Nachrichten 20.05.2017

Therapie der Wahl bei Sportlern

Haben Leistungssportler ein erhöhtes VHF-Risiko? Und wie sollte man das behandeln? Ist Sport für Patienten mit paroxysmalem oder permanentem Vorhofflimmern schädlich oder günstig?

Sport und Vorhofflimmern (VHF) ist ein brisantes Thema mit vielen Fragen, die auch im Rahmen der 5. Hannover-Herz-Lungen-Messe diskutiert wurden. VHF bei Sportlern bedeutet für Betroffene meist eine deutliche Abnahme der Lebensqualität, zumal durch die Rhythmusstörung auch ihre sportliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird. „Dazu kommt, dass die antiarrhythmische Therapie mit einer Reihe von Problemen bzw. Limitationen assoziiert ist“, so Prof. Wilhelm Haverkamp, Berlin. Wegen der verstärkten Bradykardieneigung würden Betablocker häufig schlecht vertragen und sie verminderten auch die körperliche Leistungsfähigkeit. Auch stehen diese Substanzen zumindest teilweise auf der Dopingliste. Und beim Einsatz von Klasse-I-Antiarrhythmika besteht wegen der frequenzabhängigen Na-Blockade ein erhöhtes Proarrhythmierisiko. „Angesichts dieser Probleme ist bei Sportlern heute die Katheterablation die Therapie der ersten Wahl“, sagte Haverkamp.

Erhöht Sport das Risiko?

Immer wieder wird auch diskutiert, ob intensive sportliche Betätigung das VHF-Risiko erhöht. „Es gibt in der Tat Studien, die zeigen, dass VHF gehäuft bei Sportlern, vor allem bei älteren Sportlern auftritt“, so Haverkamp. Betroffen seien vorwiegend Ausdauersportler wie Marathonläufer. Auch habe sich eine positive Korrelation zwischen der VHF-Inzidenz und der sportlichen Gesamtleistung gezeigt. So war das Risiko erst dann – und zwar um fast das Dreifache – erhöht, wenn mehr als 1.500 Stunden Sport im Leben geleistet wurden. Dabei war die VHF-Inzidenz allerdings nicht erhöht. „Vieles spricht dafür, dass es Personen trifft, die auch ohne Sport VHF bekommen hätten, aber der Sport führt dazu, dass es früher auftritt“, so Haverkamp.

Sport verbessert die körperliche Leistungsfähigkeit

Doch sollten VHF-Patienten deshalb gar keinen Sport mehr treiben? „Keinesfalls, denn bei Patienten mit paroxysmalem VHF kann durch regelmäßiges moderates Ausdauertraining das Rezidivrisiko sogar gesenkt werden, d. h. die Intervalle zwischen den VHF-Episoden werden länger und die Episoden kürzer“, erklärte Haverkamp. Empfehlenswert sei 3- bis 5-mal wöchentlich ein Intervalltraining mit einer Gesamtdauer von 2 bis 3 Stunden, wobei 95% der maximalen Herzfrequenz erreicht werden sollte. Ein solches Training reduziert nicht nur die VHF-Last, sondern verbessert auch die Symptomatik. Zusätzlich werden Blutdruck, Blutzucker und Gewicht günstig beeinflusst. Und Patienten, die eine anhaltende Gewichtreduktion erreichen, haben seltener VHF-Rezidive. Als mögliche Mechanismen für den günstigen Effekt auf die Rhythmusstörung werden die Rückbildung des atrialen Remodelings, die Stabilisierung des vegetativen Nervensystems und antientzündliche Effekte diskutiert.

Auch bei permanentem VHF ist Sport vorteilhaft; denn durch ein Belastungstraining werden bei diesen Patienten Häufigkeit und Schwere der Beschwerden reduziert. Problematisch kann bei solchen Patienten allerdings der sehr rasche Pulsanstieg unter Belastung sein. Deshalb ist eine optimale Frequenzkontrolle mit Betablockern, evtl. in Kombination mit Digitalis, sehr wichtig. In einer Studie konnte z. B. mit regelmäßigem Training die Wegstrecke beim Walking von 1,8 auf 4,0 km und die Dauer der körperlichen Belastung von 24 auf 48 Minuten gesteigert werden.

Literatur

5. Hannover Herz Lungen Messe, am 10.3.2017 in Hannover

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Bildnachweise
ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org