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12.11.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Bei Angina pectoris

Wirkt Ranolazin bei koronarer Mikroangiopathie?

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

In der RWISE-Studie ist geprüft worden, ob eine kurzfristige Behandlung mit Ranolazin bei koronarer mikrovaskulärer Dysfunktion günstige Auswirkungen auf pektanginöse Beschwerden und myokardiale Perfusionsreserve hat.

Angina pectoris ohne signifikante koronare Makroangiopathie ist ein relativ häufig vorkommendes Phänomen, welches insbesondere bei Frauen beobachtet wird. Als Mechanismus für diese Beschwerden wird häufig eine verminderte Koronarreserve, also die mangelnde Fähigkeit, den myokardialen Blutfluss ausreichend zu steigern, angeschuldigt.

Ursächlich hierfür kann neben einer Koronarstenose auch eine disseminierte koronare Mikroangiopathie sein. Das klinische Korrelat, eben Angina pectoris, ist dann das Gleiche. Diagnostizierbar ist eine Mikroangiopathie entweder durch invasive koronare Flussmessungen oder durch indirekte Perfusionsmessungen wie beim Kardio-MRT.

Da die exakten Mechanismen der mikrovaskulär bedingten Beschwerden noch nicht geklärt sind, gingen die Autoren der beim AHA-Kongress als „Late-Breaking Trial“ vorgestellten RWISE-Studie der Frage nach, ob Ranolazin, welches durch eine späte Na-Kanal-Hemmung antianginös wirksam ist, die Beschwerden sowie die myokardiale Perfusion bei koronarer Mikroangiopathie verbessern kann.

Die Studie wurde randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert und im Cross-over-Design an 128 Patienten über jeweils 2 Wochen durchgeführt worden. Eingeschlossen wurden Patienten ohne KHK, aber mit Angina Pectoris und Ischämiezeichen, sowie einer eingeschränkten Koronarreserve. Als primärer Endpunkt wurde die Angina pectoris, gemessen mittels Seattle Angina Questionnaire (SAQ), definiert. Weitere Endpunkte waren die diastolische Funktion und die myokardiale Perfusion (im MRT gemessen) sowie Angina-Episoden, die in einem Tagebuch dokumentiert wurden.

Kein Unterschied zur Placebogruppe

Unter der Therapie mit Ranolazin zeigte sich weder in dem standardisierten Fragebogen noch in dem „Angina-Tagebuch“ ein Unterschied zur Placebo-Gruppe. Auch die myokardialen Perfusionsmessungen zeigten keinen signifikanten Unterschied.

Das Problem der koronaren Mikroangiopathie ist ein häufig unterschätztes und relativ wenig beachtetes Krankheitsbild. Eine relevant eingeschränkte Koronarreserve ist mit einer signifikant verschlechterten Prognose vergesellschaftet. Ein Therapieansatz, der gleichzeitig auch den potentiellen Pathomechanismus positiv beeinflusst, wäre dementsprechend wünschenswert.

Die RWISE-Studie hat jedoch zahlreiche Limitierungen, welche die Interpretation erschweren. Zum einen wurden mit 96% fast nur Frauen eingeschlossen. Diese wurden mit einem Fragebogen interviewt, welcher für Männer mit einer koronaren Makro- (und eben nicht Mikro-) Angiopathie konzipiert wurde. Die Einschlusskriterien waren nicht homogen (Messung der Koronaren-Perfusion mittels invasiver Messung oder MRT) und die Studiendauer war mit 2 Wochen sehr kurz.

Zum Schluss muss auch die kritische Frage gestellt werden, ob die späte Na-Kanal-Hemmung tatsächlich einen Einfluss auf die Koronarreserve haben kann. Insgesamt erscheint dieser Therapieansatz als nicht sehr aussichtsreich, um das Problem der koronaren Mikroangiopathie zu lösen. 


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. Dr. Stefan Perings ist geschäftsführender Herausgeber von „kardiologie.org". Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf sowie in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2012 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.


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