Skip to main content
main-content

08.06.2018 | Vorhofflimmern | Nachrichten

Präventive Kardiologie

Zufallsbefund Vorhofflimmern: Was tun, wenn das Implantat Alarm schlägt?

Autor:
Philipp Grätzel

Eine neue Auswertung der ASSERT-Studie zeigt einmal mehr, dass kurze Episoden asymptomatischen Vorhofflimmerns prognostisch ungünstig sind. Vor allem wenn die Episoden länger werden, drohen Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz.

Die ASSERT-Studie ist eine von vielen Studien, die untersucht hat, welche prognostische Bedeutung es hat, wenn kardiale Implantate Vorhofflimmerepisoden aufzeichnen, von denen der Patient selbst gar nicht merkt. An der Studie, deren Hauptergebnis schon vor sechs Jahren veröffentlicht worden war, hatten 2.580 Patienten über 65 Jahren mit Bluthochdruck, aber ohne Vorhofflimmeranamnese teilgenommen. Es handelte sich ausnahmslos um Patienten, bei denen aus unterschiedlichen Gründen Schrittmacher oder ICD-Systeme implantiert wurden.

Bei ziemlich genau 10% dieser Patienten wurde in den ersten drei Monaten nach Implantation eine stumme Vorhofflimmerepisode von mehr als sechs Minuten Dauer aufgezeichnet. Diese Patienten hatten über einen Zeitraum von 2,5 Jahren ein zweieinhalbfach erhöhtes Schlaganfallrisiko. Insgesamt zeigte jeder dritte Patient innerhalb von zweieinhalb Jahren zumindest eine stumme Vorhofflimmerepisode von mehr als sechs Minuten Dauer.

In einer jetzt veröffentlichten Nachauswertung der ASSERT-Daten hat sich das internationale Studienteam von ASSERT jene 415 Patienten genauer angesehen, die im ersten Jahr nach Implantation eine über sechsminütige, aber unter vierundzwanzigstündige stumme Vorhofflimmerepisode hatten. 15,7% dieser Patienten entwickelten innerhalb eines im Mittel knapp zweijährigen Follow-up-Zeitraums stumme Vorhofflimmerepisoden von über 24 Stunden Dauer oder aber klinisch manifestes Vorhofflimmern.

Risiko für Herzinsuffizienz

Diese progredienten Patienten hatten ein Risiko von 8,9% pro Jahr, wegen Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingewiesen zu werden. Bei Patienten mit stummen Vorhofflimmern ohne Progression lag diese Quote nur bei 2,5% pro Jahr. Das war auch in der multivariaten Analyse statistisch hoch signifikant (p=0,004). Wenn Patienten mit vorbestehender Herzinsuffizienz ausgeklammert wurden, blieb der Zusammenhang bestehen bzw. wurde sogar noch stärker. Es gab auch keinen Unterschied zwischen Patienten mit letztlich klinisch manifestem und jenen mit nur stumm progredientem Vorhofflimmern.

Im engeren Sinne überraschend findet die Elektrophysiologin Prof. Taya Glotzer vom Hackensack University Medical Center in New Jersey diese Ergebnisse nicht. In einem Editorial weist sie auf zahlreiche Studien mit ähnlichen Ergebnissen hin und betont, dass stumme Vorhofflimmerepisoden aus ihrer Sicht Anlass zum Handeln geben sollten. Das Minimum sei ein systematisches Lebensstilprogramm mit dem Ziel, Gewicht zu reduzieren, Schlafapnoe zu behandeln, Alkoholexzesse zu vermeiden und das Zigarettenrauchen einzustellen. Auch die Diabetestherapie und die antihypertensive Therapie sollten, wo vorhanden, optimiert werden.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

Expertenrückblick auf die letzten Kongresse – das sollten Sie wissen

Fischöl ist anscheinend hochwirksam und der Mitraclip wirkt doch. Eine Expertenrunde hat in Leipzig die Highlights des diesjährigen AHA- und TCT-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

Aus der Kardiothek

09.12.2018 | Expertenvorträge | Onlineartikel

Expertenrunde diskutiert aktuelle Studienlage und die Praxisrelevanz

Eine Expertenrunde hat sich mit den Highlights des diesjährigen ESC-Kongresses auseinandergesetzt – kritisch, kurz und präzise. Was ist praxisrelevant, was nicht? 

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

04.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Knifflige Situationen nach Sonden-Extraktionen

Was tun, wenn bei Anzeichen einer Sonden-Infektion kein Erreger nachweisbar ist. Und was macht man, wenn nach der Explantation Überbleibsel (Ghosts) zu sehen sind?  Dr. Götz Buchwalsky erklärt den richtigen Umgang mit solchen Problemsituationen. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise