Nachrichten 30.08.2020

Vorhofflimmern: Frühe Kryoballon-Ablation effektiver als Medikamente

Patienten mit noch unbehandeltem, paroxysmalem Vorhofflimmern, die einer frühen Katheterablation unterzogen worden waren, schnitten in der STOP-AF-Studie hinsichtlich Arrhythmie-Rezidiven und Symptomen besser ab als primär medikamentös behandelte Patienten.

Die Leitlinien zum Vorhofflimmern sehen in der Katheterablation bisher für die meisten Patienten eine Zweitlinienoption, die dann zum Tragen kommt, wenn eine medikamentöse Rhythmusstabilisierung nicht gelingt. Allerdings ist der Erhalt eines Sinusrhythmus umso schwieriger, je weiter fortgeschritten ein Vorhofflimmern ist.

Das wird oft als Argument für eine möglichst frühe Katheterintervention vorgebracht. „Tatsächlich gibt es bisher nur sehr wenige randomisierte Studien, die die Katheterablation als First-Line-Therapie bei symptomatischem Vorhofflimmern evaluiert haben“, sagte Prof. Oussama Wazni von der Cleveland Clinic.

Dies gelte insbesondere für den Kryoballon: Die Studien, die es bisher gab, liefen praktisch alle mit Radiofrequenzablation, und sie zeigten einen insgesamt moderaten Nutzen, so Wazni.

Beim digitalen ESC-Kongress stellte der US-Kardiologe die Ergebnisse der von Medtronic unterstützten STOP-AF-Studie vor, in der die Kryoballon-Ablation bei 203 bis dato zumeist unbehandelten Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern mit einer medikamentösen Therapie mit Klasse I/III-Antiarrhythmika verglichen worden ist. Überwiegend behandelt wurde im Kontrollarm mit Flecainid bei 66% der Patienten, 13% erhielten Dronedaron, 11% Sotalol, 8% Propafenon und nur 1% Amiodaron.

Signifikanter Vorteil der frühen Kryoballon-Ablation

Primärer Effektivitätsendpunkt der STOP-AF-Studie, die an 24 Zentren in den USA stattfand, war Freiheit von Vorhofflimmern, Vorhofflattern und atrialen Tachykardien in den zwölf Monaten nach Behandlung bzw. Behandlungsbeginn. Primärer Sicherheitsendpunkt waren unerwünschte, therapiebezogene Ereignisse.

Im Ergebnis war die Katheterbehandlung statistisch signifikant effektiver: 75% der Patienten in der Kryoballon-Gruppe gegenüber 45% in der medikamentösen Gruppe waren nach einem Jahr noch ohne symptomatische atriale Arrhythmie-Ereignisse (p<0,0001).

Katheterablation war sicherer als erwartet

Eine „Karenzperiode“ von drei Monaten nach Therapiebeginn wurde bei der Auswertung nicht berücksichtigt. Von den 26 Patienten in der Kryoballon-Gruppe, bei denen der Effektivitätsendpunkt nicht erreicht wurde, hatten 23 jenseits des 90-Tage-Fensters dokumentierte Vorhofereignisse und/oder benötigten Antiarrhythmika. Bei den anderen drei Patienten klappte die Prozedur nicht.

Auf Sicherheitsseite wurde im Vorfeld eine Komplikationsrate von 12% als für das Erreichen des Sicherheitsendpunkts akzeptabel festgelegt. Dies wurde deutlich unterschritten: Nur bei zwei Patienten (1,9%) kam es zu einem Sicherheitsereignis, in einem Fall ein Perikarderguss innerhalb von 30 Tagen nach Intervention und im anderen Fall ein Myokardinfarkt in der Woche nach Intervention.

Literatur

Wazni O: STOP AF First: cryoballoon catheter ablation as a first line treatment for paroxysmal atrial fibrillation, vorgestellt bei der Late-Breaking Science in Atrial Fibrillation 1-Session am 29.08.2020 beim ESC Congress 2020 - The Digital Experience

Live-Quiz EKG – melden Sie sich jetzt kostenlos an

Wie gut kennen Sie sich mit dem EKG aus? Und was machen Sie, wenn Sie einen auffälligen Befund vor sich haben? Testen Sie Ihr Wissen in unserem interaktiven Live-Quiz EKG am Mittwoch, 09.12.2020, um 17:00 Uhr auf Kardiologie.org. 
Dr. Martin Neef vom Universitätsklinikum Leipzig stellt Ihnen verschiedene EKG-Befunde vor. Stimmen Sie live für die richtige Antwort ab oder stellen Sie Ihre Fragen im Chat – alles natürlich anonym. Melden Sie sich jetzt kostenlos an, die Plätze sind begrenzt!

