Nachrichten 08.08.2018

Überraschend viele Komplikationen nach Katheterablation in Deutschland

Bei allen im Jahr 2014 in Deutschland vorgenommenen Katheterablationen von Vorhofflimmern und -flattern lag die Komplikationsrate deutlich höher, als es in früheren Studien berichtet wurde. Ist die Prozedur etwa nicht so sicher wie gedacht?

Nach einer Katheterablation von Vorhofflimmern scheinen Komplikationen deutlich häufiger als bisher angenommen.

Jedenfalls erscheint die aktuell von Prof. Gerhard Steinbeck und Kollegen im „European Heart Journal“ berichtete Komplikationsrate auf dem ersten Blick beunruhigend hoch: Im Jahr 2014 kam es bei insgesamt 33.353 in Deutschland durchgeführten Katheterablationen in 11,7% bis 13,8% der Fälle zu Komplikationen, je nachdem an welcher anatomischen Struktur der Eingriff erfolgte und welche Methode dabei zum Einsatz kam (Kryoballon: 12,3%; Pulmonalvenenisolation: 11,7%, Ablation im linken Vorhof: 13,8%; Ablation im linken + rechten Vorhof: 12,7%; Ablation im rechten Vorhof: 10,5%).

Zu schwerwiegenden Zwischenfällen kam es bei 3,8% bis 7,2% der Eingriffe.

Deutlich mehr Zwischenfälle als in anderen Studien

Die Rate war damit deutlich häufiger, als es beispielsweise erst kürzlich für das SAFER-Register berichtet wurde. Hier lag die Komplikationsrate für den Zeitraum von 2010 und 2017 gerade mal bei 2,4%. Wie die Autoren um Dr. med. Laura Ueberham in einem Kommentar (Komplikationsraten bei Katheterablation – warum Vergleiche oft hinken) ausführen, haben solche Vergleiche allerdings ihre Tücken.

Bei genauerem Blick in die aktuellen Daten lässt sich die vergleichsweise hohe Komplikationsrate wenigstens teilweise erklären. In der Analyse von Steinbeck und Kollegen sind alle 2014 in Deutschland per OPS-Code dokumentierte Katheterablationen von Vorhofflimmern- und -flattern berücksichtigt worden. Die damit einhergegangenen Komplikationen wurden mithilfe des G-DRG-Systems erfasst.

Abbild der realen Situation in Deutschland

Die Studie liefere somit ein Abbild der „realen“ Situation in Deutschland, betonen die Kardiologen aus München und Münster. Ein Selektionsbias, der bei retrospektiven Analysen, freiwilligen Registern und kontrollierten Studien bestehe, sei dadurch ausgeschlossen.

Die meisten Zwischenfälle gab es 2014 am Zugangsweg (in 7,1%); darunter fielen Blutungen, Hämatome, Schock, Infektionen und Gefäßkomplikationen. Den Studienautoren erschien dieser Anstieg erstaunlich hoch. Man werde zu der Annahme verleitet, dass die relativ hohe Rate an Leistenkomplikationen eine negative Konsequenz des strikten Fortführens der Antikoagulation während der Prozedur ist, was man heute empfiehlt, um Schlaganfälle zu vermeiden.

Wie oft kam es zu schweren Komplikationen?

Die wenigsten dieser Komplikationen waren allerdings so schwerwiegend, dass sie einer Intervention bedurften (in 0,62%). Im Rahmen des SAFER-Registers wurden nur solche Leistenkomplikationen überhaupt als Komplikation gewertet. Mit einer Rate von 1% lag diese damit sogar etwas höher ist als in der aktuellen Auswertung.

Ähnliches Bild bei den Perikardergüssen, die im Jahr 2014  in 3,5% aller Ablationen auftraten. Doch nur in 0,8% der Fälle war deshalb eine Perikardpunktion erforderlich. In dem SAFER-Register wurden wiederum nur interventionspflichtige Perikardergüsse erfasst (0,9%).  

Pneumonien waren mit 0,8% die dritthäufigste Komplikation im Jahr 2014, gefolgt von Schlaganfällen (0,6% vs. 0,5% in SAFER) und AV-Blöcken III° (0,3%); 18 Personen verstarben nach dem Eingriff im Krankenhaus (0,09% vs. 0,05% in SAFER). Pneumonie und AV-Block III° zählten in dem SAFER-Register nicht als Komplikation.

Generell war das Komplikationsrisiko in Zentren, in denen weniger als 100 Ablationen im Jahr vorgenommen wurden, höher als in hochvolumigen Zentren (16,4 vs. 12,7%).

Relativ viele schwere Zwischenfälle bei Vorhofflatter-Ablation

Als beunruhigend bezeichnen die Studienautoren den Anstieg an lebensbedrohlichen Zwischenfällen im Zusammenhang mit der Ablation von Vorhofflattern (n=13.871). Generell waren Komplikationen jeglicher Art bei solchen Eingriffen mit 10,5% zwar seltener als bei der Vorhofflimmern-Ablation. Doch intrahospitale Todesfällen waren viermal so häufig (0,34%) und generell kam es bei solchen Isthmusablationen deutlich häufiger zu schweren Komplikationen wie Herzstillständen und Pneumonien (insgesamt 7,4%), in 0,1% der Fälle wurde dabei der Nervus phrenicus verletzt.

Steinbeck und Kollegen erklären sich diesen Anstieg damit, dass Ablationen am rechten Vorhof in Deutschland mittlerweile auch bei älteren Patienten mit mehr Komorbiditäten vorgenommen werden. „Daher scheint ein entsprechender Sicherheitshinweis  hier gerechtfertigt“, schlussfolgern sie. Die Kardiologen plädieren dafür, den Nutzen und die Sicherheit der Katheterablation bei dieser Patientenpopulation in klinischen Studien zu prüfen.

Literatur

Steinbeck G, Sinner M, Lutz M et al.; Incidence of complications related to catheter ablation of atrial fibrillation and atrial flutter: a nationwide in-hospital analysis of administrative data for Germany in 2014, European Heart Journal, , cvy169, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehy452

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Bildnachweise
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Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen