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03.11.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Erhöhte Sterberate

Vorsicht mit Cotrimoxazol bei Hypertonikern

Autor:
Thomas Müller

Hypertoniker mit ACE-Hemmern oder Sartanen sollten bei einer Antibiotikatherapie möglichst kein Cotrimoxazol erhalten. Nach Daten einer kanadischen Studie erhöht sich dadurch das Sterberisiko infolge einer Hyperkaliämie.

Der Effekt ist inzwischen gut bekannt: Der Wirkstoff Trimethoprim im Antibiotikum Cotrimoxazol zeigt strukturelle und pharmakologische Gemeinsamkeiten mit dem Kalium-sparenden Diuretikum Amilorid. Erhöhte Kaliumspiegel sind daher keine Seltenheit bei einer Therapie mit dem Antibiotikum. Die Auswirkungen auf den Kaliumspiegel können aber durch eine Behandlung mit ACE-Hemmern und Sartanen weiter verstärkt werden. In Untersuchungen hatten Patienten, die mit diesen Antihypertensiva behandelt wurden, unter Cotrimoxazol eine siebenfach höhere Rate von Hyperkaliämien als unter Amoxicillin. Immer wieder seien in der Literatur auch lebensbedrohliche Hyperkaliämien bei einer solchen Medikamentenkombination beobachtet worden, berichten Ärzte um Dr. Michael Fralick vom Sunnybrook Health Sciences Centre in Toronto.

Sterberisiko um die Hälfte erhöht

Die kanadischen Ärzte haben nun geschaut, ob sie in großen Bevölkerungsregistern Hinweise auf eine erhöhte Todesrate bei älteren Hypertonikern (über 65 Jahre) unter Cotrimoxazol finden. Dazu analysierten sie zum einen Verschreibungsdaten für ACE-Hemmer und Sartane sowie fünf häufig verordnete Antibiotika (Amoxicillin, Cotrimoxazol, Ciprofloxacin, Norfloxacin, Nitrofurantoin), und zwar für die ganze Provinz Ontario aus der Zeit von 1994 bis 2012. Zum anderen durchforsteten sie die kanadischen Todesursachenstatistiken.

Insgesamt stießen sie auf über 1,6 Millionen Bewohner mit einer ACE-Hemmer- oder Sartantherapie. Von diesen waren knapp 40.000 plötzlich gestorben, und davon hatten wiederum knapp 1000 eines der genannten Antibiotika in der Woche vor ihrem Tod bekommen. Etwa ein Viertel hatte Amoxicillin erhalten, ebenfalls ein Viertel Cotrimoxazol, und bei einem Drittel hatten die Ärzte Ciprofloxazin verordnet. Nun stellten die Wissenschaftler um Fralick jedem der Verstorbenen einige noch lebenden Patienten im selben Alter gegenüber. Alle hatten wiederum zu ihrem ACE-Hemmer oder Sartan eines der fünf Antibiotika bekommen.

Wie sich herausstellte, waren in der Gruppe der plötzlich Verstorbenen solche mit Cotrimoxazol deutlich überrepräsentiert, ähnliches ließ sich, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt, für Ciprofloxazin beobachten. Nimmt man die Daten der Kanadier als Grundlage und berücksichtigt eine Reihe anderer Risikofaktoren für einen plötzlichen Tod, so lässt sich im Vergleich zu Amoxicillin für Cotrimoxazol ein 38% höheres Risiko berechnen, innerhalb von sieben Tagen nach der Antibiotika-Einnahme zu sterben. Dehnten die Ärzte den Zeitraum auf 14 Tage aus, so war das Risiko sogar um 54% erhöht.

Hyperkaliämie als Ursache?

Für Ciprofloxacin, das aufgrund der QT-Zeit-Verlängerung Probleme bereiten kann, war das Sterberisiko nach den Berechnungen von Fralick und Mitarbeitern in den ersten sieben Tagen um 29% und in den ersten 14 Tagen um 18% erhöht. Für Norfloxacin und Nitrofurantoin konnten die Forscher hingegen kein erhöhtes Sterberisiko feststellen.

Sie vermuten, eine Arrhythmie infolge einer Hyperkaliämie sei die Ursache für das erhöhte Todesrisiko unter Cotrimoxazol in Kombination mit RAAS-Hemmern. Die Hyperkaliämie würde oft nicht richtig diagnostiziert, stattdessen gingen viele Ärzte davon aus, die Patienten seien an ihrer kardiovaskulären Grunderkrankung gestorben, schreiben die Forscher aus Toronto.

Zur Antibiose bei älteren Hypertonikern empfehlen sie daher Substanzen ohne ausgeprägte Auswirkungen auf den Kaliumspiegel.



Literatur
Bildnachweise