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18.08.2017 | Vorhofflimmern | Nachrichten

Analyse von WHS-Daten

Welche Faktoren bei Vorhofflimmern die Entwicklung einer Herzinsuffizienz begünstigen

Autor:
Peter Overbeck

Bei vielen Patienten mit neu diagnostiziertem  Vorhofflimmern tritt im weiteren Verlauf auch eine Herzinsuffizienz auf. US-Forscher haben jetzt in einer Studie mehrere beeinflussbare Faktoren ausgemacht, die in dieser Situation einer Herzinsuffizienz-Entwicklung Vorschub leisten. Sie könnten Ansatzpunkte für eine verbesserte Prävention sein.

Dass mit dem Auftreten von Vorhofflimmern auch ein erhöhtes Sterberisiko einhergeht, ist in Studien wiederholt dokumentiert worden. Unter den Ursachen für die erhöhte Mortalität rangiert der ischämische Schlaganfall schon längst nicht mehr auf einem vorderen Platz. Dies könnte nicht zuletzt auf den Erfolg einer breiteren Nutzung von oralen Antikoagulanzien in der Schlaganfall-Prophylaxe bei Vorhofflimmern zurückzuführen sein.

Ungeachtet der dadurch erzielten Verbesserung bleibt Vorhofflimmern aber nach wie vor mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Als Ursachen sind dabei heute Erkrankungen wie Herzinsuffizienz und KHK von größerer Bedeutung. Um die Mortalität bei Patienten mit Vorhofflimmern weiter verringern zu können, bedarf es deshalb über die Antikoagulation hinaus effektiver Strategien zur Vorbeugung dieser Erkrankungen.

Vor diesem Hintergrund haben es sich US-Forscher um Dr. Neal Chatterjee aus Boston zur Aufgabe gemacht, modifizierbare Faktoren zu identifizieren, die bei Patienten mit neu aufgetretenem Vorhofflimmern die künftige Entwicklung einer Herzinsuffizienz begünstigen. Dazu nutzte die Gruppe Daten aus der Women’s Health Study (WHS). Diese 1993 als randomisierte Studie gestartete Untersuchung ist 2004 als noch laufende Beobachtungsstudie fortgeführt worden. Teilnehmerinnen sind knapp 40.000 im US-Gesundheitswesen beschäftige Frauen, die zu Beginn 45 Jahre oder älter waren und keine kardiovaskulären Erkrankungen aufwiesen.

Vier beeinflussbare Risikofaktoren identifiziert

Im Verlauf von rund 20 Jahren  trat bei  1495 Frauen Vorhofflimmern auf, ohne dass zunächst eine Herzinsuffizienz als Begleiterkrankung vorlag. Davon entwickelten dann 187 Frauen nach der Diagnose auch eine Herzinsuffizienz. Neu aufgetretenes Vorhofflimmern war mit einem um den Faktor 9 höheren Risiko für Herzinsuffizienz assoziiert (Hazard Ratio 9,03). Wenn bei Frauen mit Vorhofflimmern in der Folge auch eine Herzinsuffizienz auftrat, erhöhten sich Gesamtmortalität (HR 1,87) und die kardiovaskuläre Mortalität (HR 2,87).

Als mit der Herzinsuffizienz-Entwicklung assoziierte Faktoren identifizierten die Untersucher bei ihrer Analyse einen erhöhten Blutdruck (systolischer Blutdruck >120 mm Hg), Adipositas (Body-Mass-Index ≥30 kg/m2), Rauchen und Diabetes mellitus. Diesen vier modifizierbaren Risikofaktoren war in der Summe ein Anteil von 62%  an der Risikoerhöhung bezüglich Herzinsuffizienz zuzuschreiben (attributables Risiko), berichten Chatterjee und seine Kollegen. Vor allem ein erhöhter Blutdruck scheint dabei ins Gewicht zu fallen.

Je weniger Faktoren, desto niedriger das Risiko

Von den Teilnehmerinnen mit Vorhofflimmern hatten 85% aller Teilnehmerinnen mindestens einen dieser Risikofaktoren. Verglichen mit den Frauen, die drei oder vier Faktoren aufwiesen, hatten Frauen mit zwei Faktoren ein um 40% (HR 0,60), Frauen mit nur einem Faktor  ein um 60% (HR 0,40) und Frauen ohne entsprechende Faktoren ein um 86% (HR 0,14) niedrigeres Risiko für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz.

Nach Ansicht der Studienautoren machen diese Ergebnisse Hoffnung, dass eine gezielte Beeinflussung von Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes und Rauchen eine Möglichkeit bieten könnte, bei Patienten mit Vorhofflimmern das Risiko für eine Herzinsuffizienz deutlich zu reduzieren.

Literatur