Nachrichten 15.01.2018

Katheterablation: Wie lassen sich die Ergebnisse optimieren?

Die Katheterablation bei Vorhofflimmern ist in den letzten Jahren zu einem Standardverfahren geworden. Mit neuen Technologien versucht man, die Erfolgsrate zu optimieren.

„Neben der Radiofrequenzablation steht heute der Kryoballon zur Verfügung, der die Ablationstherapie einfacher gemacht hat“, berichtete Prof. Stefan G. Spitzer von der Praxisklinik Herz und Gefäße in Dresden auf dem Dresdner Symposium Herz und Gefäße. Beide Verfahren basieren auf dem gleichen Prinzip, nämlich die Pulmonalvenen vom Rest des Herzens zu isolieren, sodass elektrische Impulse aus diesem Bereich den Vorhof nicht mehr erreichen können.

Bei der Radiofrequenztechnik erfolgt die Ablation Punkt für Punkt, was eine hohe Präzision erfordert. Einfacher zu handhaben ist der Kryoballon. Hier erfolgt die Gewebeverödung mittels Kälteapplikation als „Single shot“, was die Prozedurzeiten verkürzt.

Kryoballon versus Radiofrequenzablation

Im Rahmen der FIRE AND ICE-Studie wurden beide Verfahren bei insgesamt 750 Patienten  miteinander verglichen. „Der primäre Endpunkt, genauer gesagt die Erfolgsraten waren in beiden Gruppen gleich“, so Spitzer. Sie betrug nach 400 Tagen unter der Radiofrequenzablation 35,9% im Vergleich zu 36,6% beim Kryoballon. Auch beim Sicherheitsendpunkt gab es keine Unterschiede.

Beide Methoden hatten Vor- und Nachteile. Bei dem Kryoballon traten häufiger Phrenikus-Läsionen (2,7%) auf, aber deutlich weniger als in vorangegangenen Studien. Dafür war die Durchleuchtungszeit bei der Hochfrequenzablation signifikant länger (22 vs. 17 min) und bei dieser Technik dauerte der Eingriff auch insgesamt länger (141 vs. 124 Minuten). Auch bestand beim Kryoballon eine um 33% geringere Notwendigkeit  für einen Zweiteingriff.

„Dies spricht dafür, dass bei Anwendung eines  modernen Kryoballons die Erfolgsrate vielleicht etwas höher sein könnte“, so Spitzer.

Rotoren – ein sinnvolles Ablationsziel?

Die Erfolgsraten der Katheterablation beim persistierenden Vorhofflimmern sind deutlich schlechter als beim paroxysmalen. „Auch die Ausdehnung der Prozedur, genauer gesagt zusätzliche lineare Ablationen im Vorhof haben daran nichts geändert“, so Spitzer. Dies hätten die Ergebnisse der STAR AF II-Studie gezeigt.

Ein neues Therapiekonzept sei die Ablation von Rotoren, die bei über 90% der Patienten mit einem persistierenden Vorhofflimmern im Vorhof gefunden werden. Dabei handelt es sich um Micro-Reentrys, die bei der Perpetuierung („stable driver“) des Vorhofflimmerns eine wichtige Rolle spielen und sich somit als Target einer Ablation anbieten. Ob es sich bei den Rotoren um ein sinnvolles Ablationsziel handelt, wurde im Rahmen einer Studie (FIRM-Studie) bei 95 Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern untersucht. Die zusätzlich zur Pulmonalvenenisolation durchgeführte FIRM-guided Rotor-Ablation führte nach drei und sechs Monaten bei ca. 76%, nach 12 Monaten bei 82,4% zu einem stabilen Sinusrhythmus.

Eine andere Strategie zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse beim persistierenden Vorhofflimmern ist der Nachweis von Fibrose-Arealen mittels MRT im rechten Vorhof und die flächendeckende Ablation solcher Narbenareale.

Literatur

23. Dresdner Symposium „Herz und Gefäße – Innovationen 2017“, 24.-25.11.2017 in Dresden

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