Nachrichten 18.03.2019

Intensivere Blutdrucksenkung im hohen Alter: Lassen sich so Mobilität und Kognition verbessern?

Eine intensivere Blutdrucksenkung bei älteren Patienten mit Hypertonie zeigte zumindest in der MRT-Bildbebung positive Effekte: Die Progression mikrovaskulärer Hirnveränderungen nahmen ab. Spürbare funktionelle oder kognitive Verbesserungen resultierten daraus in einer neuen Studie aber nicht.

Lassen sich durch eine intensivere  antihypertensive Therapie bei über 75-jährigen Menschen mit Hypertonie vermittelt über eine günstige Beeinflussung mikrovaskulärer Hirnläsionen funktionelle und kognitive Verschlechterungen verhindern? Dieser Frage sind US-Forscher in der beim ACC-Kongress in New Orleans vorgestellten INFINITY-Studie nachgegangen.

Die erhaltene Antwort: Zwar waren in der Hirn-MRT-Bildgebung günstige Effekte der strikteren Blutdruckeinstellung nachweisbar - funktionelle Parameter und Kognition blieben davon aber unberührt.

Die Forschergruppe um Dr. William B. White aus Farmington hat in ihre Studie 199 ältere Patienten (mittleres Alter: 80 Jahre) aufgenommen und nach Aufteilung in zwei Gruppen drei Jahre lang nachuntersucht. In dieser Zeit sollte der Blutdruck medikamentös  in der einen Gruppe auf systolische Werte unter 130 mmHg und in der anderen Gruppe auf Werte um 145 mmHg eingestellt werden. Maßgebliche dafür war die ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung.

Geringere Progression in der MRT-Bildgebung

Alle Teilnehmer  wurden vor Studienbeginn sowie nach 18 und 36 Monaten einer Hirn-MRT-Untersuchung unterzogen. Sie sollte Aufschluss über die weitere Entwicklung von initial bestehenden subkortikalen mikrovaskulären Hirnveränderung geben, die sich als sogenannte Hyperintensitäten der weißen Hirnsubstanz in der MRT-Bildgebung darstellten.

Das mit der unterschiedlichen Blutdruckeinstellung klappte: Nach drei Jahren betrug der mittlere  systolische Blutdruck 130,9 mmHg in intensiv behandelten Gruppe und 146,0 mm in der Standardgruppe. Auch auf Hirnebene wurde ein Unterschied sichtbar.  Der Unterschied beim Blutdruck korrespondierte nämlich mit einer unterschiedlichen Progression von im MRT nachweisbaren Hirnläsionen: Deren messbare Zunahme in Relation zum Ausgangsbefund war unter intensiver Blutrucksenkung signifikant geringer als unter antihypertensiver  Standardtherapie (p = 0.03).

Mobilität und Kognition blieben unbeeinflusst

Der Wermutstropfen: Bei der Messung funktioneller Parameter der Beweglichkeit wie Ganggeschwindigkeit sowie  der kognitiven Leistungsfähigkeit zeigten sich keine Unterschiede zwischen beiden Behandlungsgruppen.  Das Hauptziel der Studie, hier einen günstigen Effekt der ambitionierteren Therapie nachzuweisen, wurde somit verfehlt.

Allerdings wurde unter dieser Therapie eine signifikant niedrigere Inzidenz von nicht tödlichen kardiovaskulären Ereignissen festgestellt (4 vs. 17 Ereignisse, p < 0,01)). Dass kein Effekt auf Mobilität und kognitive Funktion nachweisbar war, könnte nach Ansicht von Studienleiter White daran liegen, dass die Laufzeit der Studie mit drei Jahren zu kurz für einen solchen Nachweis war.

Literatur

Vorgestellt in der Sitzung “Late-breaking Clinical Trials IV” beim Kongress des American College of Cardiology (ACC), 16. – 18. März 2019, New Orleans

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