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07.05.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Deutsche Stroke Units

Wildwuchs beim Aufspüren von Vorhofflimmern

Autor:
Philipp Grätzel

Etwa jeder vierte Schlaganfall ist Folge von Vorhofflimmern. Grund genug, bei Schlaganfall-Patienten intensiv danach zu suchen. Eine Umfrage unter deutschen Stroke Units zeigt jetzt allerdings, dass es wenig Konsens darüber gibt, wie eine solche Suche ablaufen sollte.

Seit der Einführung der Ereignisrekorder ist bekannt, dass Vorhofflimmern bei Patienten mit akutem Schlaganfall mit den üblichen Methoden ziemlich häufig übersehen wird. Obwohl das auch unter Neurologen anerkannt wird, gibt es bisher kein standardisiertes Prozedere für die Abklärung dieser wichtigen Schlaganfallursache.

Üblicherweise wird auf der Stroke Unit ein 24-Stunden-EKG geschrieben, oder es erfolgt während des stationären Aufenthalts eine telemetrische Überwachung. Dass das nicht reicht, haben Experten erst kürzlich in einer kanadischen Studie gezeigt: Die meisten Vorhofflimmern-Patienten wurden in dieser mehrphasigen Untersuchung erst im ambulanten Umfeld identifiziert, entweder durch Holter-EKGs oder mit Ereignisrekordern.

Umfrage unter deutschen Stroke Units

Neurologen der Universität Heidelberg haben jetzt eine Umfrage unter deutschen Stroke Units gestartet, um herauszufinden, wie die Einrichtungen es mit der Vorhofflimmern-Diagnostik so halten. Ergebnis: ziemlich unterschiedlich. 250 Stroke Units wurden angeschrieben, also ein Großteil der derzeit 269 von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft zertifizierten Einheiten. Immerhin 179 meldeten sich zurück. Überall erfolgt demnach ein kontinuierliches EKG-Monitoring am Krankenbett. So weit, so einheitlich.

Bei den Empfehlungen an die nachbetreuenden Einrichtungen geht es dann aber bunt durcheinander. So gaben 78% der Stroke Units an, bei über der Hälfte jener Patienten, bei denen sich stationär kein Vorhofflimmern zeigt, mindestens ein weiteres Langzeit-EKG zu empfehlen. Im Umkehrschluss kann man daraus ableiten, dass ein anhand der Umfrage nicht quantifizierbarer, aber doch relevanter Anteil der Patienten ohne Vorhofflimmern kein weiteres Langzeit-EKG erhält, sofern der ambulante Arzt es nicht selbst und ohne Expertenempfehlung ansetzt.

Kardiale Nachsorge unterentwickelt

Insgesamt scheint die kardiale Nachsorge bei den deutschen Stroke Units eher unterentwickelt zu sein: Nur 14% der Einheiten haben routinemäßig Follow-up-Termine für die EKG-Kontrolle. Auch Ereignisrekorder werden eher selten genutzt. 84% der Stroke Units empfehlen überhaupt keine externen Ereignisrekorder. Und knapp ein Drittel gab an, auch keine implantierbaren Ereignisrekorder zu empfehlen.

Werden implantierbare Ereignisrekorder genutzt, dann eher selten. 61% der Stroke Units greifen darauf nur bei einem bis maximal zehn Patienten im Jahr zurück. Lediglich 11% nutzen diesen Goldstandard der Vorhofflimmerdiagnostik häufiger als zehnmal im Jahr.

Literatur

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