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16.10.2018 | Vorhofflimmern | Nachrichten

Thromboembolie-Risiko

Vorhofflimmern nach nicht-kardialen Operationen: Kein vorübergehendes Problem

Autor:
Peter Overbeck

Über Vorhofflimmern, das im Zusammenhang mit nicht-kardialen Operationen neu aufgetreten ist, weiß man bislang herzlich wenig. Eine neue Studie zeigt nun auf, welche Risiken damit verbunden sein können.

Ebenso wie nach herzchirurgischen Eingriffen kann Vorhofflimmern  – wenngleich deutlich seltener – auch im Zusammenhang mit nicht-kardialen Operationen erstmals auftreten. Ein solches postoperatives Vorhofflimmern ist auf längere Sicht mit einem ähnlich hohen Thromboembolie-Risiko assoziiert wie nicht-valvuläres Vorhofflimmern ohne Bezug zu einer Operation. Dafür sprechen Ergebnisse einer retrospektiven Analyse von Daten eines dänischen Registers.

Eine Forschergruppe um Dr. Jawad H. Butt vom Universitätshospital in Kopenhagen hat für diese Studie im nationalen dänischen Patientenregister insgesamt 6.048 Patienten ohne Vorhofflimmern in der Vorgeschichte ausfindig gemacht, bei denen diese atriale Arrhythmie im Zusammeneng mit aus nicht-kardialen Gründen vorgenommenen Operationen in der Zeit des Klinikaufenthalts neu aufgetreten war. Die Prävalenz von postoperativem Vorhofflimmern bei diesen Operationen war mit  0,4% relativ niedrig. Am häufigsten trat die Rhythmusstörung nach thorakalen/pulmonalen, vaskulären und abdominellen Operationen auf.

Im Vergleich zu Patienten, die kein postoperatives Vorhofflimmern entwickelt hatten,  waren Patienten mit  entsprechender Arrhythmie im Schnitt älter und  dementsprechend kränker.

Gleiches Risiko für Thromboembolien

In der Studie haben die Autoren 3.830 Patienten mit postoperativem Vorhofflimmern im Verhältnis 1:4 insgesamt 15.320  „gematchte” Patienten mit bekanntem nicht-valvulärem Vorhofflimmern gegenübergestellt, bei denen bezüglich der Merkmale Alter, Geschlecht, Herzinsuffizienz, Thromboembolien in der Vorgeschichte und  KHK Übereinstimmung bestand. Beide Gruppen wurden dann bezüglich ihres Langzeit-Risikos für thromboembolische Ereignisse (Schlaganfall, TIA, periphere arterielle Thrombosen) in einem medianen Zeitraum von 3,2 Jahren verglichen.

Wie Butt und seine Mitautoren berichten, war die Rate an thromboembolischen Ereignissen in den Gruppen mit postoperativem und mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern annähernd gleich (13,0%  vs. 13,6%). Stationäre Wiedereinweisungen wegen Vorhofflimmern erfolgten in der Gruppe mit postoperativem Vorhofflimmern im Vergleich allerdings signifikant seltener (46,2 vs. 89,8 Ereignisse pro 1000 Personenjahre).

Die Wahrscheinlichkeit, dass innerhalb kurzer Zeit nach der Diagnose eine orale Antikoagulation eingeleitet wurde, war insgesamt relativ niedrig und in der Gruppe mit postoperativem Vorhofflimmern nur etwa halb so hoch wie in der Gruppe mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern (24% vs. 42%). Die Autoren weisen aber darauf hin, dass die Verordnungsquoten nach 2010 deutlich angestiegen sind und 2015 bereits bei 48% versus 67,4% lagen. In beiden Gruppen war eine Prophylaxe mit Antikoagulanzien mit einem deutlich niedrigeren Risiko für thromboembolische Ereignisse assoziiert.

Die Frage der Antikoagulation

Gemäß den amerikanischen und europäischen Leitlinien sollte die orale Antikoagulation derzeit bei neu aufgetretenem Vorhofflimmern nach Herzoperationen in Betracht gezogen werden  (IIa-Empfehlung). Zur  Antikoagulation bei neu aufgetretenem  Vorhofflimmern im Kontext nicht-kardialer Operation steht hingegen nichts in den Guidelines - aus gutem Grund: Es fehlt einfach an Studiendaten.  Butt und seine Kollegen halten deshalb klärende Studien für dringend erforderlich.

Angesichts der niedrigen Inzidenz von postoperativem Vorhofflimmern sei die Realisierung solcher Studien allerdings ein schwieriges Unterfangen, geben Dr. Anne Curtis und Dr. Hassan Khan, beide von der University of Buffalo, in einem Begleitkommentar zu bedenken. Hilfreich könnten in dieser Situation nach Ansicht beider Experten derzeit laufende Studien zur Antikoagulation bei Patienten mit subklinischem Vorhofflimmern sein. Sollte sich erweisen, dass eine orale Antikoagulation auch bei diesen Patienten das Risiko für Thromboembolien in relevantem Maß reduziert, halten Curtis und Khan eine Extrapolation auf Patienten mit postoperativem Vorhofflimmern nach nicht-kardialen Eingriffen für vertretbar.

Literatur

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