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30.04.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

DECREASE-Studie

Wie sich inadäquate ICD-Therapien deutlich reduzieren lassen

Autor:
Peter Overbeck

Ein ICD (implantierbarer Cardioverter-Defibrillator) wird häufig therapeutisch aktiv, ohne dass eine bedrohliche Kammerarrhythmie vorliegt. In der DECREASE-Studie konnten deutsche Kardiologen zeigen, dass sich solche „inadäquaten ICD-Therapien“ durch eine veränderte Programmierung der ICD-Geräte deutlich verringern lassen.

Aufgabe eines ICD ist es, lebensbedrohliche ventrikuläre Tachykardien und Kammerflimmern zu erkennen und durch Abgabe von niederenergetischen schnellen Impulsen (antitachykardes Pacing, ATP) oder von Hochenergieschocks sicher zu terminieren.

Dass ICD sowohl in der Primär- als auch Sekundärprävention die Mortalität deutlich verringern, ist in Studien belegt worden.

Fehlerkennung und inadäquate Schocks

Doch leider kommt es relativ häufig, so etwa bei Vorhofflimmern, auch zu Fehlerkennungen durch den ICD und damit zu unnötigen oder inadäquaten ICD-Therapien (ATP, Schockabgabe).

In Studien wie MADIT-RIT und ADVANCE-III ist deshalb in jüngster Zeit nach Möglichkeiten gesucht worden, solche inadäquaten ICD-Therapien durch eine optimierte Programmierung der ICD-Geräte zu vermeiden.

Optionen sind dabei die Programmierung auf unterschiedliche Erkennungszonen für ventrikuläre Tachykardien (VT) und Kammerflimmern (VF) oder die Programmierung auf verlängerte Erkennungszeiten, wodurch spontan terminierende Arrhythmien unter Umständen nicht mehr als ICD-Trigger wirksam würden.

Veränderte Programmierung der VT-Erkennungszone

Eine Gruppe deutscher Kardiologen um Professor Jörg O. Schwab aus Bonn hat in der DECREASE-Studie eine modifizierte ICD-Programmierung in ihrer Wirkung auf inadäquate ICD-Therapien mit einer Standardprogrammierung verglichen. Schwab hat die Ergebnisse während einer „Hotline“-Sitzung bei der DGK-Frühjahrstagung in Mannheim vorgestellt.

An der prospektiven randomisierten Studie beteiligt waren 543 Patienten, die zur Primärprävention des plötzlichen Herztodes erstmals einen ICD (oder CRT-D) erhalten hatten und zwei Gruppen zugeteilt wurden. In der Gruppe mit „progressiver“ Programmierung wurde auf eine VT-Zone programmiert, die erst bei einer Herzfrequenz von 187 Schlägen/Minute begann (statt 171 bei konventioneller Programmierung). Die Grenze zur VF-Zone wurde auf 240 Schläge/Minute erhöht (statt 214 Schläge/Minute bei konventioneller Programmierung).

Primärer Endpunkt waren inadäquate ICD-Therapien (ATP oder Schocks) und dokumentierte unbehandelte VT und VF (> 30 Sekunden).

Inadäquate ICD-Therapien signifikant reduziert

Ergebnis: Nach zwölf Monaten betrug die Rate für den primären Endpunkt 13 Prozent (35 Patienten) bei Standardprogrammierung und 6 Prozent (17 Patienten) bei „progressiver“ Programmierung – ein signifikanter Unterschied zugunsten der „progressiven“ Gruppe.

Das Gros der Endpunkte bildeten inadäquate ICD-Therapien, nur zwei unbehandelte VT/VF-Episoden wurden dokumentiert, jeweils eine in beiden Gruppen.

Vorteil bei 2-Kammer-Detektion am größten

Eine Subgruppenanalyse ergab, dass speziell ICD-Patienten mit 2-Kammer-Detektion (57 Prozent des Studienkollektivs) besonders stark von der „progressiven“ Programmierung profitiert hatten.

Fazit Schwabs: Angesichts der gezeigten Vorteile sollte die „progressive“ Programmierung – in Kombination mit 2-Kammer-Detektion – zur Anwendung bei ICD-Erstimplantation in Betracht gezogen werden, eventuell auch bei einem Geräteaustausch oder bei Patienten, die schon seit längerem ICD.-Träger sind.

Literatur
Bildnachweise