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24.02.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Infarktrisiko bei Cholerikern

Wenn Plaques vor Wut platzen

Autor:
Thomas Müller

Richtig dicker Ärger erhöht das Herzinfarktrisiko um mehr als das Achtfache, auch Angst kann einen akuten Koronarverschluss triggern, schließen Kardiologen aus einer neuen Angiografie-Studie.

„Pass auf, sonst bekommst Du noch einen Herzinfarkt“ – damit hat wohl schon manche Ehefrau versucht, ihren cholerischen Gatten zu beruhigen. Zu Recht, wie man spätestens seit der Framingham-Studie weiß. So ist Stress ein bekannter Risikofaktor für ein ischämisches Ereignis, wenngleich fortwährend darüber diskutiert wird, welcher Stress bei wem und wann am gefährlichsten ist.

Glaubt man einer aktuellen australischen Studie, muss der Choleriker schon fast vor Wut platzen, damit genau dies mit seinen Koronarplaques passiert. Ab einem gewissen Wut-Level scheint nach diesen Daten aber die Gefahr, einen Herzinfarkt auszulösen, zumindest bei atherosklerotischen Personen beachtlich zu steigen.

Quantifizierung des Wutpegels

Für ihre Studie haben die Kardiologen um Dr. Thomas Buckley von der Universität Sydney 313 Patienten mit angiografisch nachgewiesenem Koronarverschluss (TIMI 0 und 1) innerhalb von vier Tagen nach dem Ereignis interviewt. Die Betroffenen sollten zum einen auf einer Skala von 1 bis 7 angeben, wie verärgert sie in den Stunden 0–2 und 2–4 vor dem Infarkt waren. Bei 5 Punkten waren die Infarktpatienten sehr verärgert, angespannt und kurz vor dem Platzen, bei 6 Punkten waren sie völlig außer sich, zeigten einen respektablen Wutanfall, behielten aber noch einigermaßen die Kontrolle, bei 7 Punkten hatten sie diese verloren und warfen mit Gegenständen um sich oder verletzten sich oder andere Personen.

Auch Angstzustände in den zwei Stunden vor dem Infarkt wurden retrospektiv erfasst und mit den subjektiven Angaben zu Angstzuständen einen Tag vor dem Ereignis verglichen. Zugleich wurden die Personen befragt, wie häufig bei ihnen die einzelnen Wut-Level auftraten. Daraus konnten die Studienautoren dann berechnen, ob einem Herzinfarkt überproportional häufig ein Wutanfall vorausgeht.

2 Prozent waren vor dem Infarkt extrem wütend

Insgesamt gaben sieben der Patienten (2,2%) an, in den zwei Stunden vor dem Infarkt kurz vor dem Platzen gewesen oder – im übertragenen Sinne – tatsächlich geplatzt zu sein. Ihr Wut-Level lag bei 5 Punkten oder darüber. Aus der subjektiv angegebenen Häufigkeit solcher Ereignisse berechneten die Forscher um Buckley ein 8,5-fach erhöhtes Risiko, unmittelbar nach einem Wutanfall einen Herzinfarkt zu bekommen. Zwei bis vier Stunden nach dem wutbedingten Ausrasten ist das Risiko diesen Berechnungen zufolge aber bereits nicht mehr erhöht. Wenn ein Choleriker sich ausreichend beruhigt hat, scheint die Gefahr also gebannt.

Auch Angstgefühle erhöhen das Risiko

Ähnlich wie Wut könnte auch Angst die Infarktgefahr erhöhen. Für starke Angstzustände (über der 90. Perzentile einer Angstskala) fanden die Forscher immerhin ein knapp zehnfach erhöhtes Herzinfarktrisiko.

Einschränkend muss natürlich berücksichtigt werden, dass die Berechnungen zu Wutanfällen und Herzinfarktrisiko nur auf sehr wenigen, nämlich sieben Patienten und deren subjektiven Angaben beruhen. Allgemeingültige Schlussfolgerungen sind daher kaum zulässig. Auch ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die subjektiven Angaben deutlich verzerrt sind. So könnten Herzinfarktpatienten im Nachhinein dazu tendieren, sich eher einen Wutanfall unmittelbar vor dem Infarkt zu attestieren als zu anderen Zeitpunkten, weil sie darin selbst einen Auslöser sehen. Die Vorstellung, dass Wut und Ärger einen Herzinfarkt auslösen, ist ja allgemein weit verbreitet. Möglicherweise haben die Autoren um Buckley also eher die Meinung der Patienten erfasst als deren tatsächliche Angst- und Wut-Level vor dem Infarkt.

Literatur

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