Skip to main content
main-content

24.10.2017 | Vorhofflimmern | Nachrichten

Auch noch im Normbereich

Vorhofflimmern: Hohe Schilddrüsenhormon-Werte als Risikofaktor?

Autor:
Veronika Schlimpert

Selbst moderat erhöhte Werte von freiem Thyroxin gehen einer aktuellen Analyse zufolge mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern einher. Nach Ansicht der Studienautoren könnten Schilddrüsenhormone deshalb einen potenziellen Risikofaktor darstellen.  

Dass eine Schilddrüsenüberfunktion die Entwicklung von Vorhofflimmern begünstigen kann, ist bekannt. Nun deuten die Ergebnisse einer aktuellen Analyse mit über 30.000 Teilnehmern an, dass bereits leicht erhöhte Werte von freien Thyroxin fT4 im Blut, die noch im Normbereich liegen, mit einem erhöhten Vorhofflimmern-Risiko einhergehen.

Hohe Schilddrüsenhormon-Werte könnten daher einen Risikofaktor für die Entwicklung von Vorhofflimmern darstellen, wird die Studienautorin Dr. Christine Baumgartner, die derzeit an der University of California in San Francisco arbeitet, in einer Pressemitteilung der AHA zitiert.

In der aktuellen Analyse hatten Patienten mit normaler Schilddrüsenfunktion (TSH: 0,45 bis 4,49 mlU/L) bei fT4-Werten in der höchsten Quartile ein um 45% höheres Risiko,  Vorhofflimmern zu entwickeln, als Patienten, deren Werten zu Studienbeginn in der niedrigsten Quartile gelegen hatten. Im Falle der dritthöchsten Quartile war das relative Risiko um 25% erhöht.

Evtl. Grenzwerte für Schilddrüsenunterfunktion anpassen

Dieser Befund könnte durchaus praktische Relevanz haben, da immer mehr Menschen schon bei Vorhandensein einer subklinischen Schilddrüsenunterfunktion mit Thyroxin behandelt werden. Nach Ansicht von Baumgartner sollte daher als nächster Schritt untersucht werden, ob auch Patienten, die aufgrund einer solchen Behandlung erhöhte Konzentrationen von freien T4 aufweisen, einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Gegebenenfalls müsse man sich dann überleben, die Grenzwerte für einen entsprechenden Therapiebeginn anzupassen.

Für die Subgruppe der mit Thyroxin behandelten Patienten hat sich zwar in der aktuellen Analyse ebenfalls eine entsprechende Assoziation gezeigt. Und die fT4-Spiegel der meisten dieser Patienten hätten in der höchsten Quartile gelegen, berichten die Studienautoren. Allerdings sei die Patientenzahl (n= 1.146) gering gewesen, sodass diese Studie hierzu keine aussagekräftigen Rückschlüsse geben kann.

Aber: TSH hat keinen Einfluss

Physiologisch erscheint der Zusammenhang zwischen hohe Konzentrationen von freiem Thyroxin und der Entstehung von Vorhofflimmern durchaus schlüssig. Schilddrüsenhormone erhöhen den vaskulären Widerstand, die Herzfrequenz und die linksventrikuläre Masse. Werte im oberen Bereich gehen mit einem erhöhten Risiko für Vorhofextrasystolen einher und gelten generell als arrhythmogen.

Seltsamerweise ließ sich aber kein Zusammenhang zwischen den TSH-Spiegeln und dem Risiko für Vorhofflimmern nachweisen. Das von der Hypophyse ausgeschüttete Hormon regt die Produktion von Thyroxin in der Schilddrüse an und wird selbst wiederum über einen negativen Rückkopplungsmechanismus durch die Konzentrationen von T3 und T4 im Blut reguliert. Die Höhe der TSH-Spiegel gilt daher als diagnoseweisend für das Vorhandensein eine Unter- bzw. Überfunktion der Schilddrüse.  Eigentlich würde man deshalb erwarten, dass der TSH-Spiegel der sensitivere Marker sei, geben die Studienautoren zu bedenken.

Insgesamt haben Baumgartner und Kollegen für ihre Studie Patientendaten von elf internationalen Kohorten mit insgesamt 30.085 Teilnehmern angefragt und ausgewertet.  Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von 1,3 bis 17 Jahre. In dieser Zeit entwickelten 8,6% der Patienten Vorhofflimmern. Die Grenzwerte der  fT4-Quartile unterschieden sich je nach Studie und sind der Publikation nicht zu entnehmen.  

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

17.10.2018 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Publikation der VEST-Studie: positiv, negativ oder neutral mit Trend?

Welchen Nutzen bietet die tragbare Defibrillatorweste nach akutem Myokardinfarkt?

Die kürzlich publizierte VEST-Studie liefert abhängig von dem statistischen Analyseverfahren unterschiedliche Ergebnisse zur Reduktion plötzlicher Todesfälle durch Einsatz der tragbaren Defibrillatorweste bei Postinfarktpatienten. Die Gesamtmortalität zeigt sich dagegen unabhängig vom Analyseverfahren reduziert. Über die Auslegung der VEST Studie wird unter Experten diskutiert.

Quelle:

kardiologie.org

Autor:
Prof. Dr. med. Dierk Thomas

16.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Innovationen in der Kardiologie – was können wir uns leisten?

Neue Therapien können sehr wirksam sein, kosten aber oft sehr viel Geld. Prof. Andreas Zeiher diskutiert, wie dieser Zwiespalt zu lösen ist.

Aus der Kardiothek

16.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Innovationen in der Kardiologie – was können wir uns leisten?

Neue Therapien können sehr wirksam sein, kosten aber oft sehr viel Geld. Prof. Andreas Zeiher diskutiert, wie dieser Zwiespalt zu lösen ist.

15.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Mindestmengen zur Qualitätskontrolle – Sinn oder Unsinn?

Prof. Hugo A. Katus diskutiert, ob Mindestmengen zur Sicherstellung der Behandlungsqualität sinnvoll sind.

13.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Kritische Bewertung von Studien am Beispiel von TAVI

Die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) boomt in Deutschland. Doch was ist wirklich belegt? Prof. Stefan Blankenberg wirft einen kritischen Blick auf die Studienlage. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

Bildnachweise