Nachrichten 01.12.2017

Früherkennung von Vorhofflimmern: Apple wird zum Herzforscher

In den USA fiel am 30. November 2017 der Startschuss für die Apple Heart Study, die erste klinische Studie, bei der der IT-Konzern explizit als Sponsor auftritt. Ziel ist die Früherkennung von Vorhofflimmern durch Verknüpfung von Apple Watch und einem telemedizinischen Dienstleister.

Die großen IT-Konzerne interessieren sich für das Gesundheitswesen, das ist nicht ganz neu. Apple stattet seine Mobilprodukte mittlerweile routinemäßig mit einer Health-App aus, die als eine Mischung aus mobiler Gesundheitsakte und Interface zu mobiler Sensorik konzipiert ist. Für Android-Geräte gibt es ähnliches.

Apple stellt seit einiger Zeit außerdem ein so genanntes Research Kit zur Verfügung, das für klinische Studien oder Versorgungsforschungsstudien genutzt werden kann. In Deutschland gab es an der Universität in Freiburg eines der weltweit ersten derartigen Projekte.

Apple finanziert große Herzstudie

Jetzt steigt der Konzern aus dem Silicon Valley zum ersten Mal selbst in den Ring und finanziert eine groß angelegte klinische Studie, die darauf abzielt, Vorhofflimmern früher zu entdecken. Das Unternehmen kooperiert dabei mit Kardiologen der Stanford Universität und mit dem Telemedizinanbieter American Well.

Das Ganze soll so ablaufen: Jeder Amerikaner, der über eine Apple Watch verfügt kann im US-App-Store von Apple die Studienapp herunterladen. Die App sorgt dafür, dass die Uhr den Pulsschlag überwacht. Sie macht das mit dem integrierten Photoplethysmografie-Sensor, der auch für die Fitnessanwendungen der Uhr genutzt wird.

Dass das technisch funktioniert, hat unter anderem die mRhythm-Studie gezeigt, die im Sommer bei der Jahrestagung der American Heart Rhythm Society (HRS) 2017 präsentiert wurde. Hier konnten IT-Experten der University of California in San Franzisco zusammen mit dem Startup Cardiogram zeigen, dass ein von dem Unternehmen entwickelter und anhand von gut 6.000 Patienten trainierter Maschinenlern-Algorithmus unter Einsatz des Apple-Watch-Sensors hinsichtlich der Detektion von Vorhofflimmerepisoden eine Sensitivität 98 % und eine Spezifität von 90 % erreicht.

App informiert bei bestehendem Verdacht

Die Idee der am 30. November gestarteten Apple Heart Study ist es jetzt, dass die App, sobald sie einen Verdacht auf Vorhofflimmern hat, das telemedizinische Servicezentrum von American Well informiert, das sich dann über eine Nachricht auf der Uhr mit dem Träger der Uhr in Verbindung setzt. Dieser kann dann entscheiden, ob er eine telemedizinische Konsultation mit einem Mitarbeiter von American Well initiieren möchte oder nicht.

In diesem Fall wird dem Studienteilnehmer, sofern kein Notfall vorliegt, quasi als zweite Screening-Stufe ein EKG-Pflaster des Unternehmens BioTelemetry zugeschickt. Der Nutzer wird gebeten, dieses Pflaster einige Tage zu tragen. Die EKG-Daten werden ebenfalls übermittelt, und erst wenn sich auch in dieser Runde das Vorhofflimmern bestätigt, wird ein Arztbesuch empfohlen. Erstes Ziel der Studie ist es, 15.000 bis 20.000 Amerikaner dazu zu bewegen, sich die App innerhalb der ersten Wochen herunterzuladen. Dass das zumindest unter den Bedingungen der USA realistisch ist, haben andere Research Kit-Studien in der Vergangenheit bereits gezeigt.

Literatur

MobiHealthNews. Apple, Stanford launch Apple Heart Study to improve atrial fibrillation detection. 30. November 2017.

Heart Rhythm Society Press Release. Artificial Intelligence Automatically Detects Atrial Fibrillation Using Apple Watch’s Heart Rate Sensor. 11. Mai 2017.

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Bildnachweise
Digitaler ACC-Kongress 2020/© Sergey Nivens / stock.adobe.com
Coronavirus/© Naeblys / Getty images / iStock
International Stroke Conference 2020, Los Angeles/© Beboy / Fotolia
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018