Nachrichten 13.08.2021

Herzohr-Verschluss bei Vorhofflimmern: Mehr Komplikationen bei Frauen?

Im Fall eines interventionellen Vorhofohr-Verschlusses scheinen periprozedurale Komplikationen bei Frauen häufiger zu sein als bei Männern, legen Ergebnisse der bislang größten Registeranalyse zu diesem Thema nahe.

Der perkutane Verschluss des linken Vorhofohrs (left atrial appendage, LAA) als mögliche Quelle von kardialen Embolien ist inzwischen eine etablierte Alternative zur oralen Antikoagulation in der Prävention von Thromboembolien bei ausgewählten Patienten mit Vorhofflimmern. Dafür werden heute per Katheter implantierte Verschluss-Systeme („Okkluder“) verwendet.

Ein US-Forscherteam um den Kardiologen Dr. Jonathan C. Hsu von der University of California, San Diego, hat jetzt die bislang umfangreichste Analyse zur Frage der Sicherheit des interventionellen LAA-Verschlusses bei Männern und Frauen vorgelegt. Danach scheinen diesbezüglich geschlechtsspezifische Unterschiede zu bestehen.

Bei ihrer auf Daten eines großen US-Registers gestützten Analyse hat die Gruppe den Fokus auf ein breites Spektrum von in der In-Hospital-Phase aufgetretenen Ereignissen und Komplikationen gerichtet, darunter abgebrochene (venöser Zugang gelegt, aber kein Device implantiert) oder gestrichene Prozeduren (kein venöser Zugang gelegt) sowie schwerwiegende bzw. jegliche Komplikationen oder unerwünschte Ereignisse. Auch die Dauer des Klinikaufenthaltes sowie Todesfälle wurden berücksichtigt.

Höhere Komplikationsrate bei Frauen

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der auf multivariablen Adjustierungen basierenden Analyse:

  • Im Hinblick auf abgebrochene („aborted“) oder gestrichene („cancelled“) LAA-Verschluss-Prozeduren bestand kein signifikanter Unterschied zwischen Frauen und Männern (Inzidenz: 3,0% vs. 2,9%; Odds Ratio [OR]: 1,01, 95% Konfidenzintervall [KI]: 0,90-1,13, p =0,87).
  • Dagegen war die Rate für jegliche Komplikationen in der In-Hospital-Phase bei Frauen signifikant höher als bei Männern (6,3% vs. 3,9%; OR: 1,63; 95% KI: 1,49-1,77; p < 0,001).
  • Auch die nur auf schwerwiegende Komplikationen beschränkte Ereignisrate war bei Frauen höher als bei Männern (4,1% vs. 2,0%]; OR: 2,06; 95% KI: 1,82-2,34; p < 0,001).
  • Der Unterschied bei den schwerwiegenden Ereignissen war vor allem auf die höhere Inzidenz von Drainage erfordernden Perikardergüssen (1,2% vs. 0,5%) und von schweren Blutungen (1,7% vs. 0,8%) bei Frauen im Vergleich zu Männern zurückzuführen.
  • Frauen verbrachten im Zusammenhang mit LAA-Verschluss-Prozeduren zudem häufiger länger als einen Tag in der Klinik (16,0% vs. 11,6%; adjustierte OR: 1,46; 95% KI 1,38-1,54; p < 0,001).
  • Obgleich Todesfälle insgesamt relativ selten beobachtet wurden, waren Frauen auch bezüglich der Mortalität signifikant im Nachteil (0,3% vs. 0,1%; adjustierte OR: 2,01; 95% KI: 1,31-3,09; p = 0,001).

Studienleiter Hsu und sein Team haben für ihre Analyse Daten von 49.357 Patienten (mittleres Alter: 76,1 Jahre) aus dem NCDR-LAAO-Register (National Cardiovascular Data Registry [NCDR] LAAO Registry) herangezogen. Der Anteil an Frauen betrug 41,3%, der an Männern 58,7%. Alle Teilnehmer waren zwischen 2016 und Juni 2019 einem Eingriff zur Implantation eines LAA-Verschluss-Systems (Watchman-Device) unterzogen worden.

Die Frauen im analysierten Patientenkollektiv waren im Mittel älter als die Männer (76,5 vs. 75,8 Jahre). Auch war die Prävalenz von paroxysmalem Vorhofflimmern, Schlaganfällen in der Vorgeschichte und unkontrollierter Hypertonie bei Frauen höher, die von Herzinsuffizienz, Diabetes und KHK dagegen niedriger als bei Männern.

Die Liste der die Untersucher interessierenden In-Hospital-Ereignisse und Komplikationen war lang und umfasste unter anderen mögliche Todesfälle, Herzstillstände, Schlaganfälle, TIA, intrakranielle Blutungen, systemische arterielle Embolien, schwere Blutungen, vaskuläre Komplikationen, Myokardinfarkte, Perikardergüsse und Device-Embolisationen.

Was sind die Gründe für den Unterschied?

Aufschluss über die Gründe für die höhere periprozedurale Ereignisrate bei Frauen mit LAA-Verschluss können die analysierten Registerdaten nicht geben. Zu den möglichen „plausiblen Erklärungen“ zählen die Studienautoren unter anderem anatomische Unterschiede wie einen kleineren Gefäßdurchmesser, eine dünnere Myokardwand und ein „brüchigeres“ (friable) linkes Vorhofohr bei Frauen im Vergleich Männern. Angesichts dieser Besonderheiten sei möglicherweise auch die ärztliche Expertise in Sachen LAA-Implantation ein relevanter Faktor.

Auch eine höhere Prävalenz von Gebrechlichkeit bei Frauen könnte als Risikofaktor von Bedeutung gewesen sein. Anhaltspunkte dafür sehen die Studienautoren in der Tatsache, dass die im Register erfassten Frauen im Schnitt älter waren und häufiger zuvor einen Schlaganfall erlitten hatten als Männer.

Literatur

Darden D. et al.: Sex Differences in Procedural Outcomes Among Patients Undergoing Left Atrial Appendage Occlusion - Insights From the NCDR LAAO Registry. JAMA Cardiol. 2021; online 11. August. doi:10.1001/jamacardio.2021.3021

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