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29.03.2019 | ACC-Kongress 2019 | Nachrichten

Neues zur POET-Studie

Bakterielle Endokarditis: Partiell orale Antibiotikatherapie auch langfristig sicher

Autor:
Joana Schmidt

Bei Patienten mit bakterieller Endokarditis hat der frühe Wechsel von standardmäßig intravenöser zu oraler Antibiose keine Nachteile und kann den Klinikaufenthalt erheblich verkürzen, zeigte die dänische POET-Studie. Jetzt wurden Langzeitergebnisse dazu veröffentlicht.

Die Standardtherapie bei bakterieller Endokarditis ist eine intravenöse Antibiotikabehandlung. 2018 wiesen Daten der POET-Studie darauf hin, dass die Umstellung auf orale Antibiotika nach einer kurzen intravenösen Therapie genauso wirksam war. Die Analyse der Nachbeobachtung ergab jetzt, dass sie auch Langzeitsicherheit bietet. Die orale Antibiotikatherapie hat den Vorteil, dass Patienten früher nach Hause entlassen werden können, was die Überlebenschancen vergrößern könnte, da eine Ansteckung mit Krankenhauskeimen vermieden wird.

Hauptautor Prof. Henning Bundgaard von der nationalen Universitätsklinik Kopenhagen stellte die Ergebnisse bei der Jahrestagung 2019 des American College of Cardiology (ACC) vor. Orale Antibiotika könnten etwa nach der Hälfte der empfohlenen Antibiotikabehandlungsdauer sicher verabreicht werden, das könne ambulant geschehen. Solch eine frühzeitige Entlassung könne bei mehr als 50% der Endokarditis-Patienten sinnvoll sein, so Bundgaard.

Streptokokken waren der häufigste Erreger

An der Studie nahmen 400 Patienten mit linksseitiger Endokarditis teil, die in ein Krankenhaus eingeliefert wurden und intravenös Antibiotika erhielten. Die Forscher um Bundgaard teilten sie nach 10 Tagen in zwei Gruppen: Eine setzte die intravenöse Therapie fort, die zweite wechselte zu oralen Antibiotika und wurde wenn möglich nach Hause entlassen.

Etwa die Hälfte der Patienten beider Gruppen hatte eine Aortenklappenendokarditis, rund ein Drittel hatte eine Mitralendokarditis und etwa 10% hatten sowohl Mitral- als auch Aortenklappenendokarditis. Die häufigsten Erreger waren Streptokokken, gefolgt von Staphylococcus aureus, Enterococcus faecalis und Koagulase-negativen Staphylokokken. Die meisten Patienten hatten eine Infektion der Aortenklappe, während etwa ein Viertel eine Infektion in einer zuvor implantierten Prothesenklappe entwickelte.

Höhere Mortalität bei intravenöser Antibiose

Nach sechs Monaten waren bei 12,1% der intravenösen Gruppe und bei 9,0% der oralen Gruppe folgende Ereignisse aufgetreten: Tod, ungeplante Herzoperationen, klinisch nachweisbare embolische Ereignisse oder Rückfälle einer Bakteriämie mit dem primären Erreger (primärer Endpunkt).

Die Daten des dreieinhalbjährigen Follow-ups deuten jetzt darauf hin, dass die orale Therapie auch langfristig sicher und wirksam ist. Der primäre Endpunkt trat bei 38,2% der intravenösen Gruppe und bei 26,4% der oralen Gruppe auf. Bezüglich der verschiedenen Ereignisse, aus denen sich der primäre Endpunkt zusammensetzt, gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen abgesehen vom Sterberisiko - die langfristige Gesamtmortalität in der intravenösen Gruppe betrug 27,1%, die in der oralen Gruppe 16,4%.

Hauptautor Bundgaard glaubt, die Mortalitätsunterschiede seien wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die orale Gruppe etwa zwei Wochen früher aus dem Krankenhaus entlassen worden sei als die intravenöse Gruppe. Ein längerer Krankenhausaufenthalt könne dem Körper und der Psyche schaden. Gerade ältere Patienten mit vielen Begleiterkrankungen erholten sich manchmal nicht davon, erläutert Bundgaard.

Literatur

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