Nachrichten 26.04.2021

Vorhofflimmern: Ist Gewichtsreduktion nach Katheterablation von Vorteil?

Kommt eine Gewichtsreduktion dem Erfolg einer Katheterablation bei übergewichtigen Patienten mit Vorhofflimmern zugute? Deutsche Kardiologen sind dieser Frage erstmals in einer randomisierten Studie nachgegangen – ohne jedoch zu einem definitiven Ergebnis zu gelangen.

Übergewicht und Fettleibigkeit begünstigen Vorhofflimmern. Adipositas scheint zudem ein limitierender Faktor für die rezidivprophylaktische Wirksamkeit der Katheterablation von Vorhofflimmern zu sein. Die Vermutung, dass eine Gewichtsabnahme die Rate an Arrhythmie-Rezidiven nach entsprechender interventioneller Behandlung günstig beeinflussen könnte, liegt deshalb nahe.

Ob sich ein solcher Effekt tatsächlich objektivieren lässt, hat eine Gruppe deutscher Kardiologen um Prof. Stephan Willems von der Asklepios Klinik St. Georg im Hamburg erstmals in einer randomisierten kontrollierten Studie mit dem Akronym SORT-AF (Supervised Obesity Reduction Trial for AF Ablation Patients) geprüft.

Das Ziel, die Rate an Arrhythmie-Rezidiven nach Katheterablation von Vorhofflimmern bei übergewichtigen und adipösen Patienten durch ein multimodales Therapiekonzept zur Gewichtsreduktion deutlich zu verringern, wurde allerdings nicht erreicht. Zumindest in der Subgruppe der Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern war die Gewichtsabnahme aber mit einer signifikanten Abnahme von Rezidiven assoziiert. Studienleiter Willems hat die SORT-AF-Ergebnisse aktuell beim Kongress der European Heart Rhythm Association (EHRA) 2021 vorgestellt.

Strukturiertes Programm zur Gewichtsreduktion

In die SORT-AF-Studie sind an Herzzentren in Hamburg, Köln und Lübeck insgesamt 133 relativ junge Patienten mit symptomatischem paroxysmalem oder persistierendem Vorhofflimmern, einem Body-Mass-Index (BMI) von 30-40 kg/m2 und indizierter Katheterablation aufgenommen worden. Nach erfolgter Ablationsprozedur wurden per Zufallszuteilung zwei Gruppen gebildet: Teilnehmer der Gruppe 1 (n=67) wurden in ein strukturiertes Programm zur Gewichtreduktion eingebunden, das unter anderem eine regelmäßige Ernährungsberatung und Hilfe beim körperlichen Training beinhaltete. Bei den Teilnehmern der Gruppe 2 (n=66) beließ man es bei der üblichen kardiologischen Nachsorge („usual care“). 

Zwecks kontinuierlichem kardialem Rhythmusmonitoring wurden bei allen Teilnehmern ein Loop-Recorder implantiert. Primärer Studienendpunkt war die damit erfasste prozentuale Zeit im Vorhofflimmern („AF burden“) in der Phase zwischen dem 3. und 12. Monat nach Ablation.

Zwar Erfolg in Sachen Gewichtsreduktion …

Wie Willems berichtete, zeigte die multimodale Therapie zur Gewichtsreduktion Früchte: Nach 12 Monaten war in Gruppe 1 eine signifikante mittlere BMI-Abnahme von initial 34,9 auf 33,4 zu verzeichnen (entsprechend einer mittleren Gewichtsabnahme um 4,6 kg), im Vergleich zu einer nur minimalen BMI-Veränderung (von 34,8 auf 34,5) in Gruppe 2 (p < 0,001 für den Unterschied zwischen beiden Gruppen).

… aber kein Einfluss auf die Rezidivhäufigkeit

Die Erwartung, dass sich die in Gruppe 1 erzielte Gewichtsabnahme am Ende auch im Endpunkt „AF burden“ widerspiegeln würden, erfüllte sich jedoch nicht: Zwar nahm die entsprechende „Arrhythmie-Last“ nach Katheterablation signifikant ab (p < 0.001), jedoch bestand bezüglich des primären Studienendpunktes kein signifikanter Unterschied zwischen Interventions- und Kontrollguppe (p = 0,815).

Zumindest beim Blick in Subgruppen bot sich ein positiveres Bild: Im Vergleich zu Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern war die BMI-Abnahme bei Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern mit einer signifikanten Reduktion von rezidivierendem Vorhofflimmern assoziiert (p = 0,032). Angesichts des „neutralen“ Ergebnisses beim primären Studienendpunkt ist dieses positive Ergebnis einer sekundären Analyse der SORT-AF-Studie jedoch mit großer Vorsicht zu interpretieren.

Nach Ansicht von Studienleiter Willems stützen die SORT-AF-Ergebnisse gleichwohl die Empfehlung, dass Veränderungen im Sinne einer gesünderen Lebensweise ein wichtiger Bestandteil auch der Nachsorge nach Katheterablation von Vorhofflimmern sein sollten.

Literatur

Session „Innovative Technology“, EHRA-Kongress, 23. bis 25. April 2021.

Gessler N. et al. Supervised Obesity Reduction Trial for AF Ablation Patients: Results from the SORT-AF trial. EP Europace 2021, euab122, DOI: https://doi.org/10.1093/europace/euab122

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