Highlights

AHA-Kongress 2020 *virtuell*

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges Ungewöhnliches und Spannendes zu berichten. 

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Telemedizin in der Kardiologie – Status Quo und Perspektiven

Telemedizin bietet viele Vorteile für Ärzte und Patienten, gerade jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie. Lesen Sie, was mit modernen Technologien in der Kardiologe heute alles möglich ist. 

Neue Herzinsuffizienz-Therapie: Entwickler Amgen steigt aus

Erst kürzlich wurden positive Phase-III-Daten zur Wirksamkeit von Omecamtiv Mecarbil bei Herzinsuffizienz veröffentlicht. Für den Projektpartner Amgen sind sie nicht positiv genug.

Mehr Herz-Kreislauf-Tote während Lockdown in Hessen

Der erste Lockdown hatte einen Anstieg der kardiovaskulären Sterblichkeit in Hessen zufolge. Die Studienautoren appellieren deshalb, auf nationaler Ebene Maßnahmen zu ergreifen, damit Menschen mit Beschwerden rechtzeitig Hilfe bekommen.

Aus der Kardiothek

Neue Vorhofflimmern-Leitlinie und ihre Implikationen für die Praxis

Erst kürzlich sind die ESC-Leitlinien zum Management von Vorhofflimmern aktualisiert worden. Prof. Christian Meyer vom Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf gibt in diesem Webinar einen kurzen Überblick über die wichtigsten Aspekte.

Zepter und Krone – oder was sehen Sie auf dem Bild?

Kardiale Computertomographie, 3-dimensionale Rekonstruktion im „Metallfenster“. Was ist zu sehen?

Kardio-MRT bei 70-Jährigem – was hat der Patient?

Kardio-MRT bei 70-jährigem Patienten mit Darstellung einer kurzen Achse im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

Neueste Kongressmeldungen

Finerenon beugt kardiovaskulären Ereignissen bei Nephropathie vor

Der Wirkstoff Finerenon verzögert bei Patienten mit Typ-2-Diabetes die Progression einer chronischen Nierenerkrankung, hat die FIDELIO-CKD-Studie ergeben. Seine ebenfalls gezeigten kardioprotektiven Effekte sind in einer Subanalyse nun genauer beleuchtet worden.

Kardiale Komplikationen bei COVID-19 „weniger als befürchtet“

Wie häufig kommt es bei COVID-19-Patienten zu kardiovaskulären Komplikationen? Die Zahlen in einem großen US-Registers sind überraschend niedrig, wenngleich die intrahospitale Mortalität ziemlich hoch ist.

Neuer Stent mit Heilungseigenschaften – mehr als nur gleich gut?

Eine weitere Stent-Innovation begibt sich ins Rennen um die Gunst der Kardiologen. Ein Sirolimus-beschichteter, degradierbarer und gefäßheilungsfördernder Stent war der Standard-DES-Therapie in der PIONEER III-Studie nicht unterlegen.

AHA-Kongress 2020

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges ungewöhnliches und spannendes zu berichten. 

Neueste Kongresse

AHA-Kongress 2020

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges Ungewöhnliches und Spannendes zu berichten. 

DGK Jahrestagung und Herztage 2020

Alle Vorträge der DGK Jahrestagung und Herztage 2020 sind weiterhin on demand für DGK-Mitglieder kostenfrei zugänglich. Auch mit Ihrem Online-Ticket können Sie weiterhin auf alle Vorträge unbeschränkt zugreifen. 
Und wir haben für Sie die wichtigsten Studien und Neuigkeiten redaktionell zusammengefasst. 

TCT-Kongress 2020

Die weltgrößte Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie fand dieses Jahr virtuell vom 14.–18.10. 2020 statt. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Kongressdossier. 

Bildnachweise
EKG-Quiz/© [M] Syda Productions / stock.adobe.com
AHA-Kongress 2020
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Webinar Prof. Christian Meyer/© Springer Medizin Verlag GmbH
Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
AHA-Kongress 2020 virtuell
Jahrestagung und Herztage (virtuell)/© DGK
TCT 2020 virtuell