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27.01.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Hyperurikämie

Zu viel Harnsäure: Kein ursächlicher Bezug zu KHK und Diabetes?

Autor:
Peter Overbeck

Ob zu viel Harnsäure im Blut zur Entwicklung kardiometabolischer Erkrankungen beiträgt, wird kontrovers diskutiert. Forscher haben jetzt versucht, mithilfe genetischer Daten die Kausalität zu klären. Ihre Ergebnisse sprechen gegen einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Hyperurikämie und Diabetes, KHK oder Herzinsuffizienz.

Hinweise, dass nicht nur Gicht, sondern auch eine asymptomatische Hyperurikämie mit einer erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität assoziiert ist, gibt es aus epidemiologischen Studien zur Genüge. Solche Studien zeigen auch, dass Hyperurikämie und Gicht als Komponente des sogenannten metabolischen Syndroms häufig mit Hypertonie, Typ-2-Diabetes und Adipositas vergesellschaftet sind – alles Faktoren, die bekanntlich wesentlich zur Erhöhung des kardiovaskulären Risikos beitragen.

Bislang ist nicht klar, ob erhöhte Harnsäurespiegel lediglich ein Marker für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko sind oder diese Risikoerhöhung selbst ursächlich befördern. Beweisen lässt sich eine Kausalbeziehung durch große randomisierte kontrollierte Interventionsstudien, die eine Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall durch Senkung des Harnsäurespiegels belegen. Nach solchen Studien sucht man derzeit vergeblich.

Mendel-Randomisierung als Methode

Als Methode, um bereits auf Basis nicht randomisierter Beobachtungsstudien möglichen kausalen Beziehungen zwischen Variablen und bestimmten Erkrankungen auf die Spur zu kommen, erfreut sich die sogenannte Mendel-Randomisierung zunehmender Beliebtheit. In indirekter Form wird damit eine randomisierte Interventionsstudie quasi „natürlich“ imitiert. An die Stelle einer Intervention, die einen Parameter wie Harnsäurespiegel verändert, treten dabei Genvarianten, die an der Regulierung dieser Spiegel beteiligt sind und so die lebenslange Harnsäure-Exposition beeinflussen.

In genomweiten Assoziationsstudien konnten zahlreiche DNA-Varianten - auch Single Nucleotide Polymorphisms (SNP) genannt - identifiziert werden, welche die Ausprägung der Harnsäure im Blut genetisch determinieren. Die Randomisierung erledigt die Natur, die in der Meiose für eine Zufallsverteilung dieser Genvarianten (Allele) sorgt - auch von solchen, die etwas mit Unterschieden in der Höhe der Harnsäurespiegel zu tun haben.

Eine internationale Forschergruppe um Dr. Danash Saleheen aus Philadelphia hat sich in einer aktuellen Studie der Methode der Mendel-Randomisierung bedient, um zu klären, ob erhöhte Harnsäurespiegel von kausaler Bedeutung für Typ-2-Diabetes, KHK, ischämische Schlaganfälle und Herzinsuffizienz sind. Die Gruppe wählte im ersten Schritt insgesamt 28 SNPs aus, die zuvor in Studien als relevant für den Harnsäurespiegel identifiziert worden waren.

Daraus wurden 14 SNPs selektiert, die ausschließlich mit dem Harnsäurespiegel und nicht noch mit anderen Merkmalen assoziiert waren (nicht-pleiotrope Assoziation); aus diesen harnsäurespezifischen SNPs wurde dann ein genetischer Risikoscore (GRS) gebildet und in Bezug zu den genannten kardiometabolischen Erkrankungen gesetzt.

Ergebnis spricht gegen kausale Beziehung

Ergebnis: Eine dem Risikoscore entsprechende Erhöhung des Harnsäurespiegels um eine Standardabweichung war zwar mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine Gichterkrankung assoziiert (Hazard Ratio: 5,84). Dagegen konnte weder für einzelne SNPs noch für den daraus gebildeten GRS eine Assoziation mit den analysierten Erkrankungen Typ-2-Diabetes, KHK, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz nachgewiesen werden.

Die Studienautoren werten diese Ergebnis als Evidenz, die gegen eine kausale Beteiligung der Hyperurikämie an der Entwicklung kardiometabolischer Erkrankungen spricht. Nach ihrer Einschätzung ist es daher unwahrscheinlich, dass eine Senkung der Harnsäurekonzentration im Blut eine Reduktion des Risikos für Diabetes oder KHK zur Folge hat.

Literatur

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