Nachrichten 08.01.2018

Telemonitoring verbessert Adhärenz der NOAK-Therapie – kostet aber eine Menge

Eine elektronische Überwachung der Arzneimitteleinnahme kann die Adhärenz zur oralen Antikoagulation bei Patienten mit Vorhofflimmern verbessern. Besonders wirksam sind Kontrollanrufe.

Gerinnungshemmende Medikamente wirken nur, wenn sie eingenommen werden. Das gilt auch für die Nicht-Vitamin K oralen Antikoagulanzien (NOAK). Belgische Kardiologen um Lien Desteghe und Hein Heidbuchel vom Herzzentrum in Hasselt haben in einer kleinen Studie untersucht, wie sich unterschiedliche Formen der elektronischen Adhärenzkontrolle auf die Compliance der Patienten auswirken – und was das kostet.

Zum Einsatz kam das Medication Event Monitoring System (MEMS) des Schweizer Unternehmens WestRock, bei dem die Öffnung des Arzneimittelgefäßes registriert wird. An der Studie nahmen 48 Patienten teil, die entweder einmal täglich Rivaroxaban oder zweimal täglich Apixaban einnahmen. Die Patienten wurden in eine von drei Gruppen gelost und wechselten nach jeweils einem Monat die Gruppe, sodass jeder Patient eine Zeitlang in jeder Gruppe war.

Nerven hilft

Im einen Fall wurden die Adhärenzdaten der „intelligenten Pillendose“ nur aufgezeichnet, aber nicht übertragen. Im anderen Fall wurden sie täglich übertragen, und der Patient wusste das auch. Im dritten Fall gab es bei Non-Adhärenz explizite Kontrollanrufe, mit denen der Patient an die Einnahme erinnert wurde bzw. gefragt wurde, ob es Probleme gibt. Im Falle des telefonischen Kontakts war „Non-Adhärenz“ definiert als mindestens eine ausgelassene Dosis bei einmal täglichen Regimes und mindestens drei ausgelassene Dosierungen bei zweimal täglichen Regimes.

Aber hohe Zusatzkosten

Im Ergebnis zeigte sich das, was vielleicht erwartet werden konnte: Nerven hilft. Der Anteil der korrekt eingenommenen Dosierungen betrug beim Telemonitoring mit telefonischen Kontrollanrufen 99,0%. Wurde nur übertragen, aber nicht angerufen, waren es 97,4%, und wurden nur Daten gesammelt, aber nicht täglich übermittelt, betrug die Quote 94,3%. Der Anteil der Tage mit korrekter Einnahme betrug bei Telemonitoring plus Telefonanrufen 96,8%. Ohne Telefonanrufe waren es 93,8%.

Ein klarer Vorteil für das eine oder andere Einnahmeschema lässt sich aus der belgischen Studie nicht ableiten. Der Anteil der korrekt eingenommenen Dosierungen war beim einmal täglichen Regime signifikant höher. Auch das war tendenziell zu erwarten. Was sich nicht unterschied, waren die ungeschützten Tage. Dies dürfte widerspiegeln, dass zweimal tägliche Regimes gelegentlich vergessene Einnahmen besser verzeihen.

Kostenseitig war die Sache nicht wirklich günstig. Die von den Autoren berechneten Zusatzkosten für die Verhinderung eines Schlaganfalls („inkrementelle Kosten“) betrugen über alle Patienten hinweg satte 344.289 Euro. Bei Hochrisikopatienten kommen die Kardiologen auf 15.488 Euro. 

Literatur

Desteghe L et al. Telemonitoring-based feedback improves adherence to non-vitamin K antagonist oral anticoagulants intake in patients with atrial fibrillation. Eur Heart J 2018; 2. Januar 2018; doi; 10.1093/eurheartj/ehx762

Highlights

Myokarditis – eine tödliche Gefahr

In der vierten Ausgabe mit Prof. Andreas Zeiher geht es um die Myokarditis. Der Kardiologe spricht über Zusammenhänge mit SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Impfungen und darüber, welche Faktoren über die Prognose entscheiden.

Podcast: Plötzlicher Herztod im Sport

In der dritten Ausgabe mit Prof. Martin Halle geht es um den Plötzlichen Herztod im Sport. Warum trifft es ausgerechnet Leistungssportler, warum überwiegend Männer? Und gibt es einen Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen?

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

BNK und BVMed: Telemonitoring bei Herzinsuffizienz läuft immer noch ins Leere

Wer bezahlt den Transmitter, der für ein Telemonitoring bei Herzinsuffizienz erforderlich ist? Bisher weigern sich Krankenkassen häufig, die Kosten zu übernehmen, wodurch eine seit einigen Jahren eingeführte Leistung im EBM teilweise ins Leere läuft. Nun werden der BNK und der BVMed aktiv.

Herzschrittmacher: Höhere Grundfrequenz könnte in gewissen Fällen vorteilhaft sein

Standardmäßig wird in der Schrittmachertherapie eine Grundfrequenz von 60 Schlägen/Minute eingestellt. In einer randomisierten Studie hat sich nun eine individuell zugeschnittene, höhere Grundfrequenz bei ausgewählten Patienten vorteilhaft ausgewirkt. Vorsicht ist trotzdem angebracht.

Familiäre Hypercholesterinämie: Guter Lebensstil kann „schlechte“ Gene kompensieren

Auch für Menschen mit einer familiären Hypercholesterinämie lohnen sich Lebensstilmaßnahmen, bekräftigt eine aktuelle Analyse. Denn das erhöhte Herzrisiko durch „schlechte Gene“ kann offenbar durch einen guten Lebensstil abgeschwächt werden.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Optical Coherence Tomography (OCT), zirkuläre Strukturen im Koronarlumen.
Um was handelt es sich?

Therapie der akuten Herzinsuffizienz – Wann und womit starten

Nach Dekaden des Stillstandes wurden in der letzten Zeit einige Fortschritte in der Therapie der Herzinsuffizienz gemacht. Welche das sind, und wie diese in der Praxis umgesetzt werden sollten, erläutert Prof. Christine Angermann in diesem Video.

Hypertonie und Dyslipidämie - einfach gemeinsam behandeln

Hypertonie und Hypercholesterinämie treten oft gemeinsam auf. Prof. Ralf Dechend stellt in diesem Video neue Strategien zum Umfang mit diesen kardiovaskulären Risikofaktoren vor.

Podcast-Logo/© Springer Medizin Verlag GmbH (M)
Podcast-Logo
Kardio-Quiz Januar 2023/© Stephan Achenbach, Medizinische Klinik 2, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org