Nachrichten 18.08.2020

Neue Vorhofflimmern-Ablationstechnik erweist sich als extrem sicher

Eine relativ neue Technik könnte die Katheterablation von Vorhofflimmern-Patienten noch sicherer machen. Eine deutsche Studie liefert nun vielversprechende Ergebnisse.

Die High-Power Short-Duration (HPSD)-Methode zur Vorhofflimmern-Ablation hat sich in einer aktuellen Studie als sehr effektiv und sicher herausgestellt. Die Inzidenz endoskopisch nachgewiesener Ösophagusverletzungen ist „bemerkenswert“ niedrig gewesen, berichten die Studienautoren um Dr. Shaojie Chen aus Frankfurt im „JACC Clinical Elektrophysiology“. 

Die HPSD-Methode ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Entwickelt wurde die Technik u.a. mit dem Ziel, die Kollateralschäden einer Katheterablation weiter zu minimieren. Eines der Hauptprobleme bei einer konventionellen Radiofrequenzablation sind Verletzungen der Speiseröhre, bedingt durch die direkte anatomische Nachbarschaft zur linksatrialen Hinterwand.

Stärker, aber kürzere Impulse

Im Gegensatz zur konventionellen Methode werden bei der HPSD stärkere, aber kürzere Energieimpulse appliziert, die Läsionen sind deshalb flacher und breiter, und das Risiko für thermische Schädigungen benachbarter Organe, so die Hoffnung, geringer. Die Technik hat darüber hinaus noch einen Zeitvorteil, weil sie schneller durchführbar ist.   

In der jetzt publizierten Frankfurt AI-HP ESO 1-Studie, an der 112 Patienten mit symptomatischen Vorhofflimmern (54,9% paroxysmal/ 45,1% persistent) teilgenommen hatten, hat die HPSD-Methode diese Erwartungen tatsächlich erfüllen können:

  • Die prozedurale Erfolgsrate lag bei 100%,
  • im Mittel benötigten die Ärzte für die Pulmonalvenenisolation gerade einmal 11,9 Minuten, 
  • die Prozedur dauerte im Schnitt 54,8 Minuten, und 
  • nur bei zwei Patienten ließ sich in der Endoskopie eine Ösophagusverletzung nachweisen (1,6%).

Außer dieser zwei Komplikationen konnten die behandelten Ärzte keine weiteren unerwünschten Ereignisse in den Nachkontrollterminen nach drei, sechs und zwölf Monaten feststellen, auch keine arterioösophageale Fistel.

Spezielles Ablationsprotokoll macht Prozedur sicherer

Die guten Sicherheitsergebnisse sind nach Ansicht der Studienautoren wahrscheinlich dem in der Studie verwendeten Ablationsprotokoll zu verdanken. Die Punkt-für-Punkt-Ablation wurde mit dem Thermocool-Katheter Smartouch SF vorgenommen. Die Läsionstiefe wurde mithilfe des Ablationsindex (AI) eingeschätzt, ein Echtzeitparameter, der sich aus Ablations-Energie, -Dauer und Anpressdruck zusammensetzt. Für die atriale Vorderwand galt ein AI-Zielwert von 550, für die Hinterwand 400.

Die Radiofrequenzenergie war auf 50 Watt festgesetzt, im Schnitt wurden die Impulse an der Hinterwand gerade mal für 7 Sekunden lang mit einem moderaten Anpressdruck von 22 g appliziert.

Hohe Ösophagustemperatur blieb meist ohne Folgen

Im Falle einer Ösophagustemperatur von ˃ 39°C wurde die Applikation an der Hinterwand kurzzeitig unterbrochen und die Ablation an anderer Stelle fortgesetzt bzw. oder so lange gewartet, bis die Temperatur wieder gesunken war. Bei 47% der Patienten wurde diese Temperaturgrenze überschritten. Bei diesen 57 Patienten wurde ein bis drei Tage nach der Prozedur eine Ösophagoskopie vorgenommen, nur in 2 Fällen ließ sich dabei eine Verletzung nachweisen (3,5%).

Ein transienter Temperaturanstieg auf z.B. 45°C sei allerdings sehr selten gewesen (bei einem Patienten bzw. 0,8%), erklären sich die Autoren diese Ergebnisse. Die Frankfurter Kardiologen schlussfolgern daraus, dass ein Anstieg der luminalen Ösophagustemperatur zwar ein Surrogatparameter für Verletzungen der Speiseröhre ist, aber nicht zwangsläufig dazu führen muss.

Aufgrund dieser Ergebnisse erscheint Chen und Kollegen eine High Power-Ablation mit einem AI von 400 in Kombination mit einem Ösophagustemperaturmonitoring als sicher und effizient. Bei fast allen Patienten war die Pulmonalvenenisolation auf Anhieb erfolgreich (95,1%).

Randomisierte kontrollierte Studien müssen nun zeigen, ob sich die Methode kurz- wie langfristig im Vergleich zur konventionellen Herangehensweise bewähren kann. Die Effektivität von High Power-Ablationen scheint einer kürzlich publizierte Kohortenstudie aus den USA zufolge auch von der Lokalisation im Myokard abzuhängen (mehr dazu lesen Sie hier).

Literatur

Chen S et al. Esophageal Endoscopy After Catheter Ablation of Atrial Fibrillation Using Ablation-Index Guided High-Power. J Am Coll Cardiol EP. 2020 DOI:10.1016/j.jacep.2020.05.022

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Bildnachweise
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Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
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