Nachrichten 22.10.2018

Vorhofflimmern: Mit Kühlschanktemperatur zum Sinusrhythmus

Neue Episoden von Vorhofflimmern schnell zu terminieren, gilt als erstrebenswertes therapeutisches Ziel. Leider ist die externe Kardioversion aufwändig, und eine interne Kardioversion gilt als schwer vermittelbar. Hilft vielleicht auch ein implantierbarer Kühlakku?

Bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern wird in der Regel versucht, die Vorhofflimmerepisode möglichst rasch zu durchbrechen und einen Sinusrhythmus wiederherzustellen. Der Grund sind zum einen die Symptome, die viele Betroffene haben.  Zum anderen wird aber auch angenommen, dass das mit Vorhofflimmern einhergehende Remodeling weniger ausgeprägt ist, wenn die Flimmerepisoden möglichst kurz sind.

Da der Stellenwert der Katheterablation bei paroxysmalen Patienten nach wie vor etwas umstritten ist, gibt es eine relativ große Zahl an Patienten, die im Endeffekt eine „Kombinationstherapie“ aus Rhythmuskontrolle mit Betablocker oder Klasse-III-Antiarrhythmikum plus – wenn erforderlich, externe Kardioversionen erhalten –  die unter Sedierung bzw. in Anästhesie erfolgen.

Prinzip funktioniert

Wissenschaftler der Mayo Clinic in Rochester haben jetzt in einer experimentellen Studie einen neuen Therapieansatz evaluiert, bei dem versucht wurde, die Vorhofflimmerepisoden nicht elektrisch, sondern thermisch zu beenden. Dies geschah durch ein epikardial im Bereich des Sinus obliquus pericardii auf Höhe des posterioren linken Vorhofs platziertes Kühlmodul, das relativ rasch auf 5°C heruntergekühlt werden kann.

Bei fünf Hunden mit durch Adrenalin und schnellem Vorhof-Pacing induziertem Vorhofflimmern haben die Wissenschaftler insgesamt 57 Mal versucht, Vorhofflimmern zu terminieren, und zwar 34 Mal mit dem Kühlmodul und 23 Mal ohne Kühlung mit einem Kontrollmodul, das ebenfalls im Sinus obliquus platziert wurde, aber Körpertemperatur hatte.

Dabei zeigten sich deutlich Unterschiede zugunsten des Kühlmoduls: Im Median dauerte es bei Kühlung 24 Sekunden bis zur Terminierung der Flimmerepisode, wobei die Spanne zwischen 15 und 34 Sekunden lag. In der Kontrollgruppe waren es zwischen 47 und 240 Sekunden, mit einem Median von 100 Sekunden. Insgesamt acht Vorhofflimmerepisoden bei Nutzung des ungekühlten Kontrollmoduls dauerten volle vier Minuten. Zu diesem Zeitpunkt wurde dann jeweils das Kühlmodul aktiviert, und das beendete in allen acht Fällen die Flimmerepisode sofort.

Anwendung in der Praxis?

In ihrem Krankheitsmodell haben die Wissenschaftler aus Budgetgründen zur Erzeugung der Kühlschranktemperatur einen Wärmeaustauscher auf Basis zirkulierender Flüssigkeit benutzt. Das soll aber nicht die endgültige Vorgehensweise sein. Mit Blick auf einen klinischen Einsatz in der Zukunft wird derzeit ein kleines thermoelektrisches Implantat entwickelt, ein sogenanntes Peltier-Kühlelement. Da es elektrisch arbeitet, könnte es zum Beispiel auf einer Defibrillator-Plattform und damit relativ schnell entwickelt werden.

Dieses Peltier-Element könnte an ein EKG-Monitoring gekoppelt werden und damit eine Alternative zur internen elektrischen Kardioversion darstellen, die in den 90er Jahren punktuell getestet wurde, aber für die Patienten letztlich als nicht zumutbar galt.

Dr. Andrew Ha von der Elektrophysiologie an der Universität Toronto hält das Grundkonzept eines kardiovertierenden Kühlimplantats mit EKG-Monitoring als weitere Therapieoption bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern für vielversprechend. Einschränkend merkt er in einem Editorial an, dass es sich um ein Vorhofflimmermodell bei Tieren mit an sich gesunden Herzen handelte, bei dem nicht klar ist, ob es erstens auf Menschen und zweitens auf vorgeschädigte Vorhöfe übertragbar ist. Ha erinnert außerdem daran, dass eine Vorhofkühlung unter Umständen auch proarrhythmogene Eigenschaften haben kann.

Literatur

Witt CM et al. Termination of Atrial Fibrillation With Epicardial Cooling in the Oblique Sinus. JACC: Clinical Electrophysiology 2018; 4:1362-8

Ha ACT et al. Novel Therapeutic Approach to Terminate Atrial Fibrillation Time to Chill? JACC: Clinical Electrophysiology 2018; 4:1369-71

Highlights

Aktuelles zum Coronavirus

Die WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus kürzlich als Pandemie eingestuft. Inzischen sind weit über 100 Länder von dem Ausbruch betroffen. Aktuelle Meldungen zum Coronavirus bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier. 

eHealth in der Kardiologie

Digitale Technologien sind aus der Kardiologie nicht mehr wegzudenken. In unserem Dossier finden Sie die aktuellsten Beiträge zum Thema eHealth und Digitalisierung in der Kardiologie. 

Webinar – "Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern"

Prof. Christian Meyer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf fasst in einem Live-Webinar die wichtigsten Neuerungen zur Rhythmuskontrolle bei Patienten mit Vorhofflimmern zusammen – praxisrelevant und mit Beispielen.

Webinar zur neuen Leitlinie Dyslipidämien

Auf dem ESC-Kongress 2019 wurde die neue Leitlinie Dyslipidämien vorgestellt. Prof. Ulrich Laufs vom Universitätsklinikum Leipzig hat in einem Webinar die wichtigsten Neuerungen und deren Bedeutung für die Praxis zusammegefasst – kritisch, kurz, präzise.

Aus der Kardiothek

Was fällt Ihnen in der Echokardiografie auf?

Transthorakale Echokardiografie eines 50-jährigen Patienten mit schwerer rechtskardialer Dekompensation. Was ist zu sehen?

Defekt mit Folgen – das ganze Ausmaß zeigt das CT

CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe) – was ist zu sehen?

Live-Case Trikuspidalinsuffizienz

Prof. Volker Rudolph, HDZ NRW Bochum, mit Team

Live Cases

Live-Case Trikuspidalinsuffizienz

Prof. Volker Rudolph, HDZ NRW Bochum, mit Team

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Bildnachweise
Coronavirus/© Naeblys / Getty images / iStock
eHealth in der Kardiologie/© ra2 studio / stock.adobe.com
Webinar Rhythmuskontrolle bei Patienten mit Vorhofflimmern/© Kardiologie.org | Prof. Meyer [M]
Webinar Dyslipidämien mit Prof. Ulrich Laufs/© Kardiologie.org | Prof. Laufs [M]
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018