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19.10.2017 | Vorhofflimmern | Nachrichten

Geschlechterspezifische Unterschiede

Vorhofflimmern: Übergewicht vor allem für Männer riskant

Autor:
Veronika Schlimpert

Übergewicht ist der wichtigste Risikofaktor für Vorhofflimmern. Einer großen europaweiten Kohortenstudie zufolge ist die Gefährdung für übergewichtige Männer allerdings größer als für übergewichtige Frauen.

Die Prävalenz von Vorhofflimmern steigt weltweit an. Daher ist es auch unter ökokomischen Aspekten von großem Interesse zu wissen, welche Risikofaktoren maßgeblich an diesem Anstieg beteiligt sind. Europaweit sind deshalb auch Wissenschaftler im Rahmen des BiomarCaRE Consortium-Projekts (Biomarker for Cardiovascular Risk Assessment in Europe) dieser Frage nachgegangen.

Für die aktuelle Analyse wurden 79.793 Teilnehmer, die anfangs frei von Vorhofflimmern waren, über einen durchschnittlichen Zeitraum von 12,6 Jahren bis maximal 28,2 Jahre nachverfolgt. In dieser Zeit entwickelten 4,4% der Frauen und 6,4% der Männer Vorhofflimmern.

Geschlechterspezifische Unterschiede

„Für etwa 20% des in dieser Kohorte zu beobachtenden Risikos war ein zu hoher Body-Mass-Index verantwortlich“, berichten die Studienautoren um Dr. Christina Magnussen vom Universitären Herzzentrum in Hamburg.

Dabei stellte sich heraus, dass Übergewicht für Männer eine größere Gefährdung darstellte als für Frauen. So ging ein Anstieg des BMI bei  Männern mit einem um 31% erhöhten Risiko einher, bei den Frauen betrug die Risikoerhöhung dagegen nur 18%.

Solche geschlechterspezifischen Unterschiede in der Ausprägung von Risikofaktoren zu kennen, sei wichtig, um langfristige Präventionsstrategien zu entwickeln, mit denen die durch Vorhofflimmern bedingte Mortalität und die entstehenden Kosten für das Gesundheitssystem wirksam gesenkt werden können, erläutern Magnussen und Kollegen. Die Bekämpfung von Übergewicht sei dabei ein wichtiger Ansatzpunkt, sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Männer ab 50, Frauen ab 60 gefährdet

Wie die Analyse deutlich macht, geht Vorhofflimmern immer noch mit einem deutlichen erhöhten Sterberisikos einher. Die Mortalität stieg bei beiden Geschlechtern um das 3,5-fache an.  

Generell war das Lebenszeitrisiko für die Entwicklung von Vorhofflimmern für Männer und Frauen gleichermaßen hoch. Allerdings waren Männer bereits ab dem 50. Lebensjahr einem kumulativ ansteigendem Risiko ausgesetzt, während dies bei den Frauen erst ab einem Alter von 60 Jahren der Fall war. Ab dem 90. Lebensjahr unterschied sich die kumulative Inzidenz zwischen beiden Geschlechtern allerdings nicht mehr.

Als weitere Risikofaktoren für Vorhofflimmern stellten sich in einer multivariaten Analyse ein hoher Blutdruck, Rauchen, Schlaganfall oder Herzinfarkt in der Vorgeschichte, übermäßiger Alkoholkonsum, die Höhe der CRP-Konzentration (nur bei den Männern signifikant), die Höhe der NT-proBNP-Werte sowie etwas überraschend auch ein niedriges Gesamt-Cholesterinmenge heraus.  Diese inverse Assoziation hat sich bereits in anderen Studien gezeigt. In dieser Kohorte waren höhere Cholesterinwerte bei Frauen mit einem noch niedrigeren Risiko für die Entwicklung von Vorhofflimmern assoziiert als bei Männern.    

Literatur

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