Nachrichten 04.02.2019

Frauen mit Brustkrebs haben häufiger Vorhofflimmern

Brustkrebserkrankungen  gehen mit einer Zunahme von Vorhofflimmern einher. Das Risiko variiert allerdings in Abhängigkeit vom Alter der betroffenen Frauen, so die Beobachtung in  einer dänischen  Bevölkerungsstudie.

Bei Frauen mit Brustkrebs, die jünger als 60 Jahre waren,  trat Vorhofflimmern  in den ersten sechs Monaten nach Diagnose von Brustkrebs etwa  doppelt so häufig auf wie bei Frauen ohne entsprechende Erkrankung (Hazard Ratio 2,10, 95% Konfidenzintervall  [CI] 1,25-3,44). Im Zeitraum zwischen sechs Monaten und drei Jahren war das Risiko relativ um 80% erhöht  (HR1,80, 95% CI 1,38-2,35), berichten Untersucher um Dr. Maria D'Souza von der Universität Kopenhagen aktuell im Fachjournal „HeartRhythm“.

Höchstes Risiko bei Frauen unter 60 Jahren

Bei an Mammakarzinom erkrankten Frauen im Alter über 60 Jahre war die Inzidenz von Vorhofflimmern in den ersten sechs Monaten nach Diagnose zunächst  nicht erhöht  (HR 1,13, 95% CI 0,95-1,34). Im Zeitraum der dann folgenden 2,5 Jahre war eine moderate Risikoerhöhung feststellbar (HR 1,14, 95% CI 1,05–1,25). Während bei jüngeren Frauen das relative Risiko für die Entwicklung von Vorhofflimmern am höchsten war, hatten ältere Frauen das höchste absolute Risiko. Insgesamt waren die Inzidenzraten in beiden Populationen jedoch vergleichsweise niedrig und nach drei Jahren wieder annähernd gleich.

D'Souza und ihrTeam haben für die Studie in landesweiten dänischen Registern  insgesamt 74.155 Frauen ausfindig gemacht, bei denen zwischen 1998 und 2015 Brustkrebs festgestellt worden war. Als Vergleichsgruppe waren ihnen in Verhältnis 1:3 insgesamt 222.465 nach Merkmalen wie Alter, Begleiterkrankungen und Pharmakotherapien „gematchte“ Frauen aus der Allgemeinbevölkerung gegenübergestellt worden.

Was sind die Ursachen?

Die Gruppe um  D'Souza vermutet, dass zum einen die Krebserkrankung selbst etwa durch  Induzierung einer systemischen Entzündung zur Entstehung von Vorhofflimmern beitragen könnte. Zum anderen  sind möglicherweise auch kardiotoxische Effekte der Krebstherapie  im Spiel gewesen.  Dass das relative Risiko gerade bei  jüngeren Frauen im Alter unter 60 Jahren deutlich erhöht war, könnte nach Ansicht der Studienautoren  darauf beruhen, dass sie eine aggressivere und stärker kardiotoxisch wirksame Tumortherapie erhalten haben als ältere Patientinnen.  Vorhofflimmern wäre dann eine Art Marker für die Kardiotoxizität der Krebstherapie.

Literatur

D'Souza M, et al "Incidence of atrial fibrillation in conjunction with breast cancer" HeartRhythm 2019;  DOI:10.1016/j.hrthm.2018.10.017.

 

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Bildnachweise
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Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen