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17.03.2019 | ACC-Kongress 2019 | Nachrichten

Herz und Hirn

Herzinsuffizienz plus Depression: Psychiatrische Mitbetreuung nur teilweise effektiv

Autor:
Philipp Grätzel

Eine begleitende Depression ist bei stationären Patienten mit Herzinsuffizienz fast die Regel. In der Hopeful Heart Studie verbesserte ein psychiatrisch-internistisches Blended-Care-Konzept die Lebensqualität und Depressionssymptome, reduzierte aber nicht Krankenhauseinweisungen.

Ein Drittel bis die Hälfte aller Patienten, die wegen Herzinsuffizienz ins Krankenhaus müssen, weisen in psychiatrischen Screening-Untersuchungen Hinweise auf eine Depression auf. Wiederholt wurde gezeigt, dass das nicht nur die Lebensqualität reduziert, sondern auch herzinsuffizienzbezogene Endpunkte bis hin zur Sterblichkeit negativ beeinflusst. Dass Patienten mit einem auf Herzinsuffizienz und Depression zielenden, interdisziplinären Versorgungsprogramm geholfen werden kann, zeigt die Hopeful Heart Studie, deren Ergebnisse Prof. Dr. Bruce Rollman von der University of Pittsburgh bei der Jahrestagung der ACC in New Orleans vorgestellt hat.

Rollman hat sich mit einer ähnlichen Thematik schon früher beschäftigt. Im Jahr 2009 hat er seine „Bypassing the Blues“-Studie publiziert, in der Patienten nach kardialer Bypass-Operation von einer interdisziplinären, telefonbasierten Nachsorge profitierten, die auch psychotherapeutische Komponenten hatte. In der Hopeful Heart Studie hat er dieses Konzept jetzt auf Patienten übertragen, die wegen Herzinsuffizienz im Krankenhaus waren.

Komplexe Rekrutierung

Die Studienrekrutierung war relativ komplex und lief über mehr als dreieinhalb Jahre. Es wurde zunächst auf Station ein aus zwei Fragen bestehendes Depressions-Screening durchgeführt (PHQ-2), das von insgesamt knapp 12000 in Frage kommenden Patienten rund 8000 ausfüllten. Bei knapp der Hälfte fiel dieses Screening positiv aus. Es folgte dann zwei Wochen später telefonisch ein weiteres Depressions-Screening mit neun Fragen (PHQ-9), das von knapp 2000 Patienten vollständig beantwortet wurde und das bei 36% dieser Patienten Hinweise auf eine Depression zeigte.

Wer in beiden Screenings keinen Hinweis auf eine Depression zeigte, wurde Teil der Kontrollgruppe nicht-depressiver Patienten. Das betraf 125 Patienten. Jene 625 Patienten, die in beiden Screenings depressiv waren, wurden zu einer von drei Behandlungsgruppen randomisiert. In der einen Gruppe erfolgte eine normale ambulante Versorgung ohne Vorgaben. In der zweiten Gruppe gab es eine strukturierte telefonische Nachsorge, die nur auf die Herzinsuffizienz zielte. Und in der dritten Gruppe kümmerte sich ein interdisziplinäres Nachsorgeteam um Herzinsuffizienz und Depression.

Die Nachsorgeintervention bestand aus regelmäßigen Telefonaten zwischen Patient und einem „Care Manager“, einer speziell ausgebildeten Krankenschwester. Sie war auch dafür zuständig, die Behandlungsempfehlungen des interdisziplinären Nachsorgeteams an den Patienten zu übermitteln. Die telefonische Nachsorge führte dazu, dass die mit SF-12-Fragebogen ermittelte Lebensqualität über 12 Monate zwar schlechter blieb als in der Gruppe ohne Depression, aber signifikant besser war bei normaler ambulanter Versorgung. Dies betraf beide Nachsorgegruppen, also die mit und die ohne psychiatrische Beteiligung.

Kein Unterschied bei den Klinikeinweisungen

Ebenfalls erhoben wurde der Depressions-Score PROMIS. Hier war die interdisziplinäre Nachsorge unter Einbeziehung eines Psychiaters sowohl der normalen Versorgung als auch der kardiologischen Nachsorgeintervention signifikant überlegen. Keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den drei Studienarmen mit depressiven Herzinsuffizienzpatienten gab es bei den Klinikeinweisungen. Im Trend wurden die Patienten mit normaler Versorgung sogar seltener wieder hospitalisiert: 82% waren in dieser Gruppe innerhalb eines Jahres wieder stationär, gegenüber 85% bei kombiniert internistisch-psychiatrischer Nachsorge und 90% bei rein internistischer Nachsorge. In der Kontrollgruppe der nicht depressiven Patienten lag die Quote bei 75%.

Literatur

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