Skip to main content
main-content

21.03.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Stentfrakturen

Wenn Koronarstents zu Bruch gehen

Autor:
Peter Overbeck

Koronarstents können in die Brüche gehen. Das passiert auch und gerade im Zeitalter der modernen Drug-eluting Stents (DES) gar nicht so selten. Wie häufig Stentfrakturen nach DES-Implantation sind und welche klinischen Folgen daraus resultieren, haben chinesische Kardiologen in einer umfangreichen Studie analysiert.

Koronarstents unterliegen einer kontinuierlichen technischen Weiterentwicklung. Verbesserungen etwa hinsichtlich der Stentplattform sind durch Veränderungen der Metallzusammensetzung, der Stentdicke und der Stentkonfiguration erreicht worden. Moderne Stents bestehen nur noch zum Teil aus Stainless Steel, häufiger werden Kobalt-Chrom-Legierungen verwendet. Dadurch konnte die Dicke der Stentstreben verringert werden. Auf die Inzidenz von späten Stentthrombosen hat sich das günstig ausgewirkt.

Dennoch sind Stentfrakturen nach wie vor ein klinisches Problem. Ihre Häufigkeit hängt von vielen Faktoren ab, etwa von der Dauer der Nachbeobachtung, vom DES-Typ, von der Fraktur-Definition und von der Art der verwendeten koronaren Bildgebung. Dementsprechend variieren die in der Literatur angegebenen Inzidenzraten für Stentfrakturen. Das Spektrum solcher Frakturen reicht von Brüchen einzelner Stentstreben bis zu kompletten transversalen Brüchen mit Verlagerung der getrennten Stentfragmente.

Das Risiko für Stentfrakturen korreliert nach bisheriger Erfahrung mit der Komplexität der Koronarläsion, der Länge des gestenteten Gefäßsegments und der Anzahl der Stent-Überlappungen. Auch sind Stents in der rechten Herzkranzarterie (RCA), die in stärkerem Maß der Herzbewegung ausgesetzt sind, offenbar häufiger von Brüchen betroffen als Stents im Ramus interventricularis anterior (RIVA/LAD) oder im Ramus circumflexus (RCX).

Suche bei 6.555 Patenten mit DES

Eine chinesische Arbeitsgruppe um Dr. Shao-Liang Chen von der Nanjing Medical University in Nanjing hat in einer großen Population von 6555 KHK-Patienten systematisch nach möglichen Stentfrakturen gefahndet. Bei ihnen waren bis Januar 2014 insgesamt knapp 16.500 Koronarstents vom DES-Typ implantiert worden. Alle Patienten waren einer angiografischen Nachkontrolle unterzogen worden.

Ergebnis der Analyse: Bei 803 Patienten (12,3 Prozent) wurden an insgesamt 3.660 DES (22,0 Prozent aller implantierten Stents) Frakturen entdeckt. Im Vergleich zur Gruppe ohne Stentfraktur waren bei Patienten mit ramponierten Gefäßstützen anhand der Koronarangiografien häufiger In-Stent-Restenosen (42,1 vs. 10,7%), Koronarverschlüsse (5,1 vs. 0,3%), Aneurysmen (6,0 vs.0,7%) und definitive Stentthrombosen (4,6 vs. 1,03%) nachweisbar. Klinisch war zudem im Fall von Stentfrakturen die Inzidenz von revasularisierenden Re-Interventionen im Bereich der Zielläsion (TLR: Target Lesion Revascularisation) deutlich erhöht (24,8 vs. 6,6%).

Keine Auswirkungen auf die Mortalität

Alle Unterschiede erwiesen auch nach Berücksichtigung von Ungleichheiten bei klinischen Parametern und Charakteristika der Läsionen zwischen beiden Gruppen als statistisch signifikant. Dagegen waren die Raten für die Gesamtmortalität und die kardiale Mortalität in den Gruppen mit und ohne Stentfrakturen nicht signifikant unterschiedlich.

Als unabhängige Prädiktoren für das Auftreten von Stentfrakturen erwiesen sich unter anderem Stents in der rechten Koronararterie, Stents aus Stainless Steel, eine Stentlänge von mehr als 25 cm und Überlappungen von Stents.
 

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

09.03.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

KHK: Unbeschichtete Stents verlieren ihre letzte Bastion

25.02.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Weniger Stentthombosen mit modernen DES

02.02.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

ST-Hebungs-Myokardinfarkt: Die Wahl des besten Stents

22.01.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Sehr späte Stentthrombosen: Was steckt dahinter?