Nachrichten 12.07.2021

Senkt Alkoholabstinenz das Schlaganfallrisiko?

Sowohl bei gesunden Menschen als auch bei Patienten mit Vorhofflimmern kann Alkohol Herzrhythmusstörungen auslösen. Aber erhöht er auch das Schlaganfallrisiko? Eine große Studie weist jetzt darauf hin, zumindest bei Menschen mit Vorerkrankungen.

Das Trinken von Alkohol ist mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern assoziiert. Nicht nur starker, sondern auch mäßiger Alkoholkonsum könnte ein Risikofaktor dafür sein, zeigt eine aktuelle Beobachtungsstudie. Ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Alkohol und dem Risiko für Schlaganfälle ist dagegen umstrittener. 

Südkoreanische Forscher fanden jetzt heraus, dass Alkoholverzicht möglicherweise auch das Schlaganfallrisiko verringern könnte.

Beste Fünf-Jahres-Prognose bei Nichttrinkern

In die Studie wurden fast 98.000 Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern einbezogen. Die Daten stammten aus einem nationalen Gesundheitsregister. Ein Forscherteam um Dr. So-Ryoung Lee vom Nationalen Universitätsklinikum in Seoul teilte die Patienten je nach Alkoholkonsum in drei Gruppen ein: 

  1. Nichttrinker (51%), 
  2. Personen, die nach der Diagnose von Vorhofflimmern abstinent geworden waren (13%), und 
  3. Patienten, die weiterhin Alkohol tranken (36%). 

Die Mediziner analysierten, wie viele Schlaganfälle in den folgenden Jahren in den einzelnen Gruppen auftraten und berechneten davon ausgehend das entsprechende Risiko.

Während der Nachbeobachtungszeit von 310.926 Personenjahren wurde bei 3.129 Patienten ein ischämischer Schlaganfall diagnostiziert (10 pro 1.000 Personenjahre). Nach fünf Jahren hatten die Nichttrinker und die abstinent gewordenen Personen ein niedrigeres Schlaganfallrisiko als diejenigen, die weiterhin Alkohol tranken. Die gewichtete Inzidenzrate lag für Nichttrinker gegenüber Trinkern bei –2,98 und für Abstinenzler gegenüber Trinkern bei –2,03. 

Die auf Störfaktoren adjustierten Berechnungen ergaben ein um 25% niedrigeres Schlaganfallrisiko für die Nichttrinker und ein um 17% niedrigeres Risiko für die Abstinenzler verglichen mit den Patienten, die Alkohol konsumierten.

Erhöhtes Schlaganfallrisiko auch bei geringem Alkoholkonsum

Im Vergleich zu Nichttrinkern hatten selbst Personen, die nur wenig Alkohol tranken, ein signifikant erhöhtes Risiko für einen ischämischen Schlaganfall. Die Forscher um Lee beobachteten eine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Menge des Alkohols und dem Schlaganfallrisiko. In früheren Studien sei berichtet worden, dass auch leichter bis mäßiger Alkoholkonsum zu einem atrialen Remodeling beitragen könne, was mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert sei, erläutern Lee und Kollegen einen potenziellen Mechanismus.

In einer anderen Untersuchung mit Patienten mit Vorhofflimmern sei festgestellt worden, dass Vorhofflimmerepisoden von mehr als sechs Minuten mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einhergingen. Weniger durch Alkohol bedingte Arrhythmien könnten dementsprechend zur Schlaganfallprävention bei diesen Patienten beitragen. „Alkoholabstinenz nach der Diagnose von Vorhofflimmern könnte das Risiko für ischämische Schlaganfälle verringern“, fassen die Forscher um Lee zusammen. „Lebensstilinterventionen, einschließlich der Beobachtung des Alkoholkonsums, sollten als Teil eines umfassenden Ansatzes bei der Behandlung von Patienten mit einer neuen Vorhofflimmern-Diagnose gefördert werden, um ihre Prognose zu verbessern“, raten sie.

Literatur

Lee S et al. Lower risk of stroke after alcohol abstinence in patients with incident atrial fibrillation: a nationwide population-based cohort study. Eur Heart J 2021, DOI: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab315


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