Nachrichten 22.06.2018

Zeig mir deinen Biomarker, und ich sage dir, woran du stirbst

An Biomarkern, die eine erhöhte Sterblichkeit bei Vorhofflimmern vorhersagen, herrscht kein Mangel. Doch lassen diese Biomarker auch Rückschlüsse über das Risiko spezifischer Todesursachen zu? Eine Post-hoc-Analyse der ARISTOTLE-Studie gibt Antwort.

Die ARISTOTLE-Studie war eine randomisierte Vergleichsstudie zwischen Apixaban und Warfarin bei über 18.000 Patienten mit Vorhofflimmern. Bei immerhin knapp 15.000 dieser Patienten wurde eine umfangreiche Sammlung an Biomarkern bestimmt, darunter NT-proBNP, Interleukin 6, hochsensitiv gemessenes Troponin T und der Wachstumsfaktor GDF-15.

Für all diese Biomarker ist bekannt, dass sie mit kardiovaskulären Ereignissen und/oder kardiovaskulären Todesfällen assoziiert sind.

Troponin T spricht für plötzlichen Herztod

Die ARISTOTLE-Studie war nun groß genug, um das etwas genauer zu analysieren. Demnach starben im Studienzeitraum – im Median 1,9 Jahre – 1.272 der 14.798 Patienten mit Biomarkerdaten. Rund die Hälfte davon erlag einer kardiovaskulären Erkrankung, bei etwa 3 % war ein Blutungsereignis die Todesursache, und die restlichen Patienten starben aus anderen Gründen.

Wurde das nun mit den Biomarkern korreliert, dann zeigte sich, dass sich einzelne Biomarker relativ gut spezifischen kardiovaskulären Todesursachen zuordnen ließen. So hatten Patienten mit einer Verdopplung des Troponin T ein um rund die Hälfte höheres Risiko, an einem plötzlichen Herztod zu versterben als Patienten ohne Troponin-T-Auffälligkeiten (Hazard Ratio, HR: 1,48; p < 0,001), und auch das Risiko, an Schlaganfall oder Embolie zu versterben, war signifikant erhöht (HR: 1,45; p < 0,0029).

Eine Verdopplung von NT-proBNP korrelierte dagegen erwartungsgemäß stark mit einem Tod durch Herzinsuffizienz (HR 1,62; p < 0,001). Und eine Verdopplung von GDF-15 war mit einem rund 70 Prozent erhöhten Todesrisiko durch Blutung assoziiert (HR 1,72; p = 0,028).

Mehr mit Biomarkern als mit Scores arbeiten

Im Vergleich zu klinischen Risikomarkern war der prädiktive Wert der Biomarker dabei jeweils relativ hoch. Bei den Todesfällen durch Herzinsuffizienz war nur die Herzinsuffizienzanamnese prädiktiver als der Biomarker. Beim Tod durch Schlaganfall/Embolie war es nur die Schlaganfall-/Embolieanamnese, und bei den Todesereignissen durch Blutung erlaubte lediglich hohes Alter eine genauere Risikoeinschätzung.

Vor dem Hintergrund dieser Daten regen die Wissenschaftler an, zumindest im Forschungskontext eher mit Biomarker-Panels zur Risikostratifizierung bei Vorhofflimmerpatienten zu arbeiten als (nur) mit konventionellen Scores. Sie weisen auch darauf hin, dass sich anhand der Biomarker möglicherweise Hinweise auf die Pathogenese von Vorhofflimmern bei Patienten ergeben könnten, bei denen die Ursache des Vorhofflimmerns unklar ist.

Literatur

Sharma A et al. The Use of Biomarkers to Predict Specific Causes of Death in Patients with Atrial Fibrillation: Insights from the ARISTOTLE Trial. Circulation. 2018; https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.118.034125

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Röntgen-Thorax/© PD Dr. med. Katharina Schöne, MediClinHerzzentrum Coswig