Nachrichten 13.06.2018

Vorhofflimmern: Was sich an einzelnen Beschwerden ablesen lässt

Die meisten Patienten mit Vorhofflimmern haben Beschwerden. Welche davon prognostisch relevant sind, wurde nun im Rahmen eines großen europäischen Registers untersucht. 

Bei Patienten mit Vorhofflimmern scheinen Palpitationen für die Therapieentscheidung die größte Relevanz zu haben. In einem europäischen Vorhofflimmern-Register gingen diese Beschwerden mit der größten Wahrscheinlichkeit her, dass im darauffolgenden Jahr eine Kardioversion (Odds Ratio, OR: 1,32) oder Katheterablation durchgeführt wird (OR: 2,02).

Hinsichtlich der Schwere dieser Beschwerden wurden in diesem Zeitraum auch die größten Erfolge erzielt. „Somit scheinen Palpitationen häufig der Auslöser zu sein, nach Wegen zu suchen, wie sich der Sinusrhythmus wiederherstellen oder erhalten lässt“, resümieren die Studienautoren um Dr. Renate Schnabel vom Universitären Herzzentrum in Hamburg. An der Ausprägung von Palpitationen scheinen die behandelten Ärzte den Therapieerfolg zu bemessen.

EHRA-Score zum Management der Patienten

Insgesamt wurden im Rahmen des „Thromboembolic Events-European Registry in Atrial Fibrillation“ 6.196 Patienten mit Vorhofflimmern und einem durchschnittlichen Alter von knapp 72 Jahren ein Jahr nachverfolgt. Die in dieser Zeit eingeleiteten Therapieschritte sowie die Inzidenzen kardiovaskulärer Erkrankungen wurden mit dem zu Studienbeginn erfassten EHRA-Score in Beziehung gesetzt.

Der EHRA-Score wird in den aktuellen ESC-Leitlinien zur Therapiesteuerung empfohlen; sechs typische Beschwerden bei Vorhofflimmern-Patienten (Palpitationen, Müdigkeit, Schwindel, Dyspnoe, Brustschmerzen und Angstzustände) werden darin in vier Schweregraden abgefragt. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass sich der Score in der aktuellen Analyse als starker Prädiktor für das Einleiten einer Kardioversion oder Katheterablation herausstellte.

Score sagt nur wenig über die Prognose aus

Über die Prognose der Patienten sagt der Score allerdings nur wenig aus. Die darin erfasste Beschwerdelast ging einzig mit einem vermehrten Auftreten von Herzinsuffizienz einher (OR: 1,65), aber nicht mit dem anderer kardiovaskulärer Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle. „Beschwerden an sich, kombiniert mit dem EHRA-Score, scheinen somit kein starker Prädiktor für ein negatives Outcome zu sein“, schließen Schnabel und Kollegen daraus. Die Symptomschwere habe bei Vorhofflimmern-Patienten somit keine große prognostische Aussagekraft.

Was die spezifischen Beschwerden sagen

Betrachtet man die einzelnen Score-Komponenten, lässt sich an gewissen Beschwerden aber doch etwas ablesen: Brustschmerzen deuten auf ein koronares Ereignis hin (OR: 2,45), Müdigkeit, Dyspnoe und Angstzustände gehen mit einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz einher (OR: 1,84; 2,33 und 1,72) und – seltsamerweise – waren Angstzustände invers mit dem Auftreten von Schlaganfällen, TIA und arteriellen Thromboembolien assoziiert. Letzterem Befund sprechen die Studienautoren aber keine große Bedeutung zu. Das Ergebnis sei wahrscheinlich falsch und nur deshalb so ausgefallen, weil Schlaganfälle in der Registerstudie vergleichsweise selten vorgekommen seien.

Alles in allem halten Schnabel und Kollegen den EHRA-Score für ein sinnvolles Diagnostiktool, um das Management der Patienten im klinischen Alltag zu steuern – trotz dessen geringer prognostischer Relevanz. Mithilfe der einzelnen Komponenten ließe sich die Prognose der Patienten einschätzen. Seine Bedeutung für die klinische Praxis müsse aber in weiteren Studien untersucht werden.

Literatur

Schnabel R,  Pecen L,  Rzayeva N et al. Symptom Burden of Atrial Fibrillation and Its Relation to Interventions and Outcome in Europe; Journal of the American Heart Association. 2018;7:e007559, originally published May 18, 2018; https://doi.org/10.1161/JAHA.117.007559

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