Nachrichten 25.09.2020

NOAK plus Blutdrucksenker: Gibt es gefährliche Kombinationen?

Bei Patienten mit Vorhofflimmern, die Dabigatran und gleichzeitig bestimmte P-Glykoprotein-Inhibitoren einnehmen, können nachteilige Wechselwirkungen auftreten, selbst bei normaler Nierenfunktion, legt eine neue Studie nahe.

Bei Personen, die Dabigatran zusammen mit den Kalziumantagonisten Verapamil oder Diltiazem erhielten, kam es häufiger zu Blutungen als bei denjenigen, die Dabigatran mit Amlodipin oder Metoprolol kombinierten, stellten US-amerikanische Forscher fest.

Die Gesamtblutungsrate war unter Verapamil oder Diltiazem gegenüber Amlodipin signifikant um relativ 52% und gegenüber Metoprolol signifikant um 43% erhöht. Auch die Raten für gastrointestinale und leichte gastrointestinale Blutungen waren bei gleichzeitiger Einnahme von Dabigatran und Verapamil oder Diltiazem signifikant höher als bei Dabigatran plus Amlodipin oder Metoprolol.

Keine Assoziation bei Rivaroxaban und Apixaban

Dies traf jedoch nicht für alle direkten oralen Antikoagulanzien (NOAK) zu, da Rivaroxaban und Apixaban bei Patienten, die auch Verapamil oder Diltiazem erhielten, im Vergleich zu denjenigen, die Amlodipin oder Metoprolol bekamen, nicht mit erhöhten Blutungsraten assoziiert waren.

Die Forscher um Dr. Phuong Pham von der Universität Florida verwendeten für die Studie Daten aus IBM Watson MarketScan-Datenbanken von rund 48.400 Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern ohne Nierenerkrankung in der Vorgeschichte. Zur Schlaganfallprophylaxe hatten diese Dabigatran (40%), Rivaroxaban (40%) oder Apixaban (20%) in Standarddosen erhalten. Etwa 60% der Patienten waren jünger als 65 Jahre und männlich. 

Mithilfe einer speziellen Propensity-Score-Methode („inverse probability of treatment weighting“, IPTW) verglichen die Wissenschaftler 1.764 NOAK-Nutzer, die Verapamil oder Diltiazem eingenommen hatten, mit 3.105 weiteren, die Amlodipin verwendet hatten. Zudem wurden 1.793 NOAK-Anwender, die Verapamil oder Diltiazem erhalten hatten, mit 3.224 weiteren, die Metoprolol bekommen hatten, gematcht und verglichen.

Experten empfehlen Alternativen zu erwägen

Pham und Kollegen empfehlen: „Ärzte und Patienten müssen möglicherweise statt Dabigatran eine andere NOAK-Therapie in Betracht ziehen, wenn Patienten gleichzeitig moderate bis starke P-Glykoprotein-Inhibitoren erhalten, unabhängig von der Nierenfunktion.“ Eine Alternative sei, Medikamente zu wählen, die keine Wechselwirkung entfalten, wenn Dabigatran angewendet werden müsse, ergänzen die Wissenschaftler.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) weist in ihren Empfehlungen zur NOAK-Dosierung darauf hin, dass bei über 80-jährigen Patienten eine reduzierte Dabigatran-Dosis (2 × 110 mg pro Tag) gegeben werden sollte, wenn die Patienten gleichzeitig Verapamil erhalten.

Die Autoren der aktuellen Analyse weisen jedoch auch darauf hin, dass es sich lediglich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keinen kausalen Zusammenhang nachweisen kann. Zudem war die Anzahl der tatsächlich analysierten Stichproben begrenzt, da die Studie nur Personen einschloss, die Verapamil, Diltiazem, Amlodipin und Metoprolol über mindestens 90 Tage im Zeitraum von sechs Monaten vor Beginn der NOAK-Therapie eingenommen hatten.

Literatur

Pham P et al. Association of Oral Anticoagulants and Verapamil or Diltiazem With Adverse Bleeding Events in Patients With Nonvalvular Atrial Fibrillation and Normal Kidney Function. JAMA Netw Open 2020. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2020.3593

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Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen