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07.09.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Linksventrikuläre Hypertrophie

Weibliches und männliches Sportlerherz – der kleine Unterschied

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Intensiver Sport hat bei Männern und Frauen unterschiedliche Effekte auf kardiale Umbauprozesse (Remodeling). Was bei Männern noch als normal gilt, könnte bei Frauen schon Zeichen einer pathologischen Veränderung sein. Eine in der „Frauenherz“-Pressekonferenz beim ESC-Kongress vorgestellte Studie versuchte, den Unterschieden auf die Spur zu kommen.

Immer mehr Frauen sind in bisher von Männern dominierten Sportarten wie Fußball, Rugby oder Boxen aktiv, weshalb es wichtig sei, die geschlechtsspezifischen anatomischen Veränderungen des Herzens zu verstehen, so Prof. Sanjay Sharma, London.

Untersucht wurden 1.082 gesunde Athleten, davon 41% Frauen zwischen 21 und 27 Jahren, die insgesamt 40 verschiedene Sportarten betrieben. Sie waren eingeteilt in drei Gruppen: für statische (z.B. Gerätetraining; 10%), dynamische (z.B. Langstreckenlauf; 28%) oder gemischte (dynamische und statische; 62%) Belastungsarten. Um die jeweiligen Effekte der unterschiedlichen Aktivitäten auf Größe und Form weiblicher oder männlicher Herzen zu erfassen, wurden alle Studienteilnehmer echokardiografisch und mittels Elektrokardiogramm überwacht.

Die gemessenen Modifikationen des linken Ventrikels, erfasst anhand der Werte für relative Wanddicke (RWT) und linksventrikuläre Masse (LVM), kategorisierten die Londoner Forschergruppe nach vier verschiedenen Geometrien:

  • Normal: RWT < 0,42 cm / LVM < 95 g/m2 (♀) bzw. RWT < 0,42 cm / LVM < 115 g/m2 (♂)
  • konzentrische Hypertrophie (RWT und LVM erhöht)
  • exzentrische Hypertrophie (LVM erhöht, RWT normal)
  • konzentrisches Remodeling (LVM normal, RWT erhöht)

Die gute Nachricht: In allen 3 Sportartgruppierungen hatte die Mehrheit sowohl der Männer als auch der Frauen eine normale Herzgeometrie (jeweils etwa 70 Prozent).

Grundsätzliche Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Studienteilnehmern gab es dagegen bei der linksventrikulären Masse (83 ± 17 vs. 101 ± 21 g/m²; p < 0,001) und der relativen Wanddicke (0,35 ± 0,05 vs. 0,36 ± 0,05 cm; p < 0,001), beide Werte lagen bei den Frauen etwas niedriger. Nach Adjustierung für Körpergewicht zeigte sich bei Frauen zudem eine stärkere enddiastolische Vergrößerung des linken Ventrikels (29 ± 3 vs. 27 ± 3 mm/m²; p < 0,001).

Hinsichtlich der LV-Geometrie unterschieden sich die Geschlechter bei den statischen und gemischten Sportarten nicht signifikant. Dynamische Sportarten führten aber bei Frauen häufiger zu exzentrischen Hypertrophien, während bei Männern öfter konzentrische Hypertrophien vorkamen (15 vs. 4%; p = 0,002). Die stärkere absolute Zunahme der Ventrikelwanddicke, die bei Männern gemessen wurde, kann auch durch höhere Testosteronspiegel getriggert sein.

Dass das Geschlecht wie auf viele andere medizinische Zusammenhänge auch auf die Ausprägung eines Sportlerherzens Einfluss nimmt, überrascht nicht. Offen blieben Fragen nach dem Hormonstatus der untersuchten Athleten oder nach der Trainingsdauer und -intensität, hierzu wurden keine Daten vorgestellt. Die Ergebnisse könnten künftig evtl. Konsequenzen für die Diagnostik bei Leistungssportlern haben. 

Literatur

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