Nachrichten 28.06.2018

Katheterablation: Stellt sich Sinusrhythmus ein, bildet sich die Myokardfibrose zurück

Eine dauerhafte Wiederherstellung von Sinusrhythmus durch Katheterablation von Vorhofflimmern scheint sich auch auf kardiale Gewebeveränderungen günstig auszuwirken: Forscher stellten bei ihren Untersuchungen eine Rückbildung von diffusen fibrotischen Myokardveränderungen fest.

Bei Patienten mit Vorhofflimmern und idiopathischer Kardiomyopathie verbesserte sich nach erfolgreicher Katheterablation nicht nur die linksventrikuläre Funktion. Begleitet war diese funktionelle Verbesserung in einer Studie australischer Untersucher auch von einer per Bildgebung nachweisbaren Rückbildung von diffusen fibrotischen Myokardveränderungen. Nach Ansicht der Studienautoren könnte dies bedeuten, dass sich durch eine frühzeitige Behandlung der arrhythmiebedingten Kardiomyopathie irreversible strukturelle Ventrikelveränderungen („ventricular remodeling“) minimieren lassen.

Myokardfibrose per MRT-Bildgebung erfasst

Die aktuelle Untersuchung der australischen Arbeitsgruppe um Dr. Peter Kistler vom Baker Heart and Diabetes Institute in Melbourne ist ein Substudie der CAMERA-MRI-Studie (Catheter Ablation versus Medical Rate Control in Atrial Fibrillation and Systolic Dysfunction—an MRI-Guided Multi-centre Randomised Controlled Trial). In der Substudie sollte die  Frage geklärt werden, ob sich eine bei Patienten mit Vorhofflimmern bestehende diffuse Myokardfibrose als histologisches Korrelat einer arrhythmiebedingten Kardiomyopathie  nach Wiederherstellung von Sinusrhythmus als reversibel erweisen würde.

Beteiligt daran waren 36 Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern und idiopathischer – also ursächlich nicht exakt zu klärender – Kardiomyopathie (linksventrikuläre Auswurffraktion ≤45%). Davon waren 18 Patienten einer Katheterablation zur Wiederherstellung von Sinusrhythmus unterzogen worden, während die übrigen 18 Teilnehmer nur eine medikamentöse Behandlung zur Frequenzkontrolle bei weiter bestehendem Vorhofflimmern erhalten hatten.

Alle Studienteilnehmer waren zu  Beginn und nach sechs Monaten mittels kardialer Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht worden. Dabei nutzten die Kistler und seine Kollegen die sogenannte „T1-Mapping-Technik“, um mit deren Hilfe die diffuse interstitielle Fibrose im Myokardgewebe zu erfassen und zu quantifizieren.

Stärkere Fibroseregression nach Ablation

Bei der MRT-Untersuchung nach sechs Monaten zeigte sich, dass die myokardiale T1-Zeit in Relation zum Ausgangswert in der Gruppe mit Katheterablation als Ausdruck einer ausgeprägteren  Fibroseregression signifikant stärker reduziert worden war als in der Gruppe mit medikamentöser Frequenzkontrolle (−124 ms;  p = 0,0176). Gleichwohl blieb sie höher als bei gesunden Kontrollpersonen ohne linksventrikuläre Dysfunktion und Vorhofflimmern.

Die anhand der T1-Zeit bei der MRT-Bildgebung gezeigten Verbesserung bezüglich der Myokardfibrose in  der Gruppe mit Katheterablation  gingen mit weiteren Verbesserungen einher. So war in dieser Gruppe auch eine signifikante absolute Zunahme der linksventrikulären Auswurffraktion im Vergleich zur Gruppe mit Frequenzkontrolle zu verzeichnen (+12.5%; 95%; p = 0,0004). Während sich die linkventrikuläre Funktion bei immerhin sechs Patienten der Ablationsgruppe normalisierte, war dies in der Vergleichsgruppe bei keinem Patienten der Fall. Auch nahmen die Serum-BNP-Werte der Patienten nach Katheterablation im Vergleich signifikant stärker ab  (−216 ng/l; p = 0,0125).

Literatur

Prabhu S. et al.: Regression of Diffuse Ventricular Fibrosis Following Restoration of Sinus Rhythm With Catheter Ablation in Patients With Atrial Fibrillation and Systolic Dysfunction - A Substudy of the CAMERA MRI Trial. JACC: CLINICAL ELECTROPHYSIOLOGY 2018, https://doi.org/10.1016/j.jacep.2018.04.013

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