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27.03.2019 | ACC-Kongress 2019 | Nachrichten

Von der Entdeckung zum Standard-Diagnostikum

Troponin-Bestimmung – eine bedeutende Innovation in der kardiologischen Diagnostik

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

Prof. Hugo Katus kann mit Recht als der Vater des Troponins bezeichnet werden. Beim ACC-Kongress 2019 sprach der amtierende Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) über die Bedeutung dieses kardialen Biomarkers aus europäischer Sicht. 

Bereits in den 1980er Jahren hat Prof. Hugo Katus entdeckt, dass kardiales Troponin (c-TNT) von skeletalem Troponin-Isoformen differenziert werden kann. Eine wegweisende Entdeckung, welche schließlich zur weltweiten Einführung der Troponin-Assays als Standard-Diagnostikum zum Nachweis bzw. Ausschluss eines Herzinfarktes führte. 

Es brauchte aber mehr als zehn Jahre, bis aus den ersten Laborergebnissen ein Standard-Diagnostikum wurde. Durch wissenschaftliche Beharrlichkeit und die feste Überzeugung, einen tatsächlichen diagnostischen Nutzen und Mehrwert für die Patienten zu schaffen, konnte am Ende  die wissenschaftliche Welt und die Gemeinschaft der Kardiologen von routinemäßigen Troponin-Bestimmungen überzeugt werden. 

Dabei war es wohl nicht zuletzt die Tatsache, dass Troponin-positive,  aber CK-MB-negative Patienten von frühzeitigen interventionellen Therapieansätzen erheblich profitiert hatten und dementsprechend die großen Fachgesellschaften ESC, ACC  und AHA ihre Myokardinfarkt-Guidelines und Definitionen zu Gunsten des Troponins geändert hatten, die den entscheidenden Durchbruch brachte. 

Bei der Jahrestagung 2019 des American College of Cardiology (ACC) zogen Experten  nun ein Zwischenresümee gezogen und diskutierten die unterschiedlichen Perspektiven in USA und Europa  im Hinblick auf das Troponin. Wenngleich die Amerikaner, wahrscheinlich aus formaljuristischen Gründen, noch niedrigere Grenzwerte als „normales hs-Troponin“ definieren als wir Europäer, so ist nach Ansicht von Katus dennoch der positive prädiktive Wert des Assays auch unter europäischen Gesichtspunkten hervorragend. Auch gemäß Daten aus seiner eigenen Klinik liegt die Auftretenswahrscheinlichkeit eines akuten Koronarereignisses nach Entlassung eines Patienten mit negativem Troponin bei ca. 0,5%. 

Katus betonte, dass jede Troponin-Erhöhung im klinischen Zusammenhang mit den Patientenbeschwerden interpretiert werden muss und häufig auch als Zeichen einer myokardialen Begleitschädigung in Zusammenhang mit anderen schweren Erkrankungen wie z. B. schwere Niereninsuffizienz oder Hypoxämie bei Lungenerkrankungen gesehen werden muss. Eine Troponin-Erhöhung, ob chronisch oder akut, sei immer von Bedeutung für die Prognose. Mit modernen Algorithmen und differenzierten Risikoscores sei heute ein Infarktauschluss innerhalb von einer Stunde möglich geworden. 

Für Katus ein Grund, bei jedem Patienten, der sich akut auf der Notaufnahme vorstellt, Troponin zu bestimmen. Ob dieses nun tatsächlich klinisch notwendig ist oder eher wissenschaftliche Erkenntnisse fördert, kann sicherlich kontrovers diskutiert werden. Fakt ist aber, dass Katus mit der Entdeckung, der systematischen Entwicklung als Standard-Diagnostikum und weltweiten Verbreitung des Troponin-Assays eine der bedeutendsten Innovationen in der Kardiologie in diesem Jahrtausend mitentwickelt hat.

Literatur

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