Skip to main content
main-content

06.07.2017 | Vorhofflimmern | Nachrichten

Screening-Methode getestet

Was bringt die Suche nach subklinischem Vorhofflimmern?

Autor:
Peter Overbeck

Schätzungen zufolge bleibt Vorhofflimmern bei rund einem Drittel aller davon betroffenen Patienten unbemerkt. Eine Screening-Strategie, mit der sich klinisch stummes Vorhofflimmern in der Bevölkerung  entdecken lässt, haben Kardiologen in Norwegen erfolgreich getestet.

Vorhofflimmern verläuft bei vielen Patienten asymptomatisch. Eine frühe Entdeckung dieser Arrhythmie, die mit zunehmendem Alter immer häufiger auftritt, würde es ermöglichen, Betroffene durch eine orale Antikoagulation vor einem möglichen ischämischen Schlaganfall zu bewahren.

Aber wie lässt sich subklinisches Vorhofflimmern am besten nachweisen? Die Optionen für ein Rhythmus-Monitoring reichen von der simplen Palpation des Pulses über Ruhe- und Langzeit-EKGs bis hin zu externen und von Patienten bedienbaren EKG-Systemen sowie implantierbaren Herzmonitoren. Dabei gilt: Je länger die Überwachungsdauer, desto höher die Entdeckungsrate.

Eine Gruppe norwegischer Untersucher um Dr. Trygve Berge hat im Rahmen der Akershus Cardiac Examination 1950 (ACE 1950)-Studie eine Screening-Strategie zum Nachweis von bis dato unentdecktem Vorhofflimmern in der Bevölkerung getestet. Berge hat die Ergebnisse jüngst beim Kongress EHRA/Cardiostim 2017  in Wien vorgestellt.

Screening mithilfe des Daumen-EKGs

Die Gruppe hat dafür zunächst 3706 Männer und Frauen des Geburtsjahrgangs 1950 im Kreis Akershus in Norwegen ausgewählt. Aus dieser Population wurden dann 1742 Personen im Alter von 65 Jahren herausgefiltert, bei denen der ermittelte CHA2DS2-VASc-Score (2 oder höher bei Männern, 3 oder höher bei Frauen) ein erhöhtes Schlaganfallrisiko signalisierte („at risk“-Population). Unter diesen Personen war 141 mit bereits zuvor diagnostiziertem  Vorhofflimmern. Übrig blieben schließlich 1510 Personen ohne bekanntes Vorhofflimmern, die das eigentliche Screening-Programm absolvieren sollten.

Um subklinischem Vorhofflimmern auf die Spur zu kommen, erhielten die Teilnehmer ein Hand-EKG-Gerät (Zenicor), auch Daumen-EKG genannt, mit dem sie selbst zwei Wochen lang wiederholt kurze EKG-Aufzeichnungen machen sollten. Dabei werden die  Daumen 30 Sekunden lang auf zwei Elektroden gelegt. Die Messungen  wurden dann über das Mobilfunknetz an eine zentrale EKG-Datenbank übermittelt und analysiert.

Subklinisches Vorhofflimmern in  0,9% der Fälle entdeckt

Wie Berge berichtet, konnte auf diese Weise bei 13 gescreenten Personen (0,9%) ein subklinisches Vorhofflimmern neu diagnostiziert werden. Die Gesamtprävalenz von Vorhofflimmern betrug 7,9%. Personen mit per Screening erstmals entdecktem Vorhofflimmern hatten häufiger einen Diabetes mellitus als Personen ohne diese Arrhythmie.

Schwedische Untersucher haben jüngst in der deutlich größeren  STROKESTOP-Studie bei einer noch älteren Population eine ähnliche Screening-Strategie verfolgt. In zwei Regionen in Schweden hatten sie 7173 Männer und Frauen im Alter zwischen 75 und 76 Jahren zur Teilnahme am Screening-Programm, bei dem ebenfalls jeweils zwei Wochen lang das „handheld“-EKG-Gerät zum Einsatz kam, eingeladen.

Bei 9,3% der Teilnehmer war schon vorher Vorhofflimmern festgestellt worden. Durch das Screening wurde bei weiteren 218 Teilnehmern (3,0%) ein bis dato unentdecktes Vorhofflimmern diagnostiziert. Die Gesamtprävalenz betrug somit 12,3%. Von den Personen mit neu entdecktem Vorhofflimmern stimmten 93%  dem Beginn einer Behandlung mit oralen Antikoagulanzien zu.

Die Frage, ob eine Antikoagulation auch bei Patienten mit subklinischem Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko substanziell verringert, muss allerdings in Studien noch geklärt werden.

Literatur