Nachrichten 13.01.2020

Osteoporose-Risiko unter NOAKs geringer

Ein Argument mehr für die NOAKs: Die Gefahr für eine Osteoporose scheint geringer zu sein als bei Vitamin-K-Antagonisten (VKA). Streng genommen gilt das aber nicht für alle NOAKs.

Für welches orale Antikoagulans sich entschieden wird, hat offenbar Einfluss auf die langfristige Knochengesundheit des Patienten.  

In einer großen Kohortenstudie aus Taiwan war die Gabe von NOAKs mit einem um 18% geringeren Osteoporose-Risiko assoziiert als eine Therapie mit Warfarin (Inzidenzrate: 14,5 vs. 16,1 Fälle pro 1.000 Personenjahre). Mit zunehmender Therapiedauer wird der Zusammenhang stärker, was für eine Kausalität sprechen könnte.

Therapiedauer entscheidet über Risiko

So war das Osteoporose-Risiko für Patienten, die mehr als ein Jahr mit NOAKs behandelt wurden, um 28% geringer als für jene mit einer entsprechend langen VKA-Therapie (p ˂ 0,001).

Insgesamt wurden in der retrospektiven Analyse über 17.000 Patienten, die aufgrund eines neu diagnostizierten Vorhofflimmerns entweder eine NOAK- oder eine VKA-Therapie erhielten, via „Propensity Score Matching“ gegenübergestellt und hinsichtlich der Rate neu diagnostizierter Osteoporose-Fälle (T-Score ≤ –2,5 oder klinischer Diagnose aufgrund niedrigtraumatischer Frakturen) verglichen.

Diese NOAKs bergen das geringste Risiko

Das unter NOAKs zu beobachtende geringere Osteoporose-Risiko scheint allerdings nur auf Rivaroxoban und Apixaban zuzutreffen (adjustierte Hazard Ratio, aHR: 0,38 und 0,68). Besonders günstig scheint in dieser Hinsicht Apixaban zu sein: mit einem um 62% reduzierten Osteoporose-Risiko. Im Falle von Dabigatran war keine entsprechende Risikoreduktion zu beobachten (aHR: 1,04). Über Edoxaban lässt sich keine Aussage treffen, weil dieses NOAK zum Studienzeitpunkt (2012 bis 2015) noch nicht verfügbar war.

Die taiwanische Studienautoren um Dr. Huei-Kai Huang ziehen daraus eine praktische Konsequenz: „Im Hinblick auf das geringere Osteoporose-Risiko könnten Rivaroxaban und Apixaban die bessere Therapiewahl sein als Warfarin, wenn eine orale Antikoagulation bei Patienten mit Vorhofflimmern indiziert ist.“

VKA interagieren mit Knochenmetabolismus

Doch wie beeinflusst die Gabe des oralen Antikoagulans die Knochengesundheit? Die Autoren haben dafür zwei Erklärungen. Zum einen hemmen VKA die Vitamin K-abhängige y-Carboxylierung von Glutaminsäureresten und beeinflussen dadurch die Aktivität von Osteocalcin und anderen Knochenproteinen – VKA scheinen also einen negativen Einfluss auf die Knochengesundheit zu haben, den NOAKs nicht haben, weil sie Vitamin K unabhängig agieren. Zum anderen deuten experimentelle Studien an, dass NOAKs die Knochenstruktur positiv beeinflussen könnten: sie gehen mit einem höheren Knochenvolumen, niedrigeren Knochenumsatz, niedrigeren Abständen der Knochentrabekel und verbesserten Knochenheilung einher.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch eine frühere Studie, wobei in dieser Analyse Dabigatran mit einem geringeren Frakturrisiko einherging. Dieses diskrepante Ergebnis erklären sich die taiwanischen Autoren damit, dass in der damaligen Studie nicht eindeutig zwischen einer Fraktur – die auch andere Ursachen als eine Osteoporose haben kann – und einer Osteoporose differenziert wurde.

Literatur

Huang  HK et al. Risk of Osteoporosis in Patients With Atrial Fibrillation Using Non–Vitamin K Antagonist Oral Anticoagulants or Warfarin. JAHA 2020;9(2); doi: 10.1161/JAHA.119.013845

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