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20.05.2019 | Vorhofflimmern | Nachrichten

ERADICATE-AF-Studie

Vorhofflimmern: Was bringt renale Denervierung als Add-on zur Katheterablation?

Autor:
Philipp Grätzel

Profitieren Patienten, die eine Ablation bei Vorhofflimmern erhalten, von einer zusätzlichen Ablation der sympathischen Nervenfasern in den Nierenarterien? Die ERADICATE-AF-Studie scheint zumindest in diese Richtung zu deuten.

Nach den enttäuschenden Ergebnissen der SYMPLICITY HTN-3-Studie vor einigen Jahren hat sich die renale Denervierung in den letzten Jahren als eine invasive Option bei der Hypertonietherapie wieder schrittweise nach vorne gearbeitet. Jetzt deutet eine Studie darauf hin, dass insbesondere Vorhofflimmer-Patienten von dem Verfahren profitieren könnten – in doppelter Hinsicht. Bei der Jahrestagung der Heart Rhythm Society in San Francisco stellte Dr. Jonathan Steinberg von der New York University die Ergebnisse der ERADICATE-AF-Studie vor, die in Russland und Mitteleuropa stattfand.

An der randomisierten Studie hatten 302 Patienten mit symptomatischem, paroxysmalem Vorhofflimmern teilgenommen, die gleichzeitig einen relevanten Bluthochdruck – 130/80 mmHg oder höher unter Therapie mit mindestens einem Antihypertensivum, im Mittel 150/90 mmHg – aufwiesen. Bei allen Patienten erfolgte eine Ablation des Vorhofflimmerns mittels Kryoballon einschließlich Verifizierung der Ergebnisse durch einen Multielektroden-Mapping-Katheter.

Die Randomisierung erfolgte dann in zwei Gruppen: Bei der einen Hälfte der Patienten wurde die Intervention nach erfolgreicher Ablation des Vorhofflimmerns beendet. Bei der anderen Hälfte führten die Ärzte zusätzlich eine renale Denervierung beidseits durch, wobei im Median sechs Radiofrequenzimpulse gesetzt wurden, und zwar mit dem Ablationskatheter, nicht mit einem Spezialkatheter für die renale Denervierung.

Mehr Patienten frei von Vorhofflimmern

Primärer Endpunkt der Studie war Freiheit von Vorhofflimmern nach zwölf Monaten. Dies erreichten 56,5% der Patienten bei normaler Vorhofflimmer-Ablation, aber 72,1 Prozent der Patienten, wenn zusätzlich die Nierenarterien denerviert wurden. Erwartungsgemäß unterschied sich auch der Blutdruck deutlich, er sank in der Interventionsgruppe um im Mittel 16/11 mmHg, gegenüber 2/2 mmHg ohne renale Denervierung. Durch die zusätzliche renale Denervierung verlängerte sich die Intervention im Mittel um 23 Minuten. Die Rate vaskulärer Komplikationen unterschied sich nicht.

Was die ERADICATE-AF-Studie nicht liefern kann, ist eine Erklärung für das Ergebnis. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten. Wenn davon ausgegangen wird, dass Vorhofflimmern auch vom sympathischen Nervensystem getriggert wird, wäre die renale Denervierung an der geringeren Rezidivrate mehr oder weniger kausal beteiligt. Die alternative Hypothese lautet, dass es sich schlicht um einen Effekt der deutlichen Blutdrucksenkung handelte, der so genauso hätte erreicht werden können, wenn die medikamentöse Therapie optimiert worden wäre.

Auseinanderhalten ließe sich das mit einer allerdings relativ schwierig umzusetzenden Studie, bei der versucht wird, den Blutdruck in der Kontrollgruppe durch Medikamente auszugleichen. Eine solche Studie gibt es bisher nicht. In den USA wurden die Ergebnisse jedenfalls interessiert diskutiert, es wurde aber auch von mehreren Experten darauf hingewiesen, dass dies noch nicht reif für die klinische Routine sei.

Literatur

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