei 22% der Patienten stille Infarkte identifiziert. Zum Vergleich: Die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung liegt bei 8–28%, also nur etwa halb so hoch.

Durch Antikoagulation verhinderbar?

Stumme Hirninfarkte verursachen zwar keine Symptome, aber sie erhöhen das Risiko für einen symptomatischen Schlaganfall bzw. für eine Demenz mehr als drei- bzw. zweifach. Ob durch eine Antikoagulation nicht nur Schlaganfälle, sondern auch stille Infarkte verhindert werden können, ist laut den Studienautoren um Shadi Kalantarian noch unklar. In zwei Studien, die in der Metaanalyse berücksichtigt wurden, war kein Schutzeffekt zu erkennen gewesen.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Non-Compaction-Kardiomyopathie oder nicht? Knifflige Fälle aus dem klinischen Alltag

Non-Compaction-Kardiomyopathien sind nicht immer eindeutig von anderen Formen abzugrenzen. In seinem Vortrag geht Prof. Dr. Benjamin Meder, Heidelberg, auf die unterschiedliche Ätiologie und Diagnostik ein und stellt verschiedene schwierige Fälle vor. 

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Das Wichtigste in Kürze zur hypertrophischen Kardiomyopathie

2014 wurde erstmals eine ESC-Leitlinie zur hypertrophischen Kardiomyopathie (HCM) publiziert. Prof. Dr. Nobert Frey, Kiel, fasst das Wichtigste zu Differentialdiagnose und Therapie der HCM zusammen, erläutert die Kriterien für den Einsatz eines ICD-Systems und gibt Tipps für den ärztlichen Alltag. 

Aus der Kardiothek

18.03.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patient mit mehreren Koronarinterventionen – worauf zeigt der Pfeil?

Koronarangiografie und optische Kohärenztomografie (OCT) bei einem 46-jährigen Patienten mit Zustand nach mehreren früheren Koronarinterventionen. Was ist zu sehen?

04.02.2019 | Quiz | Onlineartikel

Mann mit Dyspnoe – was sehen Sie im CT?

Kardiale Computertomographie bei einem 63-jährigen Patienten mit Dyspnoe. Was ist zu sehen?

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Non-Compaction-Kardiomyopathie oder nicht? Knifflige Fälle aus dem klinischen Alltag

Non-Compaction-Kardiomyopathien sind nicht immer eindeutig von anderen Formen abzugrenzen. In seinem Vortrag geht Prof. Dr. Benjamin Meder, Heidelberg, auf die unterschiedliche Ätiologie und Diagnostik ein und stellt verschiedene schwierige Fälle vor. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise