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09.07.2018 | Vorhofflimmern | Nachrichten

Vorhofflimmern

Weniger Klinikeinweisungen wegen Schlaganfall durch konsequentere Antikoagulation?

Autor:
Peter Overbeck

In England ist der Anteil an Patienten mit Vorhofflimmern, die eine orale Antikoagulation zur Schlaganfall-Prophylaxe erhalten haben, in jüngster Zeit  kontinuierlich angestiegen. Diese Entwicklung ging zeitlich mit einer Abnahme von Klinikeinweisungen wegen Vorhofflimmern-bezogenen Schlaganfällen einher. 

Die zunehmende therapeutische Nutzung von oralen Antikoagulanzien bei Vorhofflimmern in den vergangenen zehn Jahren scheint einen günstigen Einfluss auf die Schlaganfall-Rate in England gehabt zu haben. Darauf deuten Ergebnisse der Analyse einer britischen Arbeitsgruppe um Dr. Chris P. Gale von der Abteilung für Kardiologie am Leeds General Infirmary in Leeds hin. 

Die Gruppe hat sich über Abfragen bei mehreren nationalen Datenbanken in England Informationen zur Prävalenz von Vorhofflimmern und speziell zur Häufigkeit der Verordnung von oralen Antikoagulanzien bei dieser Arrhythmie in der Zeit zwischen 2006 und 2016  verschafft. Zudem wurden alle im selben Zeitraum im Land angefallenen Klinikeinweisungen wegen Schlaganfällen im Zusammenhang mit Vorhofflimmern (n=375.310) analysiert. 

Prävalenz von Vorhofflimmern angestiegen 

Zwischen 2006 und 2016 gab es demnach pro Jahr im Schnitt 815.501 Menschen mit Vorhofflimmern (Prävalenz: 1,43%). Bei der auf Daten der Quality and Outcomes Framework (QOF)-Datenbank gründenden  Analyse der zeitlichen Trends zeigte sich, dass die Zahl der Patienten mit bekanntem Vorhofflimmern in diesem Zeitraum linear von anfänglich 692.054 auf 983.254 angestiegen war. Dementsprechend erhöhte sich die Prävalenz von 1,29% auf 1,71%. Die Anstiegsrate war in der ersten und zweiten Hälfte des untersuchten Jahrzehntes jeweils gleich. 

Bei den Klinikeinweisungen aufgrund von Vorhofflimmern-bezogenen Schlaganfällen war zwischen 2006 und 2011 zunächst eine Zunahme von wöchentlich  80 Fällen auf  98 Fälle pro 100.000 Patienten mit bekanntem Vorhofflimmern zu verzeichnen. Zwischen 2011 und 2016  gab es dann einen Rückgang auf nur noch 86 Fälle pro Woche. 

Antikoagulation zunehmend genutzt 

Bei den Patienten mit Vorhofflimmern und erhöhtem Schlaganfallrisiko (CHA2DS2-VASc-Score 2 oder höher) stieg  im Untersuchungszeitraum der Anteil jener, die eine orale Antikoagulation erhielten, von anfänglich 48,0% auf 78,6% an. Der Anteil an Patienten, die eine bekanntlich deutlich schwächer wirksame Prophylaxe mit Plättchenhemmern verordnet bekamen, verringerte sich in dieser Zeit  von 42,9% auf 16,1%. 

Am stärksten waren die beobachteten Veränderungen bezüglich der Behandlung mit Antikoagulanzien in der zweiten Hälfte des Studienzeitraums: Zwischen 2011 und 2016  erhöhte sich der Anteil der Patienten mit oraler Antikoagulation absolut um 25,8% (+4,8% zwischen 2006 und 2011). 

Wurden rund 4000 Schlaganfälle verhindert? 

In einer auf Vorhofflimmern-Prävalenz adjustierten Analyse kamen die Autoren um Gale zu dem Ergebnis, dass ein Anstieg um 1% bei der Behandlung mit  Antikoagulanzien signifikant mit einer Abnahme um 0,8% bei der wöchentlichen Rate an Vorhofflimmern-bezogenen Schlaganfällen assoziiert war.  Wäre der Einsatz der oralen Antikoagulation bei Vorhofflimmern unverändert auf dem Stand von  2009 geblieben, hätte es in der Zeit 2015/2016 nach Berechnungen der Studienautoren 4068  Schlaganfälle mehr gegeben. 

Dass in dieser Zeit in England tatsächlich rund 4000 Schlaganfälle durch konsequentere Nutzung der  oralen Antikoagulation bei Vorhofflimmern aktiv verhindert worden sind, kann die Beobachtungsstudie von Gale und seinen Kollegen zwar nahelegen, jedoch nicht definitiv belegen. Auch den Studienautoren ist klar, dass ihre Analyse nur Assoziationen beschreiben, nicht aber Kausalität beweisen kann.

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