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01.12.2017 | Vorhofflimmern | Nachrichten

Vorhofflimmern

Orale Antikoagulation: Wird in Deutschland zu niedrig dosiert?

Autor:
Philipp Grätzel

Patienten mit Vorhofflimmern werden in Deutschland immer häufiger oral antikoaguliert – auch dank der Nicht-Vitamin-K oralen Antikoagulanzien (NOAK). Allerdings: Wahrscheinlich erhalten zu viele Patienten die niedrige Dosis.

Der Anteil der Patienten mit Vorhofflimmern, die in Deutschland keine orale Antikoagulation bzw. nur eine Behandlung mit Thrombozytenaggregationshemmern erhalten, nimmt immer weiter ab. Das zeigen sowohl Registerdaten als auch Abrechnungsdaten der Krankenkassen. Die NOAK dürften daran ihren Anteil haben. Zumindest werden in Deutschland Krankenkassendaten zufolge rund 60 % bis 70 % der Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern auf ein NOAK eingestellt.

Die Daten zur Antikoagulation in Deutschland zeigten aber auch, dass viele Ärzte eine gewisse Tendenz dazu haben, bei NOAK die jeweils niedrigere Dosis einzusetzen, betonte Prof. Dr. Harald Darius vom Vivantes Klinikum Neukölln: „Derzeit sind 40 % aller verkauften NOAK im niedrigen Dosisbereich. Ich bezweifele sehr stark, dass wirklich so viele Patienten die für die einzelnen Präparate festgelegten Dosisreduktionskriterien erfüllen.“

Unterschiedliche Kriterien für Dosisreduktion

Was die Sache etwas erschwert ist, dass die Dosisreduktionskriterien für die einzelnen NOAK unterschiedlich sind. Darius fasste die Kriterien bei einer Tagung des IGES Instituts in Berlin noch einmal zusammen:

  • Apixaban wird demnach standardmäßig in der Dosis 2 × 5 mg pro Tag gegeben. Nur wenn mindestens zwei von drei Dosisreduktionskriterien erfüllt sind – 80 Jahre oder älter, Gewicht 60 kg oder weniger und Serumkreatinin 1,5 mg/dl oder mehr – werde auf 2 × 2,5 mg pro Tag reduziert. Alter alleine reiche nicht, so Darius. Reduziert wird die Dosis von Apixaban außerdem bei ausgeprägter Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance von unter 15–29 ml/min).
  • Bei Rivaroxaban ist die Standarddosis 20 mg einmal am Tag. Reduziert auf 15 mg einmal am Tag wird nur bei eingeschränkter Nierenfunktion, definiert als Kreatinin-Clearance von 15–49 ml/min.
  • Bei Dabigatran sind die Kriterien etwas weicher. Patienten ab 80 Jahren, Patienten mit begleitender Verapamil-Therapie und Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko nach individueller Einschätzung erhalten 2 × 110 mg pro Tag, alle anderen erhalten 2 × 150 mg pro Tag.
  • Bei Edoxaban schließlich ist die Standarddosis 60 mg einmal am Tag. 30 mg einmal am Tag erhalten Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von 15–50 ml/min und/oder einem Körpergewicht von 60 kg oder weniger und/oder begleitender Therapie mit Hemmstoffen des P-Glykoproteins.
Literatur

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Quelle:

kardiologie.org

